Das Immunsystem schützt nicht nur vor Krankheitserregern. Es arbeitet offenbar auch wie Müllabfuhr und Reparaturdienst des Körpers. Genau diese Aufgabe könnte entscheidend dafür sein, wie gesund wir altern.

Bei „Immunsystem" denken die meisten an die Abwehr von Viren und Bakterien. Doch ein Teil davon, die angeborene Immunabwehr, ist ununterbrochen aktiv, auch wenn wir gesund sind. Forschende sehen inzwischen Hinweise darauf, dass es den Körper dauerhaft instand hält.
Der Yale-Forscher Andres Hidalgo beschreibt diese Daueraufgabe mit einem anschaulichen Bild: Das Immunsystem arbeite wie die Müllabfuhr und der Reparaturdienst einer Stadt.
Fällt die Müllabfuhr einer Stadt aus, passiert zunächst nichts Dramatisches. Mit der Zeit aber sammelt sich Abfall, und es entstehen Probleme. Ähnlich, so Hidalgo, hält ein Teil der Immunzellen den Körper still und unbemerkt in Schuss. Sie räumen Zellschrott weg und stützen die Funktion von Organen.
Mit zunehmendem Alter scheint diese Wartungsfunktion weniger effizient zu werden. Mit den Jahren bleiben immer mehr kleine Schäden unrepariert. „Das Herz schlägt, die Lunge atmet, aber die Leistung beginnt nachzulassen", beschreibt Hidalgo. Man werde schneller müde, der Rücken schmerze, das Gedächtnis und die Sinne ließen nach. Genau diese schleichenden Veränderungen verbinden wir gewöhnlich mit dem Älterwerden.
Diese Beobachtungen stützen die Idee, dass das Altern zumindest teilweise mit einer nachlassenden Wartungsfunktion des Immunsystems zusammenhängen könnte: Es könnte nicht nur schlichter Verschleiß sein, sondern auch Folge einer nachlassenden, vom Immunsystem getragenen Instandhaltung. In einer Untersuchung zeigte Hidalgos Team etwa, dass bestimmte Fresszellen im Herzen Zellabfall beseitigen. Fehlen sie, häuft sich dieser an, es kommt zu Entzündung und zu Alterserscheinungen im Gewebe.
Die spannende Frage, an der die Forschung nun arbeitet: Ließe sich die Wartungsfunktion des Immunsystems gezielt stärken, um länger gesund zu bleiben? Hidalgo denkt über Ansätze nach, alternde Immunzellen gewissermaßen durch frische zu ersetzen. Ihm geht es dabei ausdrücklich nicht darum, das Leben einfach zu verlängern, sondern die Funktionsfähigkeit länger zu erhalten. „Nicht die absolute Lebensdauer, sondern die Qualität", sagt der Forscher.
Noch ist das Grundlagenforschung, und konkrete Anwendungen für den Menschen gibt es nicht. Doch der Gedanke rückt einen oft übersehenen Akteur ins Zentrum des Alterns: ein Immunsystem, das weit mehr leistet als Abwehr.
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