Hirnstruktur bleibt nicht konstant
MRT-Aufnahmen der Gehirne von 3.802 Personen von der Kindheit bis zum 90. Lebensjahr zeigen, dass sich die Struktur des menschlichen Gehirns nach der Geburt immer wieder verändert. „Viele Menschen haben rückblickend das Gefühl, dass das Leben von verschiedenen Phasen geprägt war. Es zeigt sich, dass auch das Gehirn diese Phasen durchläuft“, sagte der Neuroinformatiker Duncan Astle von der Cambridge University.
Die fünf Lebensabschnitte des Gehirns
Die Forschenden haben die Veränderungen des Gehirns in fünf Phasen gruppiert:
- Phase von der Geburt bis etwa 9 Jahre: Sie beginnt mit einer rasanten Zunahme der grauen und weißen Hirnsubstanz, in der sich die Nervenzellen miteinander zu einem Netzwerk verbinden. Kurz vor der Pubertät beginnt sich dieses dichte Netzwerk neuronaler Verbindungen zu verfestigen. Die Verbindungen nehmen ab, werden aber effizienter.
- Phase von etwa 9 bis 31 Jahre: Beim Heranwachsen produziert das zentrale Nervensystem viele Sexualhormone. Die weiße Substanz nimmt weiter zu und die Netzwerke des Gehirns verfeinern sich weiter. Die Effizienz verbessert sich mit jedem Jahr.
- Phase von etwa 32 bis 65 Jahre: Die Gehirnstruktur stabilisiert sich und es folgt ein Plateau an Intelligenz und Persönlichkeit. Die Hirnregionen grenzen sich in einem langsamen Prozess zunehmend voneinander ab und werden in kleinere Bereiche unterteilt.
- Phase von etwa 66 bis 82 Jahre: Es zeigen sich erste leichte Anzeichen des Abbaus in der Hirnarchitektur. Mit jedem Jahr werden die strukturellen Netzwerke schwächer, die Dichte der neuronalen Verbindungen nimmt ab und sie verlieren an Effizienz.
- Phase ab etwa 83 Jahren: Das Gehirn zeigt einen deutlichen Leistungsabfall. Die Verbindungen nehmen im gesamten Gehirn ab, sodass lokale Netzwerke einen größeren Teil der geistigen Leistungen erbringen müssen.
Erkenntnisse über die verschiedenen Lebensphasen
„Diese Stadien liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wofür unser Gehirn in verschiedenen Lebensphasen am besten geeignet ist und wofür es anfälliger ist. Sie könnten uns helfen zu verstehen, warum sich manche Gehirne in entscheidenden Lebensphasen unterschiedlich entwickeln, sei es bei Lernschwierigkeiten in der Kindheit oder bei Demenz im Alter“, sagte Alexa Mousley von der Cambridge University.
Quelle: DOI 10.1038/s41467-025-65974-8