In Deutschland gibt es erstmals eine systematisch entwickelte, evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Stilldauer. Die zentrale Empfehlung: Babys sollten in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt werden. Beikost soll demnach erst ab dem vollendeten sechsten Monat eingeführt werden. Anschließend wird empfohlen, das Stillen begleitend zur Beikost bis zum ersten Geburtstag fortzuführen.
Wichtig: Die Leitlinie versteht sich als Orientierung. Sie bedeutet weder einen Zwang zum Stillen noch schließt sie längeres Stillen aus. Frauen entscheiden weiterhin selbst, ob und wie lange sie stillen möchten.
Wissenschaftlich fundierte Grundlage
Im Unterschied zu früheren Empfehlungen basiert die neue Leitlinie auf einer strukturierten Auswertung wissenschaftlicher Literatur mit festgelegtem Konsensverfahren. Berücksichtigt wurden 30 gesundheitliche Zielgrößen („Outcomes“) – 21 zur kindlichen und 9 zur mütterlichen Gesundheit. Die Analyse stützt sich auf Beobachtungsstudien. Untersucht wurde, wie sich unterschiedliche Stilldauern auf bestimmte Gesundheitsrisiken auswirken.
Vorteile des Stillens für Kinder
Die Auswertung zeigt: Nicht gestillte Kinder haben ein höheres Risiko für
Ein ausschließliches Stillen über sechs Monate war mit geringeren Risiken verbunden. Grundsätzlich sehen die Autoren kaum Nachteile des Stillens.
Positive Effekte für die Mutter
Auch für Frauen kann eine längere Stilldauer gesundheitliche Vorteile haben. Eine Gesamtstilldauer von mindestens zwei Jahren senkt das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.
Eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studie zeigte eine relative Risikoreduktion von fast 25 Prozent für Brustkrebs. Für Deutschland gepoolte Daten ergaben sogar eine Risikoreduktion von 40 Prozent. Zudem wirkt sich eine Stilldauer von insgesamt zwei Jahren positiv auf die Knochendichte im Alter aus.
Teil 2 der Leitlinie angekündigt
Ein zweiter Teil der Leitlinie soll sich künftig mit dem Stillbeginn sowie mit Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen befassen, die beim Stillen Schwierigkeiten haben. Bis dahin können sich werdende und junge Eltern an Hebammen, Kinderärztinnen oder Stillberaterinnen wenden, um individuelle Fragen zur Stilldauer und Beikosteinführung zu klären.