Baby & Familie

Leichte Kost im Kreissaal schadet nicht

27.10.2015

Lange Zeit wurde Schwangeren geraten, während der Geburt nichts zu essen. Zu groß sei die Gefahr, sich zu verschlucken. Eine kanadische Studie stuft dieses Risiko nun als sehr gering ein. Vielmehr könnten die meisten gesunden Frauen von einer leichten Zwischenmahlzeit sogar profitieren.

Eine Geburt verbraucht so viele Kalorien wie ein Marathonlauf.
© Techniker-Krankenkasse

Wie aus der Analyse von 385 Studien hervorging, kommt es heutzutage so gut wie nicht mehr vor, dass sich gesunde Gebärende verschlucken, Nahrung oder Flüssigkeit also fälschlicherweise in die Luftröhre gelangt. So habe es deswegen zum Beispiel in Großbritannien am Ende der Schwangerschaft zwischen 2000 und 2005 keinen Todesfall gegeben, berichteten Wissenschaftler von der Memorial University in Kanada auf der Tagung Anesthesiology 2015 in San Diego, USA. Im Vergleich dazu seien es in den 1940ern noch 1,5 Todesfälle pro 1.000 Entbindungen gewesen. Die positive Veränderung gehe wahrscheinlich auf eine verbesserte Anästhesie zurück, vermuten die Forscher.

Während der Geburt Essen und Trinken vorzuenthalten ist den Wissenschaftlern zufolge in den meisten Fällen unnötig. Vielmehr könnten viele gesunde Frauen während der Wehen, die sich bekanntlich über viele Stunden hinziehen können, von leichten Speisen wie Früchten, Toast oder einer leichten Suppe, dazu Saft oder Wasser, profitieren. Der Bedarf einer Gebärenden an Energie und Kalorien sei mit dem eines Marathonläufers vergleichbar, schätzen die Forscher. Fehlten diese, greife der Körper auf Fettreserven zurück. Dadurch erhöhe sich der Säuregrad des Blutes von Mutter und Ungeborenem, was möglicherweise dazu führe könne, dass die Wehen weniger stark ausfallen und die Geburt länger dauere.

Faktoren, die gegen eine leichte Mahlzeit sprechen, weil sie die Gefahr des Verschluckens erhöhen, seien dagegen starkes Übergewicht der Gebärenden oder die Einnahme stark schmerzhemmender Mittel. Wer essen dürfe und wer nicht, müsse letztlich für jede Schwangere individuell entschieden werden, so die Forscher.

HH

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