Die Behandlung von starkem Übergewicht, fachsprachlich Adipositas, bei Kindern und Jugendlichen steht vor einem Wendepunkt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass moderne Medikamente wirksamer sind als bisher angenommen.
Fachgesellschaften reagieren auf neue Daten
Die medizinische Leitlinie zur „Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“ wurde deutlich früher überarbeitet als vorgesehen. Verantwortlich dafür sind die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) sowie 21 weitere Fachgesellschaften und zwei Selbsthilfegruppen.
Deutliche Effekte auf Gewicht und Risikofaktoren
Der Grund für die vorgezogene Aktualisierung: Eine grundlegend veränderte wissenschaftliche Studienlage. Leitlinienkoordinator Professor Dr. Martin Wabitsch erklärt dazu: „Seit der letzten Leitlinienversion im Jahr 2019 hat sich die Evidenz zur medikamentösen Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter grundlegend weiterentwickelt.“
Medikamente inzwischen für Jugendliche zugelassen
Mehrere hochwertige Studien zeigen inzwischen, dass sogenannte GLP‑1‑Rezeptoragonisten bei jungen Menschen mit Adipositas klinisch relevante Effekte auf Gewicht und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erzielen. Da diese Medikamente inzwischen auch für Jugendliche zugelassen sind, wäre ein Warten bis 2027 „fachlich nicht vertretbar“.
Neue Optionen für Jugendliche mit extremer Adipositas
Wabitsch betont, dass Kinder und Jugendliche mit extremer Adipositas ein erheblich erhöhtes Risiko für Typ‑2‑Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besitzen. Eine medikamentöse Therapie stelle eine relevante Alternative zu operativen Eingriffen dar, etwa einer Verkleinerung des Magens.
Leitlinie soll Versorgung verbessern
Zudem soll die Leitlinie für mehr rechtliche Sicherheit bei den Ärztinnen und Ärzten sorgen. Viele Krankenkassen lehnen die Kostenübernahme der genannten Medikamente für Kinder und Jugendliche immer wieder ab.