Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2017 1. Juni 2017 Die Nase läuft und läuft und läuft

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Bei Senioren kommt es häufig vor, dass die Nase ohne erkennbaren Grund läuft.

Bei manchen Menschen läuft ständig die Nase - auch ohne Erkältung oder Allergie. Grund ist, dass die Nasenschleimhaut durch altersbedingte Veränderungen mitunter zu wässriges Sekret bildet.
© Robert Kneschke - Fotolia

Mo. 29. Mai 2017

Die Nase läuft und läuft und läuft

Bei Senioren treten Erkältungen zwar seltener auf als im Kindesalter, trotzdem kann das Naselaufen zum lästigen Dauerzustand werden. Schuld daran ist oft eine altersbedingt veränderte Nasenschleimhaut.

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Dass die Nase Schleim bildet, hat die Natur "mit Hintergedanken" eingerichtet. Denn dieses Sekret ermöglicht es der Nase erst, als eine Art Klimaanlage für den Körper zu arbeiten. Beim Einatmen filtert, befeuchtet und temperiert sie die Luft: Fremdstoffe und Krankheitskeime bleiben an der feuchten Nasenschleimhaut kleben, bevor sie in die Lunge gelangen. Gleichzeitig gibt das Naseninnere Feuchtigkeit ab und wärmt kalte Luft an.

Dauerschnupfen ohne Allergie

Doch dieses eingespielte System kann aus dem Ruder laufen – zum Leidwesen vieler älterer Menschen, bei denen eine Art von Dauerschnupfen auftritt, ohne dass sie erkältet oder allergiegeplagt wären. Ihre Nasenschleimhaut bildet dauerhaft dünnflüssiges Sekret, und die Nase tropft wie ein Wasserhahn. Gleichzeitig ist die Nasenschleimhaut oft trocken. Es bilden sich Krusten und die Nase ist verstopft. Wie das Problem genau entsteht, ist bisher nicht komplett bekannt. Zuerst muss ein Arzt klären, ob nicht doch eine Allergie oder durch Viren bedingte Atemwegserkrankungen dahinterstecken. Eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen oder Erkrankungen des Nervensystems wie etwa Morbus Parkinson können ebenfalls die Nase zum "Dauerlaufen" bringen. Auch Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten kommen dafür in Betracht.

Sekret nicht im Gleichgewicht

Trifft das alles nicht zu, vermuten Fachleute altersbedingte Veränderungen als Ursachen für diese Dauerreizung. Das Zusammenspiel verschiedener Zelltypen und Drüsen in der Nasenschleimhaut scheint gestört zu sein. Diese Zellen produzieren den Schleim, sie regeln, ob er dünn oder zähflüssig ist, und transportieren ihn.

Je älter jedoch der Mensch wird, desto häufiger kommt es zu einem Ungleichgewicht dieser Zellen. Bestimmte Zelltypen sind nicht mehr in der Menge vorhanden wie in jungen Jahren, während andere fast unverändert ihre Arbeit tun. Treffen nun über das Nervensystem Reize ein, die die Schleimproduktion in der Nase anstoßen und regeln, wird nur noch wässriges Sekret gebildet. Zeitgleich schwillt die Nase zu. Oft liegt noch eine dauerhafte Entzündung vor, die ebenfalls die Sekretion verstärkt. Zudem nimmt die Dichte des Flimmerepithels mit den Jahren deutlich ab. Das ist eine Zellschicht, die die Nase wie ein Teppich auskleidet. Diese Epithelzellen tragen feinste Härchen, die Zilien, auf denen der Schleim transportiert wird. Sie bewegen sich im Alter weniger koordiniert wie in jungen Jahren. Der Teppich wird also löchrig, und der Schleimtransport gerät ins Stocken. Fremdkörper bleiben daher länger in Kontakt mit der Schleimhaut und können sie anregen, mehr Sekret abzugeben.

Gegen das Naselaufen kann der Arzt heute verschiedene Arzneimittel verordnen. Allen voran Nasensprays mit kortisonähnlichenWirkstoffen. Sie wirken antientzündlich, sorgen aber auch dafür, dass weniger Sekret gebildet wird. Präparate mit den Wirkstoffen Ipratropiumbromid oderTiotropiumbromid hemmen ebenfalls die Sekretion. Auf dem deutschen Markt gibt es Inhalationspräparate gegen Asthma und COPD, die der Arzt unter Umständen
verschreiben kann, auch wenn sie nicht dafür zugelassen sind. Das muss man mit dem behandelnden Arzt abklären.

Apotheker Rüdiger Freund

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