Zecken können mehrere Krankheitserreger übertragen
Neben Borreliose-Bakterien und FSME-Viren können Zecken weitere Erreger übertragen, etwa die der Anaplasmose, Babesiose oder verschiedener Rickettsiosen. In anderen Teilen der Welt spielt das eine größere Rolle. In Deutschland wurden solche Co-Infektionen laut RKI beim Menschen bisher nicht oder nur äußerst selten beobachtet. Wer nach einem Zeckenstich Beschwerden entwickelt, muss hierzulande daher meist nicht mit einem exotischen Erreger rechnen.
Borreliose bleibt die häufigste Zeckenkrankheit
Die wichtigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland bleibt jedoch die Lyme-Borreliose. Sie wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht und kommt bundesweit vor. Da sich die Bakterien im Darm der Zecke befinden, dauert es einige Stunden, bis die Erreger auf den Menschen übergehen. Daher gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Ansteckungsrisiko.
Woran Sie Borreliose erkennen
Ein typischer Hinweis ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Dabei bildet sich ein roter Fleck oder Ring, der sich meist um die Einstichstelle entwickelt und ausbreitet. Die Crux: Es kann bis zu vier Wochen dauern, bis die Hautrötung erscheint, und sie tritt zwar oft, aber nicht immer auf. Weitere Symptome wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen oder Abgeschlagenheit ähneln einem grippalen Infekt. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss geben, Antikörper sind jedoch meist erst nach zwei bis vier Wochen nachweisbar.
Nicht jede Rötung nach einem Zeckenstich ist eine Wanderröte. Eine kleine Hautreaktion direkt nach dem Stich ist meist harmlos und verschwindet nach wenigen Tagen.
Warum Ärzte von Antibiotika auf Verdacht abraten
Zu Beginn lässt sich Borreliose in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Bleibt die Krankheit unerkannt, kann sie Haut, Gelenke, Nervensystem und Herz befallen und ist deutlich schwieriger zu therapieren. Das Robert Koch-Institut (RKI) rät davon ab, Antibiotika ohne Symptome und gesicherte Diagnose vorsorglich einzunehmen. Auch eine Untersuchung der Zecke gilt als wenig sinnvoll. Selbst wenn sie infiziert war, bedeutet das nicht, dass Erreger übertragen wurden. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es bislang nicht.
FSME: Immer mehr Regionen gelten als Risikogebiet
Ein weiterer Erreger ist das FSME-Virus, das eine Hirnhaut- und Gehirnentzündung auslösen kann. Leichte Verläufe gehen mit Abgeschlagenheit, Fieber und Halsbeschwerden einher. Schwere Verläufe können starke Kopfschmerzen, Lähmungen, Krampfanfälle, Koma und im Extremfall den Tod verursachen. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die FSME-Impfung für Menschen, die in Risikogebieten wohnen oder sich dort häufig im Freien aufhalten.
Lange war die Gefahr vor allem auf Bayern und Baden-Württemberg beschränkt, inzwischen breitet sie sich weiter nach Norden aus. Betroffen sind inzwischen auch Südhessen, das südöstliche Thüringen, Sachsen, das südöstliche Brandenburg, das östliche Sachsen-Anhalt sowie einzelne Kreise in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. 2026 kamen der Landkreis Nordsachsen und der Stadtkreis Halle an der Saale hinzu. Damit gelten bundesweit 185 Kreise als FSME-Risikogebiet.
Wer nach einem Zeckenstich Fieber, starke Kopfschmerzen oder eine sich ausbreitende Hautrötung bemerkt, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen.