Krankheitsbild
Die FSME wird durch ein Virus verursacht, das durch Zecken übertragen wird. Nicht jede Zecke aber hat das Virus in sich und nicht immer erkranken Menschen an einer Infektion. Es gibt jedes Jahr einige hundert FSME-Erkrankungsfälle bundesweit, wobei es vermutlich eine hohe Dunkelziffer von Infektionen gibt, da viele Menschen kaum oder keine Symptome entwickeln.
Bei befallen Zecken befindet sich das Virus direkt in den Speicheldrüsen, daher gelangt es bei einem Zeckenstich recht rasch in die Blutbahn des Wirtes. Danach kann die Erkrankung mit einer Verzögerung - einer Inkubationszeit - von 7 bis 14 Tagen ausbrechen. Das Fachwort Meningoenzephalitis steht für eine Hirn- und Hirnhautentzündung. Der Frühsommer im Namen der Krankheit ist an sich ein wenig irreführend, da die das FSME-Virus übertragenden Zecken schon im Frühjahr aktiv werden und es bis weit in den Herbst hinein bleiben. Die Mehrzahl der FSME-Erkrankungen werden in den Monaten April bis Oktober registriert.
Kommt es zu einer FSME-Erkrankung, verläuft sie oft - aber keineswegs immer - in zwei Phasen. Zunächst machen sich grippeähnliche Beschwerden bemerkbar. Nach einer kurzen symptomfreien Pause von etwa einer Woche kann eine Hirn-, Hirnhaut- und Rückenmarksentzündung folgen. Ein hoher Anteil der Infektionen, schätzungsweise 70 bis 95 Prozent, verursacht jedoch keine Symptome oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus.
Wichtig zu wissen: FSME-Viren sind nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragbar. Eine Heilung der Erkrankung ist nicht möglich, es lassen sich nur Symptome behandeln.
Symptome/Verlauf
Bei etwa einem Drittel der Infizierten treten in einer ersten Krankheitsphase grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Diese Beschwerden lassen innerhalb einiger Tage nach. In der Folge kann es bei einem Teil der Patienten nach ungefähr einer Woche ohne Symptome erneut zu Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie zu Ausfällen des Nervensystems kommen, mit Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gehstörungen für Wochen oder Monate.
Folgen/Komplikationen
Erkranken Menschen schwerer, treten Lähmungen an Armen und Beinen, Schluck- und Sprechstörungen, Krampfanfälle oder Atemlähmungen auf. Es sind bleibende Schäden möglich. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur Heilung, informiert das Robert Koch-Institut. Beim europäischen Subtyp das Virus führen ungefähr ein Prozent der FSME-Erkrankungen zum Tode.
Ursachen/Risikofaktoren
Ausgelöst wird FSME durch ein Virus, von dem es weltweit drei ähnliche Untertypen gibt, denen man durch eine Impfung begegnen kann. In Deutschland kommt der europäische Typ vor, der vor allem durch die Zecke Ixodes ricinus übertragen wird, den gemeinen Holzbock. Der deutsche Begriff "FSME" steht für die Erkrankung durch den europäischen Virustyp.
Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich mit dem FSME-Virus zu infizieren, besteht in FSME-Risikogebieten. In Deutschland liegen sie in Süddeutschland, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, Sachsen und Brandenburg sowie einzelnen weiteren Landkreisen. Zu den Risikogebieten werden auch die Schweiz, Oesterreich und einige Regionen Skandinaviens sowie Ost- und Südosteuropa gezählt, wobei die Definition für Risikogebiete nicht einheitlich ist. Informationen zu Risikogebieten in Deutschland bietet des Robert Koch-Institut unter www.rki.de/fsme-karte, für Europa gibt es Informationen bei www.zecken.de unter dem Menüpunkt "Gefahr durch Zecken" und dort unter "FSME". In FSME-Verbreitungsgebieten hierzulande sind nach Angaben des Robert Koch-Institutes in Naturherden etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert.Das Risiko, schwer zu erkranken, ist bei Kindern vergleichsweise gering und älteren oder immungeschwächten Patienten erhöht.
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Kommen Patienten mit neurologischen Symptomen wie sie bei FSME auftreten zu einer Ärztin oder einem Arzt, wird untersucht, was die Beschwerden ausgelöst hat. Dazu können unter anderem Bluttests durchgeführt werden, möglicherweise wird auch ein Neurologe hinzugezogen, da neurologische Ausfälle sehr unterschiedliche Gründe haben können. Liegt eine FSME vor, lassen sich nur deren Symptome lindern, eine Therapie zur Heilung gibt es nicht.
Vorbeugend schützt eine Impfung. Empfohlen wird sie für Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, sich mit dem FSME-Virus zu infizieren. Das sind nach Angaben der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut Personen, die hierzulande in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind, etwa in der Freizeit oder beruflich in der Forst- oder Landwirtschaft. Ebenso sollten Personen geimpft werden, die ausserhalb Deutschlands Gefahr laufen, sich Zeckenstiche und damit das FSME-Virus oder einen ihm sehr ähnlichen Virustyp einzufangen und daran zu erkranken.
Zu Einzelheiten der Impfung muss man sich ärztlich informieren lassen. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung beziehungsweise keine Impf- und Reiseimpfberatung.
Was man selbst tun kann:
Vor allem sollte man vermeiden, von Zecken gestochen zu werden - nicht nur wegen des FSME-Virus, sondern auch wegen Borreliose auslösenden Bakterien, die ebenfalls von Zecken übertragen werden können. Wichtige Massnahmen zum Zeckenschutz:
- Kleidung sollte bei Aufenthalten in der Natur möglichst viel Körperoberfläche bedecken (lange Hosen, langärmelige Hemden und geschlossene Schuhe).
- Insekten-Abwehrmittel für die Haut etwa mit Icaridin oder Diethyltoluamid (DEET) wirken in gewissem Umfang auch gegen Zecken. Zur Wirksamkeit, Anwendung oder Wirkdauer sind die Herstellerangaben zu beachten.
- Nach Aufenthalten in der Natur mit Kontakt zu Gras, Kräutern oder Strauchwerk sollte man den Körper gut nach Zecken absuchen, ebenso Haustiere.
- Zecken gilt es rasch zu entfernen. Hierzu greift man sie etwa mit einer Pinzette oder Zeckenzange nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (nicht am vollgesogenen Körper), und zieht sie langsam und gerade aus der Haut.
- Bei einer Wanderröte mit oder ohne bekannten Zeckenstich und/oder bei erkältungsartigen oder neurologischen Symptomen oder Gelenkbeschwerden nach einem Zeckenstich sollte man zum Arzt gehen.
Quellenangaben:
Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage - Gehlen, Delank, Neurologie, (2010), 12. Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.