Wenn Kinder lieber allein spielen, muss das kein Grund zur Sorge sein

Peter Erik Felzer  |  18.08.2026 14:24 Uhr

Ein Kind, das in der Pause häufig allein spielt, ist nicht automatisch einsam oder ausgegrenzt. Eine neue Studie zeigt: Entscheidend ist, ob es sich seinen Mitschülern weiterhin zugehörig fühlt.

Ein junge schaukelt auf einer gelben Schaukel.
Alleine spielen heißt nicht automatisch Einsamkeit. Wichtig ist, dass sich Kinder dennoch zugehörig fühlen.
© PressmasteriStockphoto

Wer auf dem Schulhof oft allein unterwegs ist, gilt schnell als Außenseiter. Doch dieses Bild könnte zu kurz greifen. Darauf weist eine Studie mit Grundschulkindern hin. Manche Kinder entscheiden sich dafür, bewusst häufig „solo“ spielen. Ihnen genügt es, gelegentlich auf Freundschaften zurückzugreifen.

Allein spielen bedeutet nicht automatisch Einsamkeit

Den Forschenden zufolge macht es einen wichtigen Unterschied, warum Kinder sich zurückziehen. Einige bevorzugen zwar Aktivitäten für sich, fühlen sich aber gleichzeitig als Teil ihrer Klasse und ihres Freundeskreises. Sie wissen, dass sie eingeladen werden würden, wenn sie mitspielen möchten. Genau dieses Zugehörigkeitsgefühl scheint eine Art Schutzfunktion zu besitzen. Die betroffenen Kinder berichteten trotz ihres eher zurückhaltenden Verhaltens von positiven Beziehungen zu anderen Kindern.

Anders sah es in der Studie bei Kindern aus, die angaben, Zugehörigkeit als weniger wichtig zu empfinden. Diese fühlten sich häufiger unzufrieden mit ihren Freundschaften und ihrer Stellung in der Klassengemeinschaft. 

So wurde das Sozialverhalten der Kinder untersucht

Für die Untersuchung analysierten Forschende die Antworten von 473 Schülern der vierten und fünften Klasse aus mehreren Grundschulen im US-Bundesstaat Georgia. Die Kinder sollten Mitschüler benennen, die zwar gut mit anderen auskommen, aber dennoch lieber allein spielen. Zudem beantworteten die Kinder folgende Fragen:

  • Wie wichtig ihnen Zugehörigkeit ist.

  • Wie sie ihre Freundschaften einschätzen.

  • Wie zufrieden sie mit ihrer Rolle in der Klassengemeinschaft sind.

Warum das Gefühl der Zugehörigkeit entscheidend ist

Manche Kinder werden von ihren Mitschülern als „wenig sozial“ wahrgenommen. Aber nur, weil sie allein beim Mittagessen saßen oder zum Beispiel beim Fußballspielen nicht als erste in ein Team gewählt wurden, fühlen sie sich nicht automatisch unwohl. Sie pflegen stabile und erfolgreiche Einzelfreundschaften und profitieren trotz vermeintlicher Einsamkeit von sozialen Beziehungen.

Die Forschenden vermuten, dass diese Kinder die Breite ihrer Kontakte bewusst auswählen. Es gibt Phasen, in denen sie sich allen wohlfühlen. Es gibt aber auch Phasen, in denen sie sich bewusst öffnen und dann auch soziale Kontakte pflegen.

Was Eltern und Lehrkräfte daraus lernen können

Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder nicht automatisch unglücklich sind, wenn sie sich mit sich allein beschäftigen. Man sollte sie, so die Forschenden, nicht zu sozialen Kontakten zwingen. Gleichzeitig betonen sie die generelle Bedeutung sozialer Kontakte. Statt ein zurückhaltendes Kind sofort in große Gruppen zu schicken, schlagen sie zum Beispiel kleinere Spielgruppen vor, in denen Kinder ähnliche Interessen haben. 

Quelle: 10.1086/742021

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