Wie infizieren E. coli-Bakterien die Prostata und führen dann eine Entzündung herbei? Ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist dieser Frage nachgegangen. Es hat aus Zellen ein Mini-Prostata-Modell entwickelt, um dort den Infektionsweg nachvollziehen zu können. Die Forschung liefert auch einen Therapieansatz – jenseits von Antibiotika.
Prostatatitis: Symptome und Häufigkeit
Wer eine Prostatitis (Entzündung der Prostata) hat, hat in der Regel Schmerzen beim Wasserlassen, im Penis oder im Analbereich und häufigen Harndrang. Etwa jeder sechste Mann hat einmal im Leben eine solche Entzündung, bei fünf bis zehn Prozent der Erkrankungen sind Bakterien die nachgewiesene Ursache. In diesen Fällen zählen Antibiotika zur Standardtherapie.
Bakterien in Prostatazellen vor Immunsystem versteckt
Die Uni Würzburg schreibt: Mehr als jeder zweite Betroffene habe innerhalb eines Jahres nach der Therapie einen Rückfall. Wie ist das möglich? Die Forschung vermutet bereits seit langem: Die Bakterien dringen in die Prostatazellen ein und entkommen so dem Immunsystem und der Antibiotika-Therapie. Das wollte das Forschungsteam genauer untersuchen. Es entwickelte ein Mini-Prostata-Modell, das Aufbau und Zellvielfalt des Prostataepithels nachbildet. So kann das Forschungsteam die Infektion unter kontrollierten und realistischen Bedingungen betrachten.
„Wir haben gezeigt, dass die Invasion von E. coli in Prostatazellen kein zufälliger Prozess ist, sondern eine hochgradig koordinierte Operation“, erklärt Dr. Carmen Aguilar von der Uni Würzburg in der Mitteilung zur Studie. Die Bakterien griffen gezielt sogenannte Luminalzellen an, die die Drüsenkanäle der Prostata auskleideten. Der Eintritt selbst funktioniert nach einem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“: Das bakterielle Protein FimH binde an einen spezifischen Prostata-Rezeptor (PPAP). Erst dadurch könnten die Bakterien in die Zellen eindringen und sich dort vermehren.
„Scheinschloss“ D-Mannose bremst E. coli im Labor
Die Forschenden identifizierten zudem eine Möglichkeit, diesen Prozess zu unterbrechen: das Zuckermolekül D-Mannose. Es wirkt als „Scheinschloss“, an das die Bakterien binden, ohne in die Zellen zu gelangen. Im Labor ließ sich das Eindringen von E. coli so deutlich verringern – ein möglicher Ansatz für zukünftige Prävention und Therapie.
Die „Mini-Prostata“ eröffnet neue Möglichkeiten, Prostata-Infektionen genauer zu untersuchen – auch mit Blick auf andere Krankheitserreger. „Angesichts der aktuellen Antibiotikaresistenzkrise ist es unser Ziel, neue Therapien zu entwickeln, die E. coli und andere Bakterien ohne den Einsatz von Antibiotika bekämpfen können. Zunächst müssen wir jedoch vollständig verstehen, wie diese Infektionen funktionieren“, erklärt Aguilar.
Quelle: DOI 10.1038/s41564-025-02231-0