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Testosteron-Mangel: Erhöhtes Risiko bei Diabetes

Apothekerin Katrin Schmitt  |  01.06.2022

Das Sexualhormon Testosteron macht den Mann quasi erst zum Manne. Kein Wunder, dass ein Mangel an diesem Hormon Männer an einem empfindlichen Punkt trifft. Doch Mangelsymptome lassen sich behandeln.

Älterer Mann, lächelt und schaut zur Seite.
Ab der zweiten Lebenshälfte sinken die Testosteron-Werte bei Männern.
© jacoblund/iStockphoto

Zatsächliche Testosteron-Mangelsymptome erleben nur zwei Prozent der Männer. Dazu gehören der Verlust des sexuellen Verlangens und Erektionsstörungen. Bei niedrigen Werten nimmt außerdem die Muskelmasse ab, dafür wächst das Bauchfett. Unbehandelt sinkt die Knochendichte und der Körper bildet weniger rote Blutkörperchen.

Betroffene fühlen sich antriebslos, die Konzentrationsfähigkeit sinkt und es kommt zu Schlafproblemen. Wer solche Anzeichen bemerkt, spricht den Hausarzt an. Er überweist nach Ausschluss anderer Ursachen an einen Facharzt. Übrigens: Ab dem vierten Lebensjahrzehnt sinken die Testosteron-Werte bei jedem Mann, bei chronischen Leiden wie Typ-2-Diabetes allerdings schneller.

Arten des Mangels und Therapie

"Typ-2-Diabetiker betrifft besonders der funktionelle Testosteron-Mangel, der mit chronischen Erkrankungen einhergeht", erklärt Professor Dr. Michael Zitzmann, Diabetologe und Oberarzt am Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie im Uniklinikum Münster. Dabei bedingen sich die Empfindlichkeit für Insulin und die Testosteronproduktion gegenseitig. Der Experte: "Das männliche Hormon erhöht die Insulinsensitivität direkt über Rezeptorwirkungen und indirekt durch die positive Wirkung auf den Körperfettanteil und die Muskelmasse." Das heißt: Testosteron begünstigt bessere Blutzuckerwerte. Diabetiker, die erwiesenermaßen einen Testosteron-Mangel aufweisen, können demnach von einer Therapie mit Testosteron profitieren. Das Körpergewicht, die Insulinresistenz und die Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche nimmt ab.

Zu einer Testosteron-Ersatztherapie raten Ärzte erst, wenn Betroffene sowohl niedrige Blutwerte als auch typische Symptome aufweisen. Zwei Arzneiformen verordnen sie am häufigsten: Depotspritzen injiziert man alle zehn bis 14 Wochen in den Muskel. Das Depot setzt kontinuierlich Testosteron frei. Testosteron-Gele wiederum trägt man ein- bis zweimal täglich auf Schultern oder Brust auf, am besten morgens. So simuliert man die körpereigene Produktion, die im Laufe des Tages abnimmt.

Hormonersatz wirkt nicht sofort

"Die Wahrscheinlichkeit, Testosteron bei engem Körperkontakt zu übertragen, ist gering", beruhigt Zitzmann. Trotzdem empfehlen Hersteller, die behandelten Hautpartien mit Kleidung zu bedecken oder sie vor engem Körperkontakt zu reinigen. "Stimmung und sexuelles Verlangen steigen schon nach ein bis zwei Monaten Therapie. Weitere Effekte treten nach bis zu sechs Monaten ein."

Mit dem behandelnden Arzt sollte man neben der korrekten Dosierung und Anwendung auch mögliche Nebenwirkungen der Hormonersatz-Therapie besprechen. Bei richtiger Durchführung gilt sie aber als gut verträglich. Es können mitunter eine Brustvergrößerung, Akne, Haarausfall und bestimmte Blutwertveränderungen auftreten.

Zudem sollten Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs die Therapie nicht bekommen. Das Risiko, überhaupt Prostatakrebs zu bekommen, erhöht die Hormonersatztherapie nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Aber über all dies informiert am besten der Arzt, der die Therapie verordnet und überwacht.

Das können Sie selbst tun

Ergänzend zur Hormonersatztherapie können Patienten eine Lebensstilanpassung selbst in die Hand nehmen. Für Typ-2-Diabetiker gilt: Blutzucker (HbA1c- Wert) und Körpergewicht senken, Alkohol reduzieren, regelmäßig bewegen und ausgewogen ernähren. Dazu der Diabetologe Professor Dr. Michael Zitzmann: "Die Ersatztherapie ist keine Dauerlösung. Wenn die Patienten ihr Gewicht nach zwei Jahren deutlich reduziert haben, kann man einen Auslassversuch starten."

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