Krankheitsbild
An sich ist Schwitzen nicht krankhaft, sondern trägt natürlicherweise dazu bei, bei Hitze und/oder körperlich belastenden Tätigkeiten die Körpertemperatur stabil zu halten. Bei der primären Hyperhidrose schwitzen Betroffene jedoch ungewöhnlich stark, ohne dass dies durch Hitze, starke Anstrengung oder eine andere Erkrankung wie etwa eine Infektion mit Fieber erklärlich wäre. Auslöser können starke Emotionen, Stress oder Anstrengungen sein, teils kann das Schwitzen aber auch spontan auftreten.
Symptome/Verlauf
Hyperhidrose kann sich an bestimmten Körperstellen wie etwa unter den Achseln, an den Handinnenflächen, den Fusssohlen, der Stirn, in den Leisten oder im Gesicht bemerkbar machen, sie kann aber auch an mehreren Körperstellen auftreten, was als generalisierte Hyperhidrose gilt. Übermässiges, starkes Schwitzen empfinden viele Betroffene als sehr unangenehm, wenn sie etwa deswegen niemandem mehr die Hand geben möchten oder dadurch in der Oeffentlichkeit immer wieder verunsichert werden.
Das übermässige Schwitzen kann in mehreren Schwergraden vorliegen:
Grad I - leichte Hyperhidrose; an Achsel, Fuss- oder Handflächen deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit, in der Achsel, Schwitzflecken von 5 bis 10 cm Durchmesser. Betroffene spüren das verstärkte Schwitzen, es ist aber nicht übermässig lästig.
Grad II - mässig starke Hyperhidrose; an Achsel, Fuss- oder Handflächen Bildung von Schweissperlen, in der Achsel Schwitzflecke von 10 bis 20 cm Durchmesser. An den Fuss- oder Handflächen ist das Schwitzen auf diese begrenzt. Es muss wiederholt Kleidung gewechselt werden.
Grad III - starke Hyperhidrose; an Achsel, Fuss- oder Handflächen tropft Schweiss ab, in der Achsel haben die Schwitzflecke mehr als 20 cm Durchmesser. An den Fuss- oder Handflächen findet sich Schweiss auch oben auf den Fingern und Zehen sowie am seitlichen Rand von Hand und Fuss. Es können zudem Hautreizungen, Ausschläge und unangenehmer Körpergeruch auftreten.
Die primäre Hyperhidrose beginnt oft in der Pubertät. Übergänge von normalem zu krankhaftem Schwitzen sind in leichteren Fällen nicht immer klar zu bestimmen, wichtig ist, ob Betroffene darunter leiden.
Folgen/Komplikationen
Wer häufig ohne dies steuern und vorhersehen zu können übermässig schwitzt, kann sich dadurch in alltäglichen Situationen und seinem sozialen Umfeld gehemmt fühlen. Das wiederum begünstigt sozialen Rückzug und dessen psychische Folgen. Zudem begünstigt ständiges starkes Schwitzen Pilzinfektionen beispielsweise an den Fusssohlen.
Ursachen/Risikofaktoren
Was ganz genau übermässiges Schwitzen auslöst, ist nicht geklärt. Fest steht, dass Betroffene nicht mehr oder grössere Schweissdrüsen haben als andere Menschen. Die Drüsen sind bei entsprechender Veranlagung jedoch überaktiv, möglicherweise wegen einer zu starken Stimulation durch das sympathische Nervensystem. Die Schweissausbrüche können, wie bei normalem Schwitzen auch, durch scharfe Speisen, Kaffee, Alkohol oder heisse Mahlzeiten gefördert werden.
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Ärztinnen oder Ärzte untersuchen zunächst, ob es eine bestimmte Ursache für das übermässige Schwitzen gibt. Das können Erkrankungen wie etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, Infektionen, neurologische Erkrankungen, Störungen des Hormonhaushaltes oder manche Medikamente sein. Es lieg in diesem Fall eine sekundäre Hyperhidrose vor, deren Ursachen dann angegangen werden müssen.
Finden sich solche Auslöser nicht, liegt eine primäre Hyperhidrose vor. Ärztinnen und Ärzte können mit verschiedenen Methoden deren Ausmass erfassen. Durch bestimmte zumeist äusserlich aufgetragene Wirkstoffe lässt sich der Schweissfluss bremsen. An Händen und Füssen hilft möglicherweise auch eine Behandlung mit schwachem Gleichstrom in einer Wasserwanne. Bei starkem Schwitzen kann lokal, etwa in den Achselhöhlen, Botulinumtoxin gespritzt werden. Auch eine Mikrowellen- oder Ultraschallbehandlung oder die operative Entfernung von Schweissdrüsen sind möglich. Die Therapie müssen Ärztinnen oder Ärzte mit den Patienten individuell besprechen.
Was man selbst tun kann:
Um Schweissausbrüche nicht unnötig zu provozieren, können ein paar Massnahmen helfen, so kann man zum Beispiel
- soweit möglich, auf scharfe und heisse Speisen sowie heisse Getränke verzichten,
- möglichst wenig koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen,
- betroffene Hautstellen gut pflegen und sich dazu in der Apotheke oder beim Hautarzt beraten lassen,
- Stress durch geeignete Entspannungstechniken mindern oder mildern,
- überhitzte Räume meiden,
- anstrengende Tätigkeiten in kühlere Morgen- oder Abendstunden verlegen, dabei öfter pausieren,
- vorhandenes Übergewicht abbauen.
Quellenangabe:
Moll, Dermatologie, (2010), 7. Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.