Krankheitsbild
Übertragen wird das Bakterium Yersinia pestis unter anderem durch Flöhe, die den Erreger zuvor etwa aus Nagetieren aufgenommen haben. Zudem kommt der Kontakt verletzter Hautstellen zu pestinfizierten Sekreten von Mensch und Tier als Übertragungsweg infrage, bei Menschen etwa der Kontakt zu Sekret aus Pestbeulen. Für die Lungenpest ist der Übertragungsweg über Tröpfchen wichtig, etwa, wenn Erkrankte husten.
Symptome machen sich nach Angaben des Robert Koch-Institutes im Fall der Beulenpest nach ungefähr zwei bis sieben Tagen und bei primärer Lungenpest in der Regel nach ein bis drei Tagen bemerkbar. Selten treten erste Beschwerden bereits nach wenigen Stunden auf.
Es kommen zwei Formen der Pest vor, die meist durch einen Flohbiss übertragene Beulenpest, bei der zunächst Lymphbahnen und -knoten befallen werden, und die primäre Lungenpest, bei der erregerhaltige Tröpfchen eingeatmet werden und die Lunge infizieren. Zudem kann der Erreger auch bei Beulenpest in die Lunge gelangen, oder er breitet sich in selteneren Fällen im ganzen Körper aus und verursacht eine Pestsepsis.
Behandelt wird eine Pesterkrankung mit dafür geeigneten Antibiotika. Die Erkrankung ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
Symptome/Verlauf
Bei Beulenpest leiden Erkrankte nach Angaben des Robert Koch-Institutes unter Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost und Bewusstseinsstörungen. Typisch sind druckschmerzhafte Schwellungen von Lymphknoten am Körperstamm, meist in der Leistenregion. Diese können platzen und infektiöses eitriges Sekret freisetzen.Sollte sich der Erreger ausbreiten und eine Pestsepsis verursachen, führt dies neben den bereits genannten Symptomen zu Erschöpfung, Kreislaufkollaps, einem septischen Schock, Organausfall, Blutungen, einer Störung der Blutgerinnung und Gewebeschäden in Armen und Beinen. Die Gerinnungsstörung kann die Haut dunkel-violett verfärben.
Im Fall der Lungenpest sind typische Symptome plötzlicher Krankheitsbeginn mit erhöhter Temperatur beziehungsweise Fieber oder Schüttelfrost, Kopfschmerzen, beschleunigte Atmung und Atemnot, Sauerstoffmangel, Brustschmerzen, Husten, Bluthusten und Herzrasen. Ausgehustetes Sekret ist häufig eitrig, kann aber auch wässrig, schaumig und blutig sein.
Folgen/Komplikationen
Die Sterblichkeit bei unbehandelter Beulenpest beträgt 50 bis 60 Prozent, die Lungenpest und Pestsepsis enden ohne Therapie fast immer tödlich.
Ursachen/Risikofaktoren
Die Pesterkrankung wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Yersinia pestis ausgelöst. Es gibt verschiedene Übertragungswege für den Keim: von Mensch zu Mensch, von Tier zu Tier, vom Tier direkt auf den Menschen oder vom Tier über Tierflöhe auf Menschen. In Gebieten, in denen die Pest heute natürlich vorkommt, gelten wildlebende Nagetiere als wichtigste Keimträger. Kommt es zu Pest-Ausbrüchen, erkranken und sterben dem Robert Koch-Institut zufolge oft zahlreiche Nagetiere, doch sie können auch ohne Krankheitszeichen infiziert sein und den Pesterreger weitergeben.
Als Regionen, in denen Pestfälle festgestellt wurden oder werden, gelten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation insbesondere einige Länder in Afrika wie Madagaskar oder die demokratische Republik Kongo, aber auch Bereiche in Indien und Südamerika, in Zentralasien und Südostasien sowie vereinzelt in den USA. Ausbrüche beschränken sich dem Robert Koch-Institut zufolge auf die Tropen und Subtropen. Zu den Ausnahmen gehören einzelne Pestfälle im ländlichen Westen der USA, wo der Erreger in wildlebenden Nagetieren vorkommt. In Europa und Australien sind bisher keine natürlichen Vorkommen von Pesterregern bekannt.
Pestfälle sind weltweit vergleichsweise selten, doch es sollten bei Fernreisen aktuelle Warnungen beachtet werden, falls regional vermehrt Fälle auftreten. Hinweise auch zu Gesundheitsrisiken in Reiseländern bietet unter anderem das Auswärtige Amt im Internet unter der Adresse www.auswaertiges-amt.de über den Menüpunkt "Sicher reisen".
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Bei Verdachtsfällen entnehmen Ärztinnen oder Ärzte Untersuchungsmaterial aus Lymphknoten, Blut oder Auswurf, um darin den Pest-Erreger nachzuweisen. Zudem wird eine Antibiotikabehandlung eingeleitet. Dazu das Robert Koch-Institut: Die Therapie sollte so bald wie möglich (innerhalb von 18 Stunden nach Auftreten erster Symptome) begonnen werden. An Pest erkrankte Personen sollten stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Patienten mit Lungenpest müssen isoliert werden.
Vorbeugend beraten auf Reise- und Tropenmedizin spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, wie man sich bei Fernreisen vor Infektionskrankheiten schützen kann und welche aktuellen Gesundheitsrisiken es in den jeweiligen Reiseländern gibt.
Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine entsprechende medizinische beziehungsweise reisemedizinische Beratung.
Was man selbst tun kann:
Es ist hilfreich, sich ausreichend lange vor Beginn einer Fernreise über lokale Gesundheitsrisiken zu informieren und darauf vorzubereiten. Dazu dient eine gute reisemedizinische Beratung mit Handlungsempfehlungen für den Aufenthalt vor Ort. Bei aktuellen Ausbrüchen gefährlicher Infektionskrankheiten am Reiseziel sollte man seine Reisepläne überdenken.
Kehrt man von einer Fernreise heim und erkrankt danach, ist es sehr zu empfehlen, der behandelnden Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wohin man zuvor verreist war, auch wenn das eventuell zeitlich schon ein wenig zurückliegt.
Quellenangaben:
Mutschler, Arzneimittelwirkungen, Wiss.Verl.-Ges., (2008), Aufl. 9 - Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.