SeniorenGesundheit

Nachlassende Sehkraft wird oft nicht bemerkt

NAS  |  21.09.2023

Einige Autofahrer bemerken offenbar nicht, dass sie wegen ihres nachlassenden Sehvermögens fahruntauglich sind. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hin und rät dazu, die Augen spätestens ab dem 60. Lebensjahr regelmäßig untersuchen zu lassen.

Älterer Autofahrer hinter dem Steuer.
Studien zeigen: Einige Autofahrer bemerken ihre nachlassende Sehkraft nicht.
© Daisy-Daisy/iStockphoto

Gutes Sehvermögen ist eine Grundvoraussetzung, um aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen. Voraussetzung. „Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass ein Teil der Autofahrenden nicht merkt, dass sie seitens des Sehvermögens de facto fahruntauglich sind“, erklärt DOG-Experte Professor Dr. med. Frank Tost. In Deutschland gibt es, anders als in anderen EU-Ländern, bislang keinen verpflichtenden Gesundheitscheck für ältere Autofahrende. Ein Sehtest ist lediglich vor der Führerscheinprüfung nötig. „Es liegt danach in der Selbstverantwortung eines jeden Verkehrsteilnehmenden, eine augenärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen und erforderlichenfalls die Überprüfung der Fahrtauglichkeit im Rahmen einer medizinischen Begutachtung zu beauftragen“, sagt Tost.

Mit der Selbsteinschätzung ihrer Sehfähigkeit hat allerdings ein Teil der Autofahrenden Probleme. Das zeigt eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen mit 377 Personen: Während bei der Befragung 99,2 Prozent ihre Sehfähigkeit selbst als eher gut bis sehr gut einschätzten, fielen 16,4 Prozent beim Sehtest mit einer tatsächlichen Sehschärfe unter 0,7 durch. „Sie dürften so gar nicht mehr ohne weiteres am Steuer sitzen“, erläutert Tost. Auch bei einem Pilotprojekt der Polizei in Niedersachsen, das unter augenärztlicher Beratung der Medizinischen Hochschule Hannover durchgeführt wurde, musste bei mehreren Verkehrsteilnehmenden eine ärztliche Überprüfung der Fahrtauglichkeit veranlasst werden oder sogar einzelnen Fahrzeugführenden die Weiterfahrt untersagt werden.

Warnzeichen für Augenerkrankungen

Aus Sicht des DOG-Experten ist es deshalb wichtig, Warnsignale häufiger Augenerkrankungen zu erkennen und einen augenärztlichen Beratungstermin zu vereinbaren. „Ein typisches Anzeichen etwa für den Grauen Star sind Störungen des Dämmerungssehens und erhöhte Blendempfindlichkeit“, erklärt Tost. „Betroffene fühlen sich bei Nachtfahrten zunehmend unsicher, sie fahren langsamer, sind schnell geblendet durch entgegenkommende Fahrzeuge oder bremsen zu spät, weil sie Stoppschilder nicht erkennen.“ Mit höherem Lebensalter verschlechtert sich die Nachtsehfähigkeit zunehmend.

Gleichfalls steigt mit dem Alter auch das Risiko für den Grünen Star (Glaukom). Die Augenerkrankung ist tückisch: Verkehrszeichen, andere Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrende verschwinden komplett aus dem Blickfeld – und tauchen plötzlich wie aus dem Nichts auf. „Das Risiko von Unfällen mit lebensgefährlichem Ausgang steigt beim Glaukom immens an“, bemerkt Tost. Daher rät die Fachgesellschaft zu regelmäßigen augenärztlichen Untersuchungen mindestens ab dem 60. Lebensjahr. Die Angst, gleich den Führerschein zu verlieren, ist häufig unbegründet. Denn in vielen Fällen lässt sich mit Sehhilfen, einer Operation oder Verhaltensweisen Abhilfe schaffen. Beim Grauen Star etwa könne Tost zufolge die Empfehlung sein, auf Nachtfahrten nach Sonnenuntergang zu verzichten oder sich einem Linsentausch zu unterziehen.

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