Überblick
Mukoviszidose – auch zystische Fibrose genannt – ist eine erblich bedingte Erkrankung, die durch einen Gendefekt ausgelöst wird. Dabei funktioniert ein bestimmter Eiweißkanal in den Zellen nicht richtig. Die Folge: Körperflüssigkeiten wie Schleim, Schweiß oder Verdauungssäfte sind viel zäher als normal.
Vor allem in der Lunge sammelt sich der Schleim an, was zu chronischem Husten, Atemnot und häufigen Infektionen führt. Auch Bauchspeicheldrüse und Darm sind betroffen – Nährstoffe können nur schlecht aufgenommen werden, was das Wachstum hemmt und zu Untergewicht führt.
Die Erkrankung ist selten, aber chronisch – und betrifft in Deutschland etwa eines von 2.500 Neugeborenen. Mukoviszidose ist nicht heilbar, aber früh erkannt und konsequent behandelt, lässt sich die Krankheit gut beeinflussen. Neue Medikamente und individuell angepasste Therapien haben die Lebenserwartung in den letzten Jahren deutlich verbessert.
Symptome von Mukoviszidose
Mukoviszidose zeigt sich meist schon im Säuglings- oder frühen Kindesalter, kann aber in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich sein. Die Symptome betreffen vor allem die Lunge und den Verdauungstrakt, da hier besonders viel zäher Schleim gebildet wird.
Typische Anzeichen
- Chronischer Husten mit zähem Schleim
- Häufige Atemwegsinfekte oder Lungenentzündungen
- Atemnot, pfeifende Atmung
- Gedeihstörung bei Säuglingen, schlechtes Wachstum
- Fettige, übelriechende Stühle
- Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung
- Salziger Geschmack der Haut (durch hohe Salzkonzentration im Schweiß)
Ohne Behandlung kann es mit der Zeit zu bleibenden Lungenschäden, Verdauungsproblemen oder Diabetes kommen. Viele Symptome bessern sich aber deutlich durch eine gezielte Therapie.
Verlauf von Mukoviszidose
Mukoviszidose kann heute oft schon kurz nach der Geburt erkannt werden. Seit 2016 gehört die Erkrankung in Deutschland zum Neugeborenen-Screening. Dabei wird wenige Tage nach der Geburt ein Blutstropfen auf bestimmte Erkrankungen untersucht – darunter auch Mukoviszidose. So kann die Behandlung früh beginnen, noch bevor erste Beschwerden auftreten.
Mukoviszidose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die im Laufe des Lebens immer wieder behandelt und angepasst werden muss. Der Verlauf kann individuell sehr unterschiedlich sein – abhängig vom Schweregrad, Therapiebeginn und genetischem Typ.
Verlauf von Mukoviszidose ohne Behandlung
- Zäher Schleim blockiert die Atemwege – es kommt zu häufigen Infekten, chronischer Bronchitis und Lungenentzündungen.
- In der Bauchspeicheldrüse können die Verdauungsenzyme nicht richtig ausgeschieden werden – die Folge sind Verdauungsprobleme, Untergewicht und Mangelerscheinungen.
- Bei fortschreitendem Verlauf können Diabetes, Leberprobleme oder eine Verschlechterung der Lungenfunktion auftreten.
Verlauf von Mukoviszidose mit moderner Therapie
- Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen – viele Betroffene erreichen heute das Erwachsenenalter und führen ein aktives Leben.
- Dank moderner Therapien liegt die durchschnittliche Lebenserwartung inzwischen bei über 50 Jahren – Tendenz steigend.
- Durch regelmäßige Therapie, Atemphysiotherapie, gute Ernährung und neue Medikamente können viele Komplikationen deutlich reduziert werden.
- Seit einigen Jahren stehen zielgerichtete Medikamente (CFTR-Modulatoren) zur Verfügung, die bei bestimmten Gendefekten gezielt die Ursache behandeln – ein wichtiger Fortschritt.
Ursachen
Mukoviszidose ist eine vererbte Erkrankung, die durch einen Gendefekt im sogenannten CFTR-Gen entsteht. Dieses Gen ist für den Salz- und Wassertransport in den Zellen verantwortlich. Ist es verändert, werden Sekrete wie Schleim oder Verdauungssäfte viel zu zäh – mit weitreichenden Folgen für Lunge, Bauchspeicheldrüse und andere Organe. Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt.
Das bedeutet:
- Ein Kind erkrankt nur, wenn beide Elternteile Träger des veränderten Gens sind.
- Träger selbst sind gesund, können das Gen aber unbemerkt weitergeben.
- Das Risiko, dass zwei Träger ein betroffenes Kind bekommen, liegt bei 25 Prozent pro Schwangerschaft.
Risikofaktoren:
- Positive Familiengeschichte
- Nicht bekannte Trägerschaft bei beiden Elternteilen
- Kinder aus Verwandtenehen (höheres Risiko, dass beide das Gen tragen)
Mukoviszidose ist nicht ansteckend – sie entsteht ausschließlich durch Vererbung. In Deutschland leben etwa 8.000 bis 9.000 Menschen mit der Erkrankung, jedes Jahr kommen rund 150 Neugeborene hinzu.
Diagnose
Mukoviszidose kann heute in vielen Fällen bereits im Neugeborenen-Screening erkannt werden. Wird der Verdacht dabei bestätigt, folgen gezielte Untersuchungen zur Sicherung der Diagnose.
Typische Schritte zur Diagnosestellung:
- Schweißtest, dabei wird die Salzkonzentration im Schweiß gemessen. Ein deutlich erhöhter Salzgehalt spricht stark für Mukoviszidose.
- Bei auffälligem Schweißtest wird das CFTR-Gen in einem Gentest untersucht. So lässt sich die genaue genetische Veränderung feststellen – wichtig für Prognose und Therapieauswahl.
- Blut- und Stuhluntersuchungen zeigen, ob Entzündungen oder Mangelerscheinungen vorliegen und ob die Bauchspeicheldrüse betroffen ist.
- Lungenfunktionstests und Röntgen/CT zeigen, wie stark die Atemwege bereits betroffen sind.
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser können Folgeschäden vermieden und die Entwicklung positiv beeinflusst werden.
Therapie: Was bei Mukoviszidose hilft
Mukoviszidose ist bisher nicht heilbar, aber mit moderner Therapie gut behandelbar. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, Infektionen zu vermeiden, die Verdauung zu unterstützen und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.
Wichtige Bausteine der Behandlung:
- Atemtherapie und Physiotherapie: Mehrmals täglich durchgeführte Übungen helfen, zähen Schleim zu lösen und das Atmen zu erleichtern.
- Medikamente zur Schleimlösung und gegen Entzündungen: Dazu gehören z. B. Inhalationen mit Salzlösungen, bronchienerweiternde Mittel oder Antibiotika bei Infektionen.
- Enzympräparate für die Verdauung: Da die Bauchspeicheldrüse oft nicht genug Verdauungsenzyme liefert, nehmen Betroffene diese vor jeder Mahlzeit ein.
- Ernährungsberatung: Eine kalorien- und nährstoffreiche Ernährung ist wichtig, um Wachstumsstörungen und Mangelerscheinungen zu vermeiden.
- CFTR-Modulatoren: Moderne Medikamente, die direkt an der Ursache ansetzen – also der fehlerhaften Funktion des CFTR-Proteins. Sie kommen bei bestimmten Gendefekten zum Einsatz und haben die Therapie revolutioniert.
Die Behandlung ist individuell verschieden und wird in spezialisierten Zentren koordiniert. Mukoviszidose-Patientinnen und -Patienten müssen untereinander Abstand halten, da sie sich gegenseitig mit gefährlichen Keimen wie Pseudomonas aeruginosa infizieren können. Diese Erreger sind für Gesunde meist harmlos, können bei Mukoviszidose jedoch schwerwiegende Lungeninfektionen verursachen.
Deshalb gelten in Kliniken, Reha-Einrichtungen und bei Gruppentreffen strenge Hygieneregeln und Mindestabstände zum gegenseitigen Schutz. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Betroffenen, Familie und ärztlichem und therapeutischem Personal ist entscheidend für den Therapieerfolg.
Was die Apotheke rät
- Enzympräparate für die Verdauung müssen zu jeder Mahlzeit korrekt dosiert werden – lassen Sie sich zur Anwendung und Aufbewahrung beraten.
- Inhalationslösungen und Geräte gibt es in verschiedenen Varianten – die Apotheke hilft bei Auswahl, Reinigung und Zubehör.
- Hochkalorische Trinknahrung kann helfen, das Gewicht zu stabilisieren – auch hier gibt es individuelle Empfehlungen.
- Schleimlösende Mittel und begleitende Medikamente wie Vitaminpräparate oder Antibiotika sollten richtig kombiniert werden – Wechselwirkungen beachten!
- Bei Reisen oder akuten Infekten hilft die Apotheke bei der Organisation von Notfallmedikamenten und Kühltransporten.
Kurz zusammengefasst
- Mukoviszidose ist eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der zäher Schleim vor allem Lunge und Verdauungssystem belastet.
- Die Erkrankung wird meist im Rahmen des Neugeborenen-Screenings erkannt.
- Häufige Infekte, Verdauungsprobleme und Wachstumsstörungen sind typische Anzeichen.
- Eine Heilung ist bisher nicht möglich, aber moderne Therapien verbessern die Lebenserwartung deutlich.
- Atemtherapie, Enzyme, Ernährung und neue Medikamente helfen, die Erkrankung zu kontrollieren.
zuletzt aktualisiert: 24.04.2026
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