Schlafmangel fördert Bauchfett: Was die Studie zeigt
Viele Menschen schlafen regelmäßig weniger als empfohlen. Forscher aus den USA haben nun in einer Studie untersucht, wie sich Schlafmangel auf Gewicht und Fettverteilung auswirkt. Das Ergebnis ist deutlich: Schon zwei Wochen mit maximal vier Stunden Schlaf pro Nacht führten zu spürbaren Veränderungen.
Im Vergleich zu Teilnehmern mit ausreichend Schlaf nahm das Fett im gesamten Bauchbereich um neun Prozent zu. Das besonders gesundheitsschädliche viszerale Fett, also das innere Bauchfett rund um die Organe, stieg sogar um elf Prozent. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im „Journal of the American College of Cardiology“.
Warum zu wenig Schlaf dick machen kann
Ein zentraler Punkt der Studie: Die Teilnehmer mit Schlafmangel aßen mehr. Während der Phase mit nur vier Stunden Schlaf pro Nacht nahmen sie täglich mehr als 300 Kalorien zusätzlich zu sich. Außerdem stieg der Konsum von Protein um rund 13 Prozent und von Fett um 17 Prozent. Der Energieverbrauch blieb jedoch über die gesamte Zeit hinweg nahezu unverändert. Das bedeutet, der Körper verbrannte nicht mehr Kalorien, obwohl die Betroffenen länger wach waren. Die zusätzliche Energie wurde also gespeichert – vor allem im Bauchbereich.
Besonders stark war der Anstieg der Kalorienzufuhr in den ersten Tagen des Schlafentzugs. Später pendelte sich die Nahrungsaufnahme wieder auf dem Ausgangsniveau ein. Das viszerale Fett nahm jedoch weiter zu.
Viszerales Fett: Warum inneres Bauchfett so gefährlich ist
Viszerales Fett lagert sich nicht direkt unter der Haut, sondern tief im Bauchraum rund um Leber, Darm und andere Organe ab. Das ist von außen nicht sichtbar. Dieses Fett gilt als besonders riskant, weil es mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Stoffwechselstörungen in Verbindung steht.
„Schlafmangel scheint das Fett in den inneren Bereich umzuleiten. Obwohl in der Erholungsphase die Kalorienaufnahme und das Gewicht sanken, nahm das viszerale Fett weiter zu. Dies deutet darauf hin, dass unzureichender Schlaf ein bisher unerkannter Auslöser für die Ablagerung von viszeralem Fett ist und nachholender Schlaf dies zumindest kurzfristig nicht umkehrt“, folgerte Prof. Dr. Virend Somers von der Mayo Clinic in Rochester (USA).
Das bedeutet: Selbst wenn Betroffene später wieder mehr schlafen und weniger essen, kann das zuvor aufgebaute viszerale Fett zunächst bestehen bleiben.
Schlafmangel als unterschätzter Risikofaktor
Die Forscher befürchten, dass sich wiederholte Phasen mit zu wenig Schlaf über Jahre hinweg summieren könnten. Gerade bei Menschen im Schichtdienst oder mit chronischem Stress besteht das Risiko, dauerhaft zu wenig zu schlafen. Auf Dauer könnte sich so immer mehr viszerales Fett ansammeln – mit möglichen Folgen für Herz und Stoffwechsel.
Was jeder tun kann: Schlaf, Bewegung, Ernährung
Schlaf ist ein Faktor, den man aktiv beeinflussen kann. Experten empfehlen Erwachsenen in der Regel sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung helfen zusätzlich, Bauchfett zu reduzieren und den Stoffwechsel zu stabilisieren.
Wer im Schichtdienst arbeitet, sollte besonders auf feste Schlafzeiten, eine ruhige Schlafumgebung und bewusste Essgewohnheiten achten.
Quelle: DOI 10.1016/j.jacc.2022.01.038