Psyche

Eckart von Hirschhausen: "Die Welt enkeltauglich machen"

aponet.de  |  01.10.2023

Als Fernsehmoderator, Arzt und Autor befasst sich Dr. Eckart von Hirschhausen mit Themen rund um die Gesundheit. Seit Neuestem widmet er sich mit aller Energie einer schwerkranken Patientin: unserer Erde. Warum es da auch konkret um uns geht, sagt schon der Name seiner Stiftung "Gesunde Erde – Gesunde Menschen".

Eckart von Hirschhausen.
Eckart von Hirschhausen setzt sich für eine gesündere und lebenswerte Erde ein.
© Dominik Butzmann

Was bedeutet das Stichwort "Planetare Gesundheit?" Und wie ist es um sie bestellt?

Jeder, der sich mit den Fakten der Klimakrise und des Artensterbens beschäftigt, hat Angst, wie schnell wir gerade unsere Lebensgrundlagen für immer verspielen. Gesundheit beginnt nicht mit Tabletten und Operationen, sondern mit sauberer Luft zum Atmen, Wasser zum Trinken, Pflanzen zum Essen, erträglichen Außentemperaturen und einem friedlichen Miteinander. All das ist bedroht, gerade weil wir es zu lange als selbstverständlich hingenommen haben. Ist es aber nicht. "Planetare Gesundheit" bedeutet, dass wir verstehen, wie eng aktuelle Bedrohungen zusammenhängen und nur gemeinsam gelöst werden.

Der Klimawandel schadet global. Doch wie schadet er auch jedem Einzelnen hierzulande?

Kaum bekannt ist, dass Deutschland einen traurigen Rekord an Hitzetoten hat. Über die knapp 200 ertrunkenen Menschen im Ahrtal wurde viel berichtet, nicht aber über 4.500 Menschen, die im selben Sommer laut Robert Koch-Institut an Hitze starben. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen sind massiv gefährdet, alle, die eh schon mit Herz, Lunge und Diabetes zu kämpfen haben, tun sich schwer, wenn der Körper überhitzt und der Kreislauf zusammenbricht. Kaum ein Altenheim verfügt über Kühlung in den Zimmern, und wir bauen auch Krankenhäuser immer noch so, dass sie zu Hitzefallen werden können.

Gibt es noch weitere Gesundheitsgefahren durch das sich verändernde Klima?

Ein großes Thema sind Allergien, die enorm zunehmen, durch Feinstaub und Luftverschmutzung, aber auch durch invasive allergene Pflanzen, die sich durch die neuen klimatischen Bedingungen rasant ausbreiten. Und auch neue Infektionen! Es gibt Tigermücken und das West-Nil-Virus in Deutschland, demnächst kann sich Malaria wieder ausbreiten. Das ist alles nicht lustig. Daher habe ich auch meine Bühnenkarriere beendet, um mich voll und ganz meiner Stiftung zu widmen. Gesunde Menschen gibt es nun mal nur auf einer gesunden Erde!

Was möchten Sie mit der Arbeit Ihrer Stiftung erreichen?

Wir pflanzen Ideen, weil die schneller wachsen können als Bäume. Das Wichtigste, was ein Einzelner heute tun kann, ist: nicht alleine zu bleiben. Daher braucht es viele Profis und Netzwerke. Dafür treten wir ein. Es gibt ein Zeitfenster von nur wenigen Jahren, um die Welt enkeltauglich zu machen. Wissenschaft allein verändert kein Verhalten und führt nicht zu den politischen Entscheidungen, die jetzt notwendig sind. Mit der Stiftung "Gesunde Erde – Gesunde Menschen" trage ich dazu bei, dass diese notwendige Transformation von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einen frischen "Spirit" bekommt: überparteilich, kooperativ, generationsübergreifend und mit ansteckend guter Laune. Auf unserer Homepage www.stiftung-gegm.de  sieht man, wie viel wir erreicht haben. Und wir freuen uns über Spenden.

Was Einzelne tun können, ist auch Thema in dem von Ihnen herausgegebenen Buch "Als ich mich auf den Weg machte, die Erde zu retten". Was kann, was soll man tun?

Das Wichtigste ist, sich schlauzumachen und den Mund aufzumachen. Gerne in dieser Reihenfolge (lacht). Das Buch ist wirklich toll geworden, durch viel Liebe in der Gestaltung, Weltklasse-Fotografien, Grafiken, verschiedene Blickwinkel und überraschende Erfolgsgeschichten. Das Buch ist trotz des ernsten Anliegens sehr lebensfroh, bestens geeignet als Geschenk und als Gesprächseinstieg auch mit Menschen, die sich bislang wenig mit Nachhaltigkeit beschäftigt haben. Ich möchte nicht viel vorwegnehmen, denn das Buch ist eine Reise, eine Einladung, sich selbst im Geiste auf den Weg zu machen – und dann die Dinge in die Tat umzusetzen.

Fallen Ihnen Verhaltensänderungen etwa bei der Ernährung leicht?

Mir geht es wie vielen anderen: Gewohnheiten lassen sich nur Schritt für Schritt umstellen, besonders bei der Ernährung. Aber wenn man den engen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Erde und der des Menschen einmal richtig verstanden hat, ist die Sache relativ überschaubar. Die Idee einer "Planetary Health Diet" verbindet, was dem Körper guttut, mit dem, was dem Planeten guttut. Ganz simpel heißt das, deutlich mehr Gemüse, Nüsse, Obst und Hülsenfrüchte auf den Teller als bisher und viel weniger Zucker und Fleisch. Früher bei meiner Oma gab es unter der Woche Gemüse und Kartoffeln, sonntags den Sonntagsbraten. Und die wurde alt!

Wo und wie bleiben Sie einem breiten Publikum erhalten?

Natürlich bleibe ich weiter medial präsent, zum Beispiel als Keynote Speaker, mit "Wissen vor 8 Erde" in der Mediathek, ARD-Dokumentationen und meiner neuen Samstagabend-Show im Ersten "Was kann der Mensch?". Und wenn die Welt gerettet ist, rufe ich Howard Carpendale an und frage, wie das mit der Comeback-Tour am besten funktioniert, und mache wieder Quatsch und Musik auf der Bühne. Eine Welt ohne Unsinn macht ja auch keinen Sinn.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Dr. Frank Schäfer.

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