Blutflussrestriktionstraining: Spezial-Krafttraining bei Typ-2-Diabetes?

Elisabeth Kerler  |  05.02.2026 08:10 Uhr

Vielen Menschen fällt Krafttraining mit großen Gewichten schwer. Eine Alternative bietet das Blutflussrestriktionstraining, bei dem weniger große Gewichte verwendet werden. Besonders für Menschen mit Diabetes-Typ-2 bietet diese Methode Vorteile.

Mann beim Krafttraining mit großen Gewichten im Fitnessstudio.
Zu große Herausforderung mit schweren Gewichten? Bei Blutflussrestriktionstraining (BFRT) reichen deutlich Kleinere aus.
© Drazen Zigic/iStockphoto

Deutlich geringere Gewichte, Reduktion des Bauchfetts und höhere Durchblutung: Das bietet das Blutflussrestriktionstraining (BFRT) und ist damit besonders für Menschen mit Typ-2-Diabetes interessant. Auf dieses zentrale Studienergebnis weist das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) hin. 

Was ist Blutflussrestriktionstraining?

Beim BFRT werden aufblasbare Manschetten an den Oberschenkeln angelegt. Sie reduzieren den Blutfluss im Muskel gezielt. Trainiert wird dabei mit nur etwa 30 Prozent der individuellen Maximalkraft – zum Vergleich: Beim üblichen Krafttraining sind es etwa 70 Prozent. Trotz der niedrigen Belastung entsteht ein intensiver Trainingsreiz. BFRT wird bereits in der Rehabilitation, Physiotherapie und vereinzelt in Fitnessstudios eingesetzt.

Studie zeigt Unterschiede bei der Fettverteilung

In der Studie trainierten insgesamt 20 Menschen mit Typ-2-Diabetes über zwölf Wochen entweder mit BFRT oder mit klassischem Krafttraining. Beide Gruppen verbesserten ihre Muskelkraft ähnlich stark, auch Blutdruck, Ruhepuls und Körpergewicht entwickelten sich günstig. Ein Unterschied zeigte sich jedoch bei der Fettverteilung: Während klassisches Krafttraining vor allem das Unterhautfett verringerte, nahm beim BFRT insbesondere das viszerale Fett, auch bekannt als „Bauchfett“, im Bauchraum ab.

Viszerales Fett besonders bedeutsam bei Typ-2-Diabetes

„Viszerales Fett gibt nicht nur Fettsäuren, sondern auch entzündungsfördernde Botenstoffe ins Blut ab“, erklärt Professor Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum in der Mitteilung zur Veröffentlichung. Das fördere Insulinresistenz, also eine Verschlechterung der Insulinwirkung und erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Wird dieses Fettgewebe gezielt reduziert, sind besonders günstige Auswirkungen auf die Prävention und Therapie zu erwarten. Dass dies bei BFRT, einer Trainingsform mit niedriger Belastung auftritt, ist ein besonderer Vorteil für Menschen mit Typ-2-Diabetes“, betont Roden.

Studienteilnehmende: Im Alltag kräftiger und belastbarer

Die Studie selbst habe bereits einen praktischen Nutzen gehabt, so Dr. Nina Trinks vom DDZ: „Viele Teilnehmende haben berichtet, dass sie sich im Alltag kräftiger und belastbarer gefühlt haben. Mehr als die Hälfte hat sich nach Studienende im Fitnessstudio angemeldet, um dort, wenn es die eigene Fitness zulässt, mit regulärem Krafttraining weiterzumachen.“

Bessere Durchblutung und leistungsfähigere Muskeln

Darüber hinaus zeigte die Studie, dass BFRT die Mitochondrien im Muskel zahlreicher und leistungsfähiger werden lässt. Zusätzlich förderte das Training die Neubildung kleiner Blutgefäße, was die Durchblutung und die Versorgung der Muskulatur verbessert.

Nachteil: BFRT schwer zu finden

Trotz der Vorteile weist das DDZ darauf hin, dass BFRT nur vereinzelt verfügbar ist – etwa in Rehaeinrichtungen, bei Physiotherapie und selten in Fitnessstudios. Es erfordert spezielles Equipment sowie professionelle Betreuung. Vor Beginn eines BFRT-Trainings sollte grundsätzlich eine ärztliche Abklärung erfolgen. Generell sei aber auch herkömmliches Krafttraining hilfreich, wenn auch mit höheren Gewichten. 

Quelle: DOI 10.1016/j.cmet.2025.12.016

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