Bakterielle Infektionen der Scheide

ABDATA Pharma-Daten-Service  |  17.04.2026 00:00 Uhr

Die bakterielle Vaginose (BV) ist eine Störung des natürlichen Gleichgewichts der Bakterien in der Scheide. Normalerweise überwiegen dort schützende Milchsäurebakterien. Bei einer BV sind diese vermindert, während sich andere Bakterien stärker vermehren. Bei vielen Frauen kommt es zu einem gräulichen Ausfluss und unangenehmen fischigen Geruch.

Inhaltsverzeichnis

Krankheitsbild

Bei bakteriellen Infektionen der Scheide, auch als bakterielle Vaginose (BV) bezeichnet, ist das natürliche bakterielle Gleichgewicht in der Vagina gestört. In einer gesunden Vaginalflora überwiegen Milchsäurebakterien (Laktobazillen). Sie sorgen durch die Bildung von Milchsäure für ein saures Milieu, das vor krankmachenden Keimen schützt. Bei einer bakteriellen Vaginose kommt es zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichts: Die schützenden Laktobazillen werden zurückgedrängt, während sich andere Bakterien, insbesondere sogenannte Gardnerella species, stark vermehren. Die bakterielle Vaginose gilt heute nicht als klassische Infektion durch einen einzelnen Erreger, sondern als komplexe Störung des Scheidenmilieus (Dysbiose). Sie gehört zu den häufigsten vaginalen Erkrankungen bei sexuell aktiven Frauen.

Symptome/Verlauf

Eine BV zeigt sich häufig durch vaginalen Ausfluss, der in der Regel dünnflüssig und grau-weisslich ist. Ausserdem entsteht bei vielen Frauen der typische unangenehm fischige Geruch, häufig verstärkt nach dem Geschlechtsverkehr. Viele Betroffenen haben keine Beschwerden und die BV verläuft symptomlos. Allerdings bekommen Frauen, die bereits einmal eine Infektion hatten, diese auch häufig wieder (rezidivierende BV). Beschwerden wie Juckreiz, Brennen und Scheidentrockenheit weisen eher auf eine Scheidenentzündung (Vaginitis) hin.

Folgen/Komplikationen

Auch wenn die Beschwerden oft als mild empfunden werden, kann eine bakterielle Vaginose gesundheitliche Folgen haben. Sie ist mit einem erhöhten Risiko für aufsteigende Infektionen des oberen Genitaltrakts verbunden, etwa Entzündungen von Gebärmutter oder Eileitern. Zudem besteht ein Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Infektionen. In der Schwangerschaft kann eine bakterielle Vaginose mit Komplikationen wie vorzeitigem Blasensprung, Frühgeburtlichkeit oder Infektionen nach der Entbindung in Verbindung stehen. Deshalb ist eine gezielte Diagnostik und Behandlung wichtig.

Ursachen/Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der bakteriellen Vaginose sind noch nicht vollständig geklärt. Entscheidend ist eine Störung des natürlichen Gleichgewichts der Vaginalflora. Bestimmte Faktoren können das Risiko für eine solche Verschiebung erhöhen. Dazu zählen sexuelle Aktivität und Partnerwechsel, Rauchen sowie intensive Intimhygiene. Auch hormonelle Veränderungen können das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora beeinflussen. Bei einer BV handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Einflüsse auf das Scheidenmilieu.

Das kann helfen

Das macht der Arzt: Zur Behandlung werden in der Regel Antibiotika eingesetzt, die entweder lokal in der Vagina oder als Tablette eingenommen werden. Auch antiseptische Präparate können optional aufgetragen werden. Ziel ist es, die übermässig vermehrten Bakterien zu reduzieren. Bei wiederkehrenden Verläufen können längerfristige Therapieschemata erforderlich sein. Zudem erfolgt eine Beratung zu möglichen Risikofaktoren und zur Vorbeugung weiterer Episoden.
Das kann man selbst tun: Eine schonende Intimhygiene und der Verzicht auf aggressive Reinigungsprodukte unterstützen den Erhalt einer gesunden Vaginalflora. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden. Zur Stabilisierung des Scheidenmilieus können - nach ärztlicher Rücksprache - geeignete Präparate eingesetzt werden, die das Wachstum von Laktobazillen fördern. Ziel ist es, das saure Milieu wiederherzustellen und Rückfälle möglichst zu vermeiden.

Quellenangaben:
Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage - P.Haag et al, Gynäkologie und Urologie , MVI,, (2010)

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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