Annett Louisan: "Musik darf traurig machen"

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Sie gibt nicht viel auf die Konventionen der Popmusik und würzt ihre Texte gern mit einer Prise schwarzem Humor. Wie sie sich in den "mittleren Jahren" wirklich fühlt, verrät Annett Louisan im Interview.

Annett Louisan
Annett Louisan hat schon viele verschiedene Musikstile ausprobiert. Welchen sie bevorzugt, hört man in ihrem neuen Album.
© Jim Rakete

Ist es ungewohnt für Sie als Musikerin, von einer Apotheken-Zeitschrift interviewt zu werden?

Annett Louisan: Ich kenne Ihre Zeitschrift und freue mich, dass wir uns unterhalten. Meine Tochter liebt Ihre Zeitschrift geradezu. Sie darf noch nicht an mein Handy gehen, daher liebt sie alles, wo Bilder drin sind. Handys und Tablets kommen früh genug ins Leben von Kindern. Ich merke an mir selbst, wie wenig ich noch Zeitung lese.

Manch einer möchte sich den vielen schlechten Nachrichten bewusst nicht jeden Tag aussetzen. Geht Ihnen das ähnlich?

Annett Louisan: Zu viele Informationen können krankmachen, aber es existiert nur ein schmaler Grat zwischen Ignoranz und Selbstschutz. Die Bilder aus der Ukraine oder von den Erdbeben in der Türkei haben mich unglaublich getroffen und geschmerzt. Wenn ich dann arbeite oder auf meine Tochter aufpasse, muss ich lernen, damit umzugehen, damit ich mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren kann.

In einem neuen Song sprechen Sie Verschwörungstheorien an. Darin warnen Sie vor Männern mit großen Händen. Beruht das auf eigenen Erfahrungen?

Annett Louisan: Nein (lacht), das ist uns in der Küche des Produzenten eingefallen. Wir haben herzlich darüber gelacht und dann innerhalb einer halben Stunde ein Lied darüber geschrieben, das natürlich ironisch gemeint ist. Die Vorstellung ist so absurd, dass man das nicht glauben kann, aber heutzutage ist wohl alles möglich. Ich wollte da einfach mal den Spiegel hochhalten.

Was Verschwörungstheorien angeht, sind Sie ein gebranntes Kind. In Teilen des Internets gelten Sie als Tochter von Angela Merkel. Wie kam es dazu?

Annett Louisan: Das ist aus einem kurzen Beitrag in der Fernseh-Talkshow "3 nach 9" entstanden, der 2011 vor meinem Auftritt dort gesendet wurde. Ich hatte dafür ein Kinderfoto von mir mit meiner Mutter eingereicht. Auf dem Bild trug sie ähnliche Kleidung und eine Frisur wie Angela Merkel, und der Moderator hat darüber einen Witz gemacht. Ganz klar Satire, aber irgendjemand hat das ernstgenommen und einen Beitrag auf YouTube veröffentlicht, der mittlerweile millionenfach angeklickt wurde. Er deutet an, dass bei meinem Aussehen und bei der Stimme Angela Merkel mit "Vitamin B" meiner Karriere nachgeholfen haben muss. Was natürlich völliger Quatsch ist.

Sie haben die 40 überschritten. Ihr Stück "Die mittleren Jahre" beschreibt das Leben in diesem Alter resigniert, in Routine erstickt. Ist es so schlimm?

Annett Louisan: Das klingt sicher ein bisschen zynisch und hier und da auch bissig, aber das ist einfach mein Humor. Ich muss zugeben, dass ich das Älterwerden nicht immer einfach finde, weder als Künstlerin noch als Frau oder als Mensch. Ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe, diese Art Resignation zu besingen, aber natürlich fühle ich mich nicht dauerhaft so. Musik darf traurig machen, Musik darf wütend machen, darf auch einmal unangenehm sein. Das sind alles Dinge, die ich jetzt mehr zulasse. Es ist jedoch nur eine Facette von mir und von diesem Album. Es gibt auch versöhnlichere Zeilen.

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Annett Louisan: Über das Älterwerden nachzudenken, hat etwas mit Melancholie und Abschied zu tun: Abschied von der Jugend und Abschied von Erwartungen, die man an das Leben hatte. Das muss nicht immer negativ sein, aber Abschied tut immer weh. Nichts bleibt beim Alten, und manchmal macht mich das traurig, wenn ich an meine Kindheit denke. Ich kann aber die Melancholie als eine Art Motor nutzen, um in die Tiefe zu gehen. Wenn ich komplett glücklich und satt bin, komme ich nicht weiter. Ich schaffe mehr, wenn ich hungrig bin.

Was kann das Publikum bei den Konzerten im Herbst erwarten? Von 80er-Synthie-Pop bis Chanson war bei Ihnen in den vergangenen Jahren alles dabei.

Annett Louisan: Diesmal werde ich nah bei meiner neuen Platte bleiben, einen Kontrabassisten und bei bestimmten Konzerten ein Streichquartett mitnehmen. Ich werde viele Publikumslieblinge spielen, aber auch Songs, die ich lange nicht mehr gesungen habe. Ich freue mich sehr darauf. Es ist fast schon ein Privileg, wieder live spielen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Rüdiger Freund.

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