Neuer Ansatz im Kampf gegen Makuladegeneration? Eigenes Reinigungssystem könnte Auge schützen

Dr. Frank Schäfer  |  22.07.2026 11:17 Uhr

Eine neue Erkenntnis könnte das Verständnis schwerer Erkrankungen in der Netzhaut des Auges verändern. Forschende haben einen bisher unbekannten Abflussweg entdeckt, über den das Auge Flüssigkeit und Stoffwechselabfälle ableiten kann.

Das grüne Auge einer Frau schaut in die Ferne.
Forschende haben herausgefunden, warum Menschen einen klaren Blick behalten: Das Auge hat ein eigenes internes Reinigungssystem.
© Adam Drobiec/iStockphoto

Warum entstehen Augenleiden wie etwa die altersbedingte Makuladegeneration, bei denen es zu Schäden in der Netzhaut im hinteren Bereich des Augapfels kommt? Zur Beantwortung dieser Frage könnten unter anderem Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der University of British Columbia und der University of Toronto beitragen. Sie entdeckten ein bislang unbekanntes System für den Abfluss von Lymphflüssigkeit in der Aderhaut im hinteren Bereich des Augapfels. 

So fanden die Forschende den neuen Abflussweg

In Versuchen an Mäusen verfolgten die Wissenschaftler mit verschiedenen bildgebenden Techniken Markierungsstoffe, die sie zuvor in den hinteren Augenbereich eingebracht hatten. Dabei zeigte sich, dass die Flüssigkeit über feine Lymphgefäße in der Aderhaut aus dem Auge abfließt und innerhalb weniger Minuten benachbarte Lymphknoten erreicht. Das spricht dafür, dass der hintere Augenabschnitt mit dem Lymphsystem des Körpers verbunden ist.

Warum die Entdeckung gegen Augenerkrankungen helfen kann

Die Entdeckung schließt eine Wissenslücke. Bislang war unklar, auf welchem Wege das Auge Abfallstoffe aus der Netzhaut entfernt. Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Auge über ein eigenes Reinigungssystem verfügt, das diese Stoffe normalerweise ableitet.

Bei Augenerkrankungen wie etwa der Makuladegeneration sammeln sich häufig Flüssigkeit und Stoffwechselabfälle im hinteren Augenbereich, womöglich, weil sie nicht richtig entfernt werden. Das kann Entzündungen begünstigen und so empfindliche Nerven- und Sinneszellen schädigen. 

Was die neue Erkenntnis für Patienten bedeutet

Für Betroffene bedeutet diese Erkenntnis noch keine neue Behandlung. Durch das bessere Verständnis der Abläufe im Auge könnten jedoch langfristig neue Therapien entstehen. Denkbar wären etwa Behandlungen, die den natürlichen Flüssigkeitsabfluss fördern oder die Medikamente gezielter in den hinteren Augenabschnitt transportieren. Bis dahin ist jedoch noch viel Forschungsarbeit erforderlich.

Aktuell verändern die neuen Erkenntnisse die Behandlung von Augenleiden wie der Makuladegeneration oder anderer Netzhauterkrankungen noch nicht. Betroffene sollten weiterhin die empfohlenen augenärztlichen Kontrollen und Therapien wahrnehmen.

Quelle: DOI: 10.1167/tvst.15.7.23

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