Volkskrankheiten: Wenn Lebensstil krank macht

Pharmazeutische Zeitung  |  20.01.2026 14:55 Uhr

Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Krebs fordern in großen Teilen der Welt die meisten Todesopfer. Die „Erreger“ dieser Krankheiten? Es sind keine Viren, sondern Bewegungsmangel, ungesunde Gewohnheiten und vor allem falsche Ernährung.

Junge Frau mit Früchteteller in Sportkleidung, einen Arm auf einem Gymnastikball.
Zum gesunden Lebensstil gehört gesunde Ernährung, Bewegung und genug Schlaf. So ließen sich Volkskrankheiten verringern.
© Lacheev/iStockphoto

„Pandemie ohne Virus“ – ausgelöst vor allem durch unseren Lebensstil? „Modifizierbare Risikofaktoren sind heute in Deutschland für 40 Prozent aller Todesfälle verantwortlich“, betonte Professor Dr. Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Dazu zählt er eine ungünstige Ernährung, Bewegungsmangel und insgesamt eine gesundheitsschädliche Lebensweise. Diese Faktoren würden noch zu oft unterschätzt – obwohl sie eine zentrale Rolle in der Prävention spielten.

Adipositas, Diabetes, Atemwegserkrankungen, Herz und Kreislauf sowie Krebs

Der Lebensstil trage entscheidend zu den Volkskrankheiten unserer Zeit bei. Lebensstilbedingt seien:

  • Adipositas und Typ-2-Diabetes zu etwa 90 Prozent
  • Chronische Atemwegserkrankungen zu 80 Prozent
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu 50 Prozent
  • Krebs-Erkrankungen zu 40 Prozent

Neben einer höheren Sterblichkeit beeinträchtigen diese Erkrankungen auch die Lebensqualität deutlich. „Es geht nicht darum, irgendwie alt zu werden, sondern darum, gesund alt zu werden“, so Smollich.

Warum Ernährung so entscheidend ist

Besonders groß sei der Einfluss der Ernährung, erklärte der Apotheker, der nach eigener Aussage „vor einigen Jahren in die Ernährungswissenschaft abgebogen ist“. Bei der Entstehung von Übergewicht mache sie rund 90 Prozent aus, Bewegung nur etwa 10 Prozent. Der Grund: Viele Lebensmittel liefern sehr viel Energie in kurzer Zeit. „Die Nahrung ist so energiedicht, da kommt die Bewegung nicht hinterher.“ Eine ungesunde Ernährung lasse sich deshalb nicht „wegtrainieren“.

Pflanzenbetonte Ernährung empfohlen

Er empfiehlt eine pflanzenbetonte Ernährung mit:

  • viel Gemüse und Obst
  • Vollkornprodukten
  • Hülsenfrüchten und Nüssen

Begrenzt werden sollten Fleisch, gesättigte Fettsäuren und Salz. Möglichst gemieden werden sollten Transfette, zugesetzter Zucker und verarbeitetes Fleisch. Beim Alkohol lautet die Empfehlung inzwischen: besser gar nicht – weil sich wissenschaftlich keine sichere Konsummenge festlegen lässt.

Bewegung wirkt – auch ohne Gewichtsverlust

Bewegung ist dennoch unverzichtbar. Sie sei auch dann gesund, „wenn man nichts sieht“, also selbst ohne Abnahme. Entscheidend ist die Veränderung der Körperzusammensetzung. Deshalb sei Krafttraining für die Herzgesundheit mindestens so wichtig wie Ausdauertraining.

Schlaf nicht unterschätzen

Auch Schlaf spielt eine wichtige Rolle. „Seit den 1950er-Jahren hat sich die durchschnittliche Schlafzeit in Deutschland um fast zwei Stunden verkürzt“, erklärte Smollich. Schlafmangel könne Heißhunger und Lust auf Süßes verstärken. In einer Studie sank bei Übergewichtigen durch längeren Schlaf die tägliche Energiezufuhr um 270 Kilokalorien – ein Effekt, der auch therapeutisch relevant sei.

Gesundheit braucht Unterstützung

Weitere wichtige Bausteine der Prävention sind Impfungen, Zahngesundheit und psychische Stabilität. Wichtig sei dabei, dass Menschen mit Empfehlungen nicht allein gelassen werden. Die Politik müsse die Weichen für Bedingungen stellen, die ein gesundes Verhalten begünstigten. „Verhältnisprävention muss die Verhaltensprävention zwingend ergänzen“, betonte Smollich.

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