Medikamente kindersicher verstauen

Wenn Kinder versehentlich Medikamente ihrer Eltern oder Großeltern schlucken, kann das gefährlich werden.

Bekommen kleine Kinder ungehindert Zugang zu Medikamenten und verschlucken sie diese, kann das gefährlich werden.
Verschlucken kleine Kinder versehentlich Medikamente, kann das gefährlich werden.
© Halfpoint - stock.adobe.com

Mehr als 80 Prozent der Großeltern gaben in einer Umfrage der US-Universität Michigan an, dass sie ihre Medikamente wie gewohnt aufbewahren, wenn junge Enkelkinder zu ihnen nach Hause kommen. Zu den üblichen Aufbewahrungsorten zählten Schränke, Arbeitsplatten, Tische, Geldbörsen und Handtaschen. Nur fünf Prozent gaben an, ihre Medikamente in einem verschlossenen Schrank zu deponieren. Doch dies nicht zu tun, bringt Kinder möglicherweise in Gefahr. Laut Experten der Aktion "Das sichere Haus e. V." verursachen Medikamente mehr als 50 Prozent aller behandlungsbedürftigen Vergiftungen bei Kindern. Dementsprechend gehörten im letzten Jahr bei den Giftnotrufzentralen hierzulande Verdachtsfälle auf Vergiftungen mit Medikamenten zu den drei häufigsten Gründen für Anrufe besorgter Bürger.

Als besonders gefährlich für Kinder stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) folgende Medikamente ein:

  • Antiarrhythmika, also Mittel, die man zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen einsetzt
  • Antidiabetika wie Glibenclamid, Gliclazid, Glimepirid und Gliquidon
  • Psychopharmaka, vor allem trizyklische Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Hier schon bei versehentlicher Einnahme von nur einer Tablette unverzüglich den Notarzt rufen!

Aber auch rezeptfrei in der Apotheke erhältliche Medikamente bergen Risiken. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Wirkstoff Paracetamol: Das Schmerzmittel wird in seiner Gefährlichkeit oft unterschätzt. Überschreiten Nutzer die Tageshöchstdosis, treten möglicherweise schwere Leberschäden auf, die bis zum Tode des Kindes führen können. Das Tückische: Eine Paracetamol-Vergiftung verläuft schleichend mit sehr unspezifischen Anzeichen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen.

Ob und wie gefährlich eine versehentlich verschluckte Tablette oder ein Saft ist, hängt stark vom Wirkstoff und der Dosis ab. Das BfR hat eine Broschüre zusammengestellt, die auflistet, welche Sofortmaßnahmen bei welchen Medikamenten und anderen Substanzen helfen. Die Liste steht unter dem Link www.t1p.de/vergiftungsunfall zum Herunterladen bereit.

Wohin mit den Medikamenten?

Um Medikamente kindersicher zu verstauen, eignen sich zum Beispiel die obersten Reihen von Regalen und Schränken, in mindestens 1,50 Metern Höhe. "Noch besser ist es, die Medikamente in einem verschließbaren oder zumindest für Kinder schwer zu öffnenden Behältnis zu lagern. Hier kommen zum Beispiel Medikamentenschränke oder abschließbare Kisten infrage", sagt Britta Ginnow, Arzneimittelexpertin beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie. Medikamente, die man im Kühlschrank lagern muss, werden am besten in schwer zu öffnende Dosen verpackt.

Das gilt im Übrigen auch, wenn die Großeltern zu Besuch kommen und ihre Blutdruck- oder Herzmedikamente in der Handtasche oder dem Rucksack aufbewahren. Am besten verstauen sie die ganze Tasche oder die Packung mit den Medikamenten gleich nach der Ankunft an einem kindersicheren Ort. "Aber nicht nur die Lagerung, sondern auch die eigenen Routinen sollten überdacht werden. Oma sollte zum Beispiel ihre Tabletten nicht wie gewohnt vor dem Essen auf den Teller legen", empfiehlt Ginnow.

Was tun im Notfall?

Wenn ein Kind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Medikament geschluckt hat, ist ärztliche Hilfe erforderlich. Rufen Sie in jedem Fall den Notarzt, bleiben Sie bei dem betroffenen Kind und bewahren Sie Ruhe. Sinnvoll ist auch, den Giftnotruf in Ihrem Bundesland anzurufen, um Verhaltenstipps bis zum Eintreffen des Arztes zu bekommen. Die Liste mit den Rufnummern finden Sie online bei aponet.de.

Wichtig: Bringen Sie das Kind ohne ärztliche Anweisung nicht zum Erbrechen. Gefährliche Substanzen können dabei in die Atemwege gelangen und dort mehr Schaden anrichten als im Magen.

Natascha Koch

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