Trockenes Auge

Beim Syndrom des trockenen Auges sind Bindehaut und Hornhaut nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt.

Wie stellen Sie ein Trockenes Auge fest?

Dr. Eckert: Der Tränenfilm des Auges ist ein komplexes System aus einer Schleimschicht, einer wässrigen und einer fetthaltigen Schicht. Zu Störungen kann es an verschiedenen Stellen kommen. Wichtigstes Diagnosewerkzeug ist der routinierte Blick des erfahrenen Augenarztes. Ein Trockenes Auge zeigt häufig die typischen Entzündungszeichen wie Rötung und Reizung. Aber auch schaumige Bläschen an der Lidkante können ein Hinweis sein. Ein Trockenes Auge kann aber auch tränen. Ich vergleiche das Auge und die Tränenflüssigkeit dann gern mit einem Auto. Es braucht Benzin zum fahren, aber auch Öl, damit der Motor läuft. Das Gleiche gilt für die Tränen, die fette und wässrige Anteile benötigen.

Was lindert die Beschwerden?

Dr. Eckert: In den meisten Fällen ist eine Behandlung mit wässrigen Augentropfen erfolgreich. Wichtig ist, dass sie dauerhaft erfolgt. Wichtig ist auch, stets direkt vor dem Schlafengehen und gleich nach dem Aufstehen zu tropfen. So verhindert man das Austrocknen der Schleimhäute am effektivsten. Die Bildung der körpereigenen Tränenflüssigkeit stört man damit nicht. Vor allem wer häufiger tropfen muss, sollte Augentropfen ohne Konservierungsmittel verwenden. Substanzen wie Hyaluronsäure oder Carbomer erhöhen die Haftzeit am Auge und damit die Wirkdauer.

Und wenn das »Ölwarnlämpchen« leuchtet?

Dr. Eckert: Gehen die Entzündungszeichen nicht zurück, kann man die Behandlung durch fetthaltige Augentropfen, zum Beispiel mit Phospholipiden, ergänzen. Von einem sollte man besser die Finger lassen: Augentropfen mit sogenannten »Weißmachern«. Sie sind beliebt, denn sie nehmen die Rötung, aber bei regelmäßigem Gebrauch trocknen sie die Augen noch mehr aus.

Was ist das? - Definition
Beim Syndrom des trockenen Auges sind Bindehaut und Hornhaut nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen

  • Keratoconjunctivitis sicca

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Das trockene Auge entsteht zum einen durch eine unzureichende Produktion von Tränenflüssigkeit. Zum anderen kann eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit, durch die der Tränenfilm zu kurz auf dem Auge haftet, die Ursache sein. Durch eine Rückbildung der Tränendrüse tritt das trockene Auge mit zunehmendem Alter häufiger auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Neben der gestörten Tränenbildung können auch äußere Ursachen die Beschwerden auslösen. Dazu gehören Aufenthalte in klimatisierten Räumen oder stundenlange Lese- und Bildschirmarbeiten, die eine geringere Häufigkeit des Lidschlags zur Folge haben.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Das trockene Auge macht sich vor allem durch Trockenheitsgefühl, Fremdkörpergefühl und Brennen der Augen bemerkbar. Im Freien können die Augen verstärkt tränen. Ein Auftreten von Sehstörungen ist möglich.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Das trockene Auge wird in vier Schweregrade (Stadium 1 bis Stadium 4) eingeteilt, auf die sich ein Stufenplan in der Behandlung aufbaut. Je nach Stadium werden Augentropfen ("künstliche Tränen") in unterschiedlicher Zusammensetzung und mit unterschiedlich häufiger Anwendung pro Tag eingesetzt. Werden Tropfen etc. öfter als viermal täglich angewendet, sollten unkonservierte Präparate verwendet werden, da manche in Augentropfen enthaltenen Konservierungsmittel bei häufigem Gebrauch das "trockene Auge" verursachen können.
Eine gründliche ärztliche Untersuchung ist auf jeden Fall notwendig, um die richtige Therapie zu ermöglichen und andere Ursachen auszuschließen.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Trockene Augen können ein Zeichen einer unspezifischen Bindehautreizung sein.
Für Frauen in den Wechseljahren und Frauen, die Präparate zum Hormonersatz erhalten, ist das trockene Auge ein typisches Symptom. Ähnlich können auch andere Medikamente, wie Ovulationshemmer (die "Pille"), Betablocker und bestimmte Diuretika (entwässernde Arzneimittel), sowie bestimmte Psychopharmaka zum Austrocknen der Augen führen. Augentropfen, die Cortison oder Adrenalin enthalten, können eine weitere Ursache sein. Vermutlich bewirken bestimmte in Augentropfen enthaltene Konservierungsmittel eine Austrocknung der Augen.
Das trockene Auge kann in wenigen Fällen ein Hinweis auf eine schwere, noch unerkannte Allgemeinerkrankung sein. So ist es zum Beispiel ein Hauptsymptom des Sjögren-Syndroms, einer Autoimmunerkrankung.
Bei den vielen unterschiedlichen Ursachen ist eine Abklärung durch den Arzt in jedem Fall dringend anzuraten.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps

  • Für eine ausreichende Luftbefeuchtung in klimatisierten oder stark beheizten Räumen sorgen.
  • Die Augen im Freien durch eine (Sonnen-) Brille vor Wind schützen.
  • Bei langer Bildschirm- oder Lesearbeit zwischendurch immer wieder die Augen kurz schließen.

Bearbeitungsstand: 24.07.2012

Quellenangabe:
Mehrle, Augenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 8.Auflage

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Trockenes Auge: Behandlung

Für die Behandlung des Trockenen Auges stehen Augentropfen oder Augengele in unterschiedlicher Zusammensetzung zur Verfügung. Viele dieser Produkte gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Sie können schnell und einfach selbst angewendet werden. Dabei sollte man darauf achten, dass die Produkte keine Konservierungsstoffe enthalten, die die Augen noch zusätzlich reizen können. Künstliche Tränen befeuchten die Augenoberfläche und verbessern die Qualität des Tränenfilms. Dabei kommt es darauf an, eine gute, stabile Mischung der körpereigenen und der künstlichen Träne zu erreichen.

Heute sind zahlreiche Substanzen verfügbar. Hier kann der Augenarzt den Patienten beraten, welcher Wirkstoff im individuellen Fall hilft. Schon länger bekannt sind Tränenersatzmittel mit Zellulose und mit Hyaluronsäure. Neuere Produkte beeinflussen verschiedene Eigenschaften der Träne. Der pH-Wert lässt sich normalisieren, aber auch die Fließfähigkeit und die Osmolarität. Dieser Wert gibt an, wie viele Teilchen wie Salze oder Glukose in einer bestimmten Tränenmenge gelöst sind.

Oft fallen die Beschwerden nach längerer Arbeit am Computer auf. Dann spricht man vom Office-Eye-Syndrom. In der überwiegenden Zahl der Fälle ist der ölige Anteil des Tränenfilms gestört mit der Folge, dass die Tränen zu schnell verdunsten. In diesem Fall ist es sinnvoll, ölhaltige Tränenersatzmittel zu verwenden, die den Tränenfilm stabilisieren.«

Augensprays eignen sich besonders für Personen mit trockenen Augen, die mit der Anwendung von Tropfen nicht gut zurechtkommen. Da beim Auftragen des Sprays zudem kein Spiegel benötigt wird und Make-up sowie Kontaktlinsen kein Problem darstellen, ist seine Anwendung auch unterwegs problemlos möglich. Das Spray wird einfach und schnell auf das geschlossene Lid gesprüht. Beim Öffnen des Auges verteilen sich die in der Flüssigkeit enthaltenen Wirkstoffe. Das schließt die Risse im Tränenfilm und stabilisiert ihn.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, die natürliche Produktion der Lipide anzuregen, die den öligen Bestandteil der Tränenflüssigkeit ausmachen. Sie werden in kleinen Drüsen an den Lidkanten gebildet. Beim Trockenen Auge sind diese Drüsen oft verändert und verstopft. Neu ist ein Verfahren, um sie wieder zu öffnen: Einige Minuten lang wird über ein spezielles Gerät, das der Augenarzt für die Behandlung auf die Augenlinse setzt, Wärme und sanfter Druck an die Lidkanten weitergeleitet. Mit dieser einmalig durchgeführten Behandlung lassen sich die Drüsen öffnen und die Beschwerden oft deutlich lindern.

Weitere allgemeine Tipps gegen trockene Augen:

  • Achten Sie darauf, dass die Raumluft ausreichend frisch und feucht ist. Das gelingt beispielsweise durch regelmäßiges Stoßlüften.
  • Meiden Sie Zugluft.

  • Wer den ganzen Tag am Bildschirm arbeitet, dem tun regelmäßige Pausen gut. Dabei immer ein paar Mal blinzeln.
  • Gönnen Sie Ihren Augen bei einem Spaziergang frische Luft.
  • Beim Autofahren den Strahl des Gebläses nicht direkt auf die Augen richten.
  • Meiden Sie Tabakrauch und verrauchte Räume.
  • Wer Kontaktlinsen trägt, nimmt sie am besten abends heraus und gönnt seinen Augen eine Pause.
  • Wichtig ist es, viel zu trinken. Mindestens eineinhalb Liter pro Tag empfehlen Experten, etwa Wasser, Kräuter- und Früchtetees oder Saftschorlen.

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: März 2017

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