Ein kurzer Kontakt mit einer Fledermaus kann gefährlicher sein, als viele vermuten. Ein Todesfall in Kanada zeigt: Selbst wenn keine Bisswunde zu sehen ist, kann eine Tollwut-Infektion möglich sein. Entscheidend ist, schnell zu handeln.

Ein aktueller Fall aus der kanadischen Provinz Ontario macht deutlich, wie tückisch Tollwut sein kann. Ein elfjähriger Junge starb nach dem Kontakt mit einer Fledermaus in einer Ferienhütte. Das Tier hatte sich während der Nacht auf Mund und Nase des Kindes gesetzt, wovon der Junge aufwachte. Sichtbare Biss- oder Kratzspuren gab es nicht. Deshalb suchte die Familie zunächst keinen Arzt auf. Erst 19 Tage später entwickelte der Junge Beschwerden und wurde ins Krankenhaus gebracht.
Zu den ersten Symptomen gehörten Taubheitsgefühle und Missempfindungen auf der rechten Gesichtsseite, Appetitlosigkeit, schmerzhaftes Schlucken sowie eine Schwellung der rechten Gesichtshälfte. Vier Tage nach der Aufnahme bestätigten Laboruntersuchungen eine an Fledermäuse angepasste Variante des Tollwutvirus. Wenig später starb der Junge.
Der Fall wurde im Canadian Medical Association Journal veröffentlicht. Es war der erste tödliche Tollwutfall in Ontario seit 1967.
Tollwut wird durch Viren aus der Gattung der Lyssaviren verursacht. Sie greifen das Nervensystem an. Sobald Beschwerden auftreten, gibt es praktisch keine wirksame Behandlung mehr. In Kanada ist die Erkrankung sehr selten. Seit 1924 wurden dort 28 Infektionen beim Menschen registriert.
Deutschland gilt seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut. Das bedeutet, dass das klassische Rabiesvirus bei Hunden und Füchsen ausgerottet wurde. Heimische Fledermäuse können aber andere Lyssaviren übertragen. Auch diese Viren verursachen tödliche Tollwut-Erkrankungen bei Menschen. Das Risiko für die Bevölkerung ist insgesamt gering. Dennoch raten Gesundheitsbehörden, jeden direkten Kontakt mit einer Fledermaus ernst zu nehmen.
“Fledermäuse zeigen möglicherweise klassische Anzeichen von Tollwut, möglicherweise aber auch nicht; daher gilt jeder direkte Kontakt eines Menschen mit einer Fledermaus als hohes Risiko”, so das Fazit der Autoren. Zu einem auffälligen Verhalten gehört, wenn die nachtaktiven Tiere tagsüber in der Nähe von Häusern zu finden sind und ihre Scheu vor Menschen verlieren. Zudem können Orientierungslosigkeit, Krämpfe sowie Lähmungserscheinungen und damit bedingte Flugunfähigkeit Anzeichen einer Tollwut sein.
Nach einem möglichen Kontakt sollte die betroffene Hautstelle sofort gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Anschließend ist eine ärztliche Untersuchung wichtig. Ärzte prüfen, ob eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe mit Impfstoff und gegebenenfalls Tollwut-Immunglobulin erforderlich ist.
Diese vorbeugende Behandlung wirkt zuverlässig, solange sie rechtzeitig beginnt, also bevor erste Krankheitszeichen auftreten.
Quelle: DOI 10.1503/cmaj.251933
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern