Überblick
Die Fibromyalgie ist ein chronisches Schmerzsyndrom, das durch weit verbreitete Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafprobleme und ausgeprägte Erschöpfung gekennzeichnet ist. Sie zählt zu den funktionellen somatischen Syndromen – das heißt, es lassen sich keine organischen Ursachen im klassischen Sinn feststellen.
Etwa 2-4 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, überwiegend Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber behandelbar. Die Lebensqualität kann mit gezielten Maßnahmen deutlich verbessert werden.
Symptome
Fibromyalgie-Symptome sind vielfältig und nicht immer leicht zuzuordnen. Typisch ist das gleichzeitige Auftreten mehrerer Beschwerden.
Häufige Fibromyalgie-Symptome:
- Chronische, diffuse Schmerzen an verschiedenen Körperstellen
- Erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie)
- Erschöpfung (Fatigue)
- Nicht-erholsamer Schlaf, Ein- und Durchschlafstörungen
- Konzentrationsprobleme („Fibro-Fog“)
- Morgensteifigkeit
- Kopfschmerzen, Reizdarmbeschwerden, Herzrhythmusstörungen
- Kälte- oder Wärmeempfindlichkeit
Die Schmerzen betreffen oft Rücken, Nacken, Arme, Beine und Brust. Bei Belastung verstärken sich die Beschwerden – ebenso durch Stress, Kälte oder Wetterwechsel.
Verlauf
Der Verlauf der Fibromyalgie ist individuell sehr unterschiedlich und nicht fortschreitend im klassischen Sinne. Typischerweise beginnt die Erkrankung schleichend mit unspezifischen Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Erschöpfung. Im weiteren Verlauf können sich die Symptome auf andere Körperregionen ausbreiten und an Intensität zunehmen.
Die Beschwerden treten häufig in Schüben auf, wobei sich Phasen mit stärkeren Schmerzen und Erschöpfung mit Zeiten geringerer Belastung abwechseln. Auslöser für solche Schübe können körperlicher oder psychischer Stress, Infektionen oder Wetterveränderungen sein.
Trotz der chronischen Natur der Fibromyalgie führt die Erkrankung nicht zu einer verminderten Lebenserwartung oder körperlichen Invalidität. Mit geeigneten Therapieansätzen und Anpassungen im Lebensstil können viele Betroffene lernen, mit den Symptomen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Ursachen einer Fibromyalgie
Die genauen Ursachen der Fibromyalgie sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine gestörte Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem.
Mögliche Auslöser und Risikofaktoren:
- Genetische Veranlagung
- Chronischer Stress oder Traumata
- Hormonelle Veränderungen (z. B. in den Wechseljahren)
- Infektionen (z. B. nach Virusinfekten)
- Schlafmangel
Bei Fibromyalgie lassen sich keine Entzündungen oder Gewebeveränderungen nachweisen – das erschwert die Akzeptanz bei Betroffenen und im sozialen Umfeld.
Diagnose
Ein spezieller Fibromyalgie-Test im klassischen Sinn existiert nicht. Die Diagnose erfolgt klinisch durch Ausschluss anderer Erkrankungen.
Typisches Vorgehen:
- Anamnese und körperliche Untersuchung
- Schmerzverteilungsmuster (mind. 3 Monate Beschwerden an mindestens 4 von 5 Körperregionen)
- Widespread Pain Index (WPI) und Symptom Severity Scale (SSS)
- Ausschluss anderer Ursachen (z. B. rheumatische Erkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion)
Früher wurden sogenannte Tender Points untersucht, heute gelten standardisierte Kriterien nach ACR (American College of Rheumatology).
Behandlung
Die Behandlung der Fibromyalgie ist individuell und kombiniert verschiedene Ansätze. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und Symptome zu lindern.
Bausteine der Fibromyalgie-Behandlung
- Bewegungstherapie: sanfte Ausdauerbewegung wie Walking, Radfahren, Schwimmen
- Physiotherapie: zur Muskelentspannung und Haltungsverbesserung
- Schlafhygiene und Stressmanagement
- Psychotherapie: insbesondere kognitive Verhaltenstherapie
- Medikamente: niedrig dosierte Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), Schmerzmittel nur unterstützend
- Alternative Verfahren wie Akupunktur oder Yoga können ergänzend eingesetzt werden, ebenso wie Achtsamkeitstraining und Biofeedback
Was die Apotheke rät
- Bleiben Sie aktiv – sanfte Bewegung wie Yoga, Tai-Chi oder Spaziergänge können Muskelverhärtungen lösen und die Beweglichkeit fördern.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker über mögliche Nährstoffdefizite, z.B. Vitamin D oder Magnesium, die bei Fibromyalgie häufig sind.
- Sorgen Sie für erholsamen Schlaf. Pflanzliche Präparate wie Baldrian oder Melatonin können neben einer gesunden Schlafroutine den Schlaf verbessern.
- Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster, Wärmekissen, warme Bäder oder Saunagänge können die Durchblutung fördern und Muskelschmerzen lindern.
- Nutzen Sie die Beratung in der Apotheke zu geeigneten Schmerzmitteln und pflanzlichen Präparaten, aber vermeiden Sie die langfristige Einnahme von Schmerzmitteln ohne ärztliche Rücksprache.
Kurz zusammengefasst
- Fibromyalgie ist ein chronisches Schmerzsyndrom ohne erkennbare Gewebeschädigung.
- Symptome: Muskelschmerzen, Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen.
- Behandlung: Bewegungstherapie, Physiotherapie, Entspannung, ggf. Psychotherapie, und Medikamente.
- Mit guter Therapie lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern.
zuletzt aktualisiert: 23.04.2026
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