Krankheitsbild
Halluzinationen sind Sinneswahrnehmungen ohne einen entsprechenden äusseren Reiz. Das bedeutet: Betroffene sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen etwas, obwohl dafür keine reale Ursache vorhanden ist. Für die betroffene Person wirken diese Wahrnehmungen jedoch echt und wirklich. Halluzinationen können alle Sinnesbereiche betreffen. Besonders häufig sind akustische Halluzinationen, bei denen Stimmen oder Geräusche gehört werden. Es gibt aber auch visuelle Halluzinationen (Sehen von Personen, Lichtern oder Gegenständen), taktile Halluzinationen (z. B. das Gefühl, berührt zu werden), sowie Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen. Halluzinationen sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das bei verschiedenen psychischen oder neurologischen Erkrankungen auftreten kann. Sie kommen beispielsweise bei Schizophrenie, bei Demenz oder beim Konsum bestimmter Drogen (Halluzinogene) vor.
Symptome / Verlauf
Halluzinationen können sich sehr unterschiedlich äussern. Am häufigsten hören Betroffene zum Beispiel Geräusche oder Stimmen. Visuelle Halluzinationen können einfache Lichtblitze oder komplexe Bilder von Menschen oder Szenen umfassen. Taktile Halluzinationen äussern sich etwa als Kribbeln oder das Gefühl, dass etwas über die Haut berührt. Der Verlauf hängt stark von der Ursache ab. Sie können im Rahmen psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie wiederkehrend auftreten oder akut bei Drogenkonsum. Für Betroffene können Halluzinationen sehr belastend sein, insbesondere wenn sie bedrohlich wirken oder kontrollierend erscheinen.
Folgen / Komplikationen
Halluzinationen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Sie können Angst, Unsicherheit oder sozialen Rückzug auslösen. Im Zusammenhang mit Schizophrenie können Halluzinationen Teil einer umfassenderen psychischen Störung sein, die auch Denkstörungen, Wahnvorstellungen und emotionale Veränderungen umfasst. Bei Drogenkonsum können neben Halluzinationen auch Panikreaktionen, Verwirrtheit oder gefährliches Verhalten auftreten. In manchen Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung, insbesondere wenn Halluzinationen als zwingende Befehle erlebt werden.
Ursachen / Risikofaktoren
Halluzinationen können verschiedene Ursachen haben. Häufig treten sie im Rahmen psychischer Erkrankungen auf, insbesondere bei Schizophrenie. Auch schwere Depressionen oder andere psychotische Störungen können damit verbunden sein. Neurologische Erkrankungen, wie bestimmte Formen der Epilepsie, können ebenfalls Halluzinationen auslösen. Dabei entstehen sie durch vorübergehende Funktionsstörungen in bestimmten Hirnregionen.
Zu den weiteren möglichen Ursachen von Halluzinationen gehören Demenz und Delir. Unter letzterem versteht man akute Verwirrtheitszustände mit Aufmerksamkeits- und Bewusstseinsstörungen, die etwa durch Alkoholmissbrauch oder -entzug, schwere Verletzungen; Medikamente oder andere Erkrankungen hervorgerufen werden.
Ein weiterer wichtiger Auslöser von Halluzinationen sind psychoaktive Substanzen, insbesondere sogenannte Halluzinogene wie zum Beispiel LSD oder Marihuana. Auch andere Drogen oder Entzugszustände können Halluzinationen hervorrufen.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Zunächst erfolgt eine sorgfältige Befragung und Untersuchung, um festzustellen, ob eine psychische Erkrankung, eine neurologische Störung oder der Einfluss von Substanzen vorliegt. Je nach Diagnose kommen unterschiedliche Therapien infrage, zum Beispiel antipsychotische Medikamente bei Schizophrenie oder die Behandlung einer Epilepsie.
Das kann man selbst tun: Betroffene sollten Halluzinationen ernst nehmen und frühzeitig ärztliche Hilfe suchen, besonders wenn sie neu auftreten, sich verstärken oder mit Verwirrtheit, Angst oder Selbstgefährdung verbunden sind. Wichtig ist ausserdem, auf regelmässige Medikamenteneinnahme zu achten, sofern eine entsprechende Behandlung verordnet wurde.
Quellenangaben:
Thieme, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, (2006) - Gehlen, Delank, Neurologie, (2010), 12. Auflage - W.F. Haupt et al., Neurologie und Psychiatrie für Pflegeberufe, Thieme, (2009), 10. Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.