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Neue Arzneiform für Kinder: Was sind Minitabletten?

PZ/NK  |  17.01.2023

Tabletten, die kleiner als vier Millimeter sind, werden als Minitabletten bezeichnet. Als „der letzte Schrei“ bezeichnet sie der pharmazeutische Technologe Professor Dr. Jörg Breitkreutz beim Apotheker-Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming.

Mutter, hält Baby auf ihrem Arm, wird vom Arzt untersucht.
Minitabletten könnten eine gute Alternative zu Arzneisäften sein.
© AnnaStills/iStockphoto

Die besonders kleinen Tabletten haben mehrere Vorteile: Sie sind nicht nur besonders leicht zu schlucken, sondern können auch leicht modifiziert werden, erklärt Breitkreutz. So sei es möglich, die Freisetzung des Wirkstoffs, den Geschmack oder auch die Magensaftresistenz zu verändern. Für Kinder eignet sich diese Arzneiform dem Experten zufolge gut: Laut Breitkreutz habe sich gezeigt, dass die Formulierung bei Kindern unterschiedlicher Altersgruppen eine hohe Akzeptanz besitzt, die sogar süßen, flüssigen Arzneisäften überlegen sein könne. „Wir haben mittlerweile fast 40 Studien zur Akzeptanz von solchen kleindimensionierten Darreichungsformen bei Kindern durchgeführt“, so der Technologe.

Besser als süße Arzneisäfte?

So sei etwa 2013 in einer Studie am Universitätsklinikum Düsseldorf bei 306 Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren die Akzeptanz von befilmten beziehungsweise unbefilmten Minitabletten mit der eines Sirups verglichen worden. Als Akzeptanz war definiert, dass die Kinder die Minitabletten vollständig schluckten oder zerkauten beziehungsweise den Sirup vollständig schluckten oder nur wenig davon aus dem Mund floss. „Die Minitabletten waren dem Sirup [in allen Altersklassen] überlegen“, fasste Breitkreutz die im »Journal of Pediatrics« publizierten Ergebnisse zusammen (DOI 10.1016/j.jpeds.2013.07.014) und kommentierte: „Das war wirklich bahnbrechend.“ Eine 2015 publizierte Untersuchung habe zudem gezeigt, dass auch Neugeborene Minitabletten sehr gut akzeptieren, sofern sie nicht auf die Zunge, sondern in die Wange gelegt werden (DOI 10.1016/j.jpeds.2015.07.010)

Minitabletten auf dem deutschen Markt 

„Aufgrund dieser Arbeiten haben sich in den letzten Jahren tatsächlich schon neue Produkte herausgebildet und sind verfügbar“, sagte Breitkreutz. So gebe es beispielsweise bereits Minitabletten zur Therapie von Epilepsie oder bei Schlaflosigkeit aufgrund von Autismus oder des Smith-Magenis-Syndroms. „Man könnte sagen, dass Minitabletten bei Kinderarzneimitteln gerade der letzte Schrei sind“, resümierte Breitkreutz. Für die Zukunft prognostiziert der Experte, dass einige Arznei-Säfte durch Minitabletten abgelöst werden könnten.  

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