Hirntumor-Impfstoff: 66 Prozent der Patienten leben nach acht Jahren noch

Dr. Frank Schäfer  |  14.07.2026 09:14 Uhr

Ein neuer Impfstoff gegen bestimmte Hirntumore hat in einer ersten klinischen Studie ungewöhnlich gute Langzeitergebnisse erzielt: Acht Jahre nach der Behandlung lebten noch 66 Prozent der Patienten. Experten sprechen von einem wichtigen Signal. Ob der Impfstoff tatsächlich wirksamer ist als die bisherige Standardtherapie, müssen größere Studien allerdings erst zeigen.

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Eine neue Impfstrategie gegen bestimmte Hirntumoren wird derzeit in klinischen Studien untersucht.
© whyframestudio/iStockphoto

Zwei Drittel der Patienten leben acht Jahre nach der Therapie noch

Der Impfstoff soll das Immunsystem so trainieren, dass es Tumorzellen gezielt erkennt und angreift. Erste Langzeitdaten deuten darauf hin, dass Patienten dadurch deutlich länger leben könnten. In einer klinischen Studie waren zwei Drittel der Teilnehmer auch nach acht Jahren noch am Leben. Für die Patienten wäre das ein ungewöhnlich gutes Langzeitergebnis. Zum Vergleich: Bei vergleichbaren Tumoren lag die mittlere Überlebenszeit bislang meist zwischen 2,5 und 5 Jahren.

Warum die Überlebensraten so bemerkenswert sind

Gliome gehören mit zu den schwierigsten Krebserkrankungen. Sie lassen sich meist nicht vollständig operieren, und auch Strahlen- sowie Chemotherapie können das Tumorwachstum häufig nur begrenzt bremsen.

In der vorgestellten Phase-1-Studie erhielten 33 Patienten mit neu diagnostizierten hochgradigen Astrozytomen – eine häufige Form von Gliomen – zusätzlich zur Standardbehandlung einen neu entwickelten Peptidimpfstoff. Dieser richtet sich gegen eine genetische Veränderung, die sogenannte IDH1-Mutation, die bei vielen Patienten mit Gliomen vorkommt. 

Nach einer Nachbeobachtungszeit der Studie von bis zu acht Jahren zeigte sich:

  • 66 Prozent der Studienteilnehmer lebten noch.
  • Bei 42 Prozent war die Erkrankung während des Beobachtungszeitraums nicht fortgeschritten.
  • Bei einigen Patienten, deren Tumor vollständig entfernt werden konnte, waren die Überlebensraten noch höher.

Wie der Impfstoff Krebszellen erkennt 

Der Impfstoff trainiert das Immunsystem darauf, Tumorzellen mit der veränderten IDH1-Struktur zu erkennen und gezielt anzugreifen. Deshalb könnte er für zahlreiche Patienten infrage kommen und müsste nicht individuell hergestellt werden. Der Impfstoff lässt sich außerdem mit anderen modernen Therapien kombinieren, was die Wirksamkeit weiter verbessern könnte.

Warum Experten trotzdem zur Vorsicht raten

Die in der Fachzeitschrift „Nature Cancer“ veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass sich mit dem neuen Impfstoff die Therapie bei Gliomen in vielen Fällen verbessern lässt. Insgesamt sind die Ergebnisse aber noch kein endgültiger Beleg, dass die Impfung nun eine neue Standardtherapie von Gliomen ist.

Studienleiter Lukas Bunse, Sektionsleiter Neuroonkologie an der Universitätsmedizin Mannheim und Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, betont: „In der Phase-I-Studie wird primär die Sicherheit und die Immunreaktion untersucht. Bei Rückschlüssen zur Wirksamkeit ist Vorsicht geboten, da die Studie keine Kontrollgruppe hat. Dennoch liefern die Ergebnisse starke Hinweise auf einen klinischen Nutzen.“

Auf Grundlage der vorliegenden Langzeitdaten ist bereits eine multizentrische, randomisierte Phase-2-Studie geplant, die die Wirksamkeit des Impfstoffs nunmehr genauer prüfen soll. 

Quelle: DOI 10.1038/s43018-026-01199-y

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