Psyche

Placebos lindern Schuldgefühle

ZOU  |  13.01.2023

Schuldgefühle lassen sich durch die Einnahme von Placebos mindern. Das gilt sogar, wenn die behandelten Personen wissen, dass es sich um Medikamente ohne Wirkstoff handelt.

Junge Frau, verbirgt ihr Gesicht in ihrem Pullover.
Es gibt Menschen, die immer wieder von Schuldgefühlen geplagt werden, für die es keine objektive Begründung gibt. Ihnen könnten Placebos helfen - also Medikamente ohne Wirkstoff.
© Koldunova_Anna/iStockphoto

Im nahen Kontakt mit anderen Menschen macht jeder einmal Fehler. Wenn wir merken, dass wir dadurch Schaden verursachen, fühlen wir uns oft schuldig – das wiederum motiviert zu Geständnissen und Entschuldigungen. Manche Menschen leiden jedoch unter unbegründeten und irrationalen Schuldgefühlen – Psychologen bezeichnen sie als maladaptiv, also unangemessen. Diese Emotionen können gesundheitliche Folgen haben und sind zum Beispiel auch häufige Symptome von Depressionen. Ein Team aus Forschenden um Dilan Sezer, Wissenschaftlerin in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel, hat nun untersucht, ob sich Schuldgefühle durch die Einnahme von Placebos reduzieren lassen.

Placebos mindern Schuldgefühle

Um Schuldgefühle hervorzurufen, sollten die Probanden der Studie ein Erlebnis aufschreiben, bei dem sie wichtige Verhaltensregeln missachtet, eine vertraute Person unfair behandelt, verletzt oder gar geschädigt hatten. Die gewählte Situation sollte die Studienteilnehmenden noch immer belasten. Danach wurden sie in drei Gruppen aufgeteilt: Die einen erhielten ein Placebo, ohne jedoch zu wissen, dass es sich dabei nicht um ein Arzneimittel handelte. Andere bekamen das gleiche Placebo, wussten aber, dass es tatsächlich ein Medikament ohne Wirkstoff ist. Dazu bekamen beide Gruppen die Information, dass das verabreichte Mittel gegen Schuldgefühle wirke. Eine Kontrollgruppe erhielt keine Behandlung. Das Resultat: Die Schuldgefühle verringerten sich bei den Angehörigen beider Placebo-Gruppen signifikant gegenüber jenen ohne Medikation – auch bei jenen, die wussten, dass sie nur ein Placebo bekommen hatten.

„Unsere Studie stützt damit die faszinierende Erkenntnis, dass Placebos selbst dann wirken, wenn man sie offen verabreicht werden, und dass die Behandlungserklärung zentral für deren Wirksamkeit ist“, so Sezer. Die Teilnehmenden dieser Studie waren alle gesund, hatten also keine psychiatrischen Störungen und wurden nicht mit Psychopharmaka behandelt.

Ob eine Placebo-Behandlung auch unangemessene Schuldgefühle verringern kann, muss weitere Forschung zeigen. Für Sezer ist klar: „Der Einsatz von offenen Placebos wäre eine kostengünstige und einfach anwendbare Behandlungsoption für viele psychische und körperliche Beschwerden.“

Quelle: DOI 10.1038/s41598-022-25446-1

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