Ob im Büro oder im Homeoffice: Viele Menschen verbringen Stunden im Sitzen. „Vereinfacht kann für die Beine gesagt werden ‚Laufen und Liegen gut, Sitzen und Stehen schlecht‘“, sagt Prof. Tobias Görge, Leiter des Venen Kompetenz-Zentrums am Universitätsklinikum Münster (UKM). Die Venen transportieren das Blut von den Füßen zum Herzen. Sitzt man lange, staut sich das Blut in den Beinen. Die Venen können sich dann weiten, manchmal so stark, dass die Venenklappen den Rückfluss nicht mehr ausreichend verhindern. Auf diese Weise können Krampfadern entstehen.
Erste Warnzeichen für Krampfadern früh erkennen
Schon bevor sich Krampfadern zeigen, können Symptome auf eine Venenschwäche hindeuten:
- Schweregefühl in den Beinen
- Schwellungen, vor allem abends
- Sichtbare Besenreiser im Bereich der Knöchel
Wichtig: „Eine Überwärmung und akute Schwellung des Beines kann auf eine Thrombose hindeuten und gehört unverzüglich abgeklärt“, betont Görge.
Moderne Behandlung ist schonender als früher
Galt früher das „Krampfadern ziehen“ als Standard-Behandlung, kommen heute minimalinvasive Verfahren bei der Behandlung zum Einsatz. Mithilfe von Kathetern werden betroffene Venen schonend verschlossen. Dies geschieht zum Beispiel mit Wärme bei einer Radiofrequenz-Ablation oder Laser-Behandlung, durch eine Art Kleber oder eine Schaumverödung, meist ambulant und unter örtlicher Betäubung.
Bewegung statt Stillstand: Das schützt die Venen
Ob man Krampfadern entwickle oder nicht hänge auch davon ab, mit welcher genetischen Grundlage man auf dem Stuhl sitze, sagt Görge. „Das ‘starre’ Sitzen schädigt die Venenklappen am meisten.“ Wer sich regelmäßig bewegt, kann dem aber aktiv gegensteuern, auch bei genetischer Veranlagung. Schon kleine Veränderungen im Alltag können viel bewirken. Görges Tipps: „Einfache Übungen am Schreibtisch sind Heben und Senken im Fußgelenk, Anspannen der Wadenmuskulatur und einfaches Gehen. Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, kann auch ein Kompressionsstrumpf der Klasse I (nicht so stramm) helfen.“