Auch die Fettverteilung scheint eine Rolle bei der Entstehung von Belastungs-Harninkontinenz zu spielen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie mit 99 Frauen mit einem Durchschnittsalter von rund 34 Jahren, die noch nie Beckenbodentraining gemacht hatten. Für die Studie befragte das Team die Frauen zu ihren Beschwerden und erhob Daten zum Fettanteil. Vor allem sogenanntes viszerales Fett – das sich zwischen den Organen ansammelt – erhöhte laut der Studie die Wahrscheinlichkeit ungewollten Urinverlusts, konkret um rund 51 Prozent.
Was ist Belastungs-Harninkontinenz?
Wer im Alltag beim Husten, Lachen, Heben von schweren Objekten oder Sport ungewollt Urin verliert, hat Belastungs-Harninkontinenz. „Es ist der Urinverlust, der passiert, wenn Druck im Bauch zunimmt und der Beckenboden es nicht halten kann“, erklärt Patrizia Driusso, Professorin für Physiotherapie an der Federal University of São Carlos in einer Mitteilung zur Studie. „Es betrifft Frauen aller Altersstufen, einschließlich sehr junger Frauen. Diese Beckenbodenmuskeln werden im Leben selten trainiert und ohne richtiges Training, werden sie schwach und verlieren ihre Funktion.“ Häufig bleibt das Problem unerkannt, da leichte Beschwerden als normal angesehen werden – was sie aber nicht sind.
Bauchfett: Im Verdacht, Druck auf den Beckenboden zu erhöhen
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, wie Bauchfett die Blasenschwäche beeinflussen könnte: Das Fett erhöht den Druck im Bauchraum und belastet den Beckenboden zusätzlich. Außerdem wirkt viszerales Fett stoffwechselaktiv und setzt entzündungsfördernde Substanzen frei. Diese könnten die Muskelkraft beeinträchtigen – auch im Beckenboden.
Was hilft: Beckenboden gezielt stärken
Die gute Nachricht: Beckenbodentraining gilt als wirksame Behandlung. „Heute haben wir eine hohe Evidenz dafür, dass das Training dieser Muskeln effektiv ist. Es ist der Goldstandard zur Behandlung der Belastungsinkontinenz“, betont Driusso. Wichtig sei die richtige Anleitung, da viele Frauen die Übungen zunächst nicht korrekt ausführten – im schlechtesten Fall würden die Beschwerden stärker. Mit professioneller Unterstützung können sich Beschwerden oft innerhalb weniger Monate deutlich verbessern.
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Bauchfett und Harninkontinenz. Da es sich jedoch um eine Querschnittsstudie handelt, lässt sich keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung ableiten. Dennoch liefern die Daten wichtige Hinweise für Prävention und Therapie.
Quelle: DOI 10.1016/j.ejogrb.2026.114957