ArzneimittelGesundheit

Blutdrucksenker zeigt Vorteile bei Typ-1-Diabetes

ZOU  |  07.03.2022

Der bekannte Wirkstoff Verapamil, der zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird, wirkt sich bei Personen mit Typ-1-Diabetes langfristig vorteilhaft aus: Patienten, die die Blutdrucktabletten einnahmen, benötigten zwei Jahre nach der Erstdiagnose der Krankheit weniger Insulin, berichten Forscher in der Zeitschrift „Nature Communications“.

Junge, misst sich Blutzucker.
Die Stoffwechselerkrankung Typ-1-Diabetes tritt häufig schon im Kindes- und Jugendalter auf.
© Irina_Geo/iStockphoto

Schon 2018 berichtete das Forschungsteam, dass sich Verapamil positiv auf die Regulation des Blutzuckerspiegels bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auswirkt. In einer längeren Studie stellte sich nun heraus, dass das Medikament dafür langfristig eingenommen werden muss: Bei Patienten, die Verapamil nach einem Jahr absetzten, verschlechterte sich der Diabetes ähnlich wie bei Personen in der Kontrollgruppe, die kein Verapamil eingenommen hatten.

Auf der Suche nach dem Wirkmechanismus untersuchte das Team Veränderungen von Eiweißbestandteilen im Blut: Das Vorkommen von 53 Proteinen veränderte sich durch die Einnahme von Verapamil. Besonders stark reduzierte sich das Protein Chromogranin A (CHGA). Es befindet sich in den insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Das Absinken im Blut wird als Zeichen dafür gedeutet, dass die Zellen erhalten bleiben – zumal geringere Spiegel des Proteins bei den mit Verapamil behandelten Personen mit einer besseren Insulinproduktion verbunden waren.

CHGA ist als Autoantigen bei Typ-1-Diabetes bekannt, also als ein körpereigenes Merkmal, das von der Immunabwehr irrtümlich angegriffen wird. Das Forschungsteam hat deshalb auch Immunzellen näher untersucht und festgestellt, dass Varapamil die Ausschüttung mehrerer Entzündungsmarker senkte.

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse durch größere klinische Studien mit mehr Patienten bestätigt werden muss. Dennoch sind sie vielversprechend: „Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes hat sich gezeigt, dass selbst eine geringe Menge an erhaltener Insulinproduktion mit besseren Ergebnissen verbunden ist. Die Tatsache, dass diese vorteilhaften Wirkungen von Verapamil zwei Jahre anzuhalten scheinen, während das Absetzen von Verapamil zu einem Fortschreiten der Krankheit führte, liefert eine zusätzliche Unterstützung für seinen potenziellen Nutzen für eine Langzeitbehandlung“, sagte Dr. Anath Shalev von der University of Alabama in Birmingham.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, die zum Verlust der Zellen der Bauchspeicheldrüse führt, die körpereigenes Insulin produzieren. Deshalb müssen die Patienten Insulin durch Spritzen oder Pumpen zuführen.

Quelle: DOI 10.1038/s41467-022-28826-3

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