Wenn der Beckenboden nachgibt
Der Beckenboden stützt Blase, Gebärmutter, Darm und Scheide. Wird die Muskulatur oder das Bindegewebe geschwächt, können sich diese Organe Richtung Scheidenausgang absenken. Fachleute sprechen von einem Descensus genitalis oder – bei stärkerer Ausprägung – von einem Prolaps. Zu den Risikofaktoren zählen Geburten, Übergewicht und ein Östrogenmangel in den Wechseljahren.
Eine aktualisierte S3-Leitlinie fasst neue Erkenntnisse zum Umgang mit einer Genitalsenkung zusammen.
Welche Symptome sind typisch?
Nicht jede Genitalsenkung verursacht Beschwerden. Experten unterscheiden vier Stadien. Im ersten fällt die Senkung nur bei der gynäkologischen Untersuchung auf. Bei Stadium 4 ist die Senkung deutlich sichtbar und die Gebärmutter ragt größtenteils aus der Vagina heraus.
Symptome treten in der Regel ab Stadium 2 auf. Dazu gehören unter anderem:
- Druck- oder Fremdkörpergefühl im Becken
- Vorwölbung am Scheideneingang
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- unvollständige Blasen- oder Darmentleerung
- plötzlicher Harndrang, teilweise mit Urinverlust
Häufig besteht zusätzlich eine Belastungsinkontinenz, etwa beim Husten, Niesen oder Heben schwerer Gegenstände.
Welche Behandlung hilft?
Je nach Ausprägung der Beschwerden kommen zunächst häufig konservative Maßnahmen infrage. Dazu zählen:
- gezieltes Beckenbodentraining
- eine Hormonersatztherapie
- Pessare aus Silikon, die in die Scheide eingesetzt werden und die abgesunkenen Organe stützen. Eine Pessartherapie kann laut neuer S3-Leitlinie sowohl die Beschwerden einer Genitalsenkung als auch eine Inkontinenz lindern. Bei vielen Frauen lässt sich dadurch eine Operation hinauszögern oder sogar vermeiden.
Ist ein Eingriff notwendig, stehen je nach Ausprägung und Lage der Senkung verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung.
So lässt sich vorbeugen
Den Beckenboden vollständig vor einer Senkung zu schützen, ist nicht immer möglich. Mit einer gesunden Lebensweise lässt sich das Risiko jedoch verringern. Die Leitlinie empfiehlt:
- Beckenboden regelmäßig trainieren, etwa mit Gymnastik, Yoga oder Pilates. Nach einer vaginalen Geburt sind Rückbildungsübungen und Beckenbodentraining besonders wichtig.
- Verstopfung vermeiden – etwa durch ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit
- ein gesundes Körpergewicht anstreben
- chronischen Husten behandeln, weil dieser Druck auf den Beckenboden ausübt.
- schwere Lasten mit gebeugten Knien und geradem Rücken heben
Wer Beschwerden wie Druckgefühl im Becken oder Probleme beim Wasserlassen bemerkt, sollte diese gynäkologisch abklären lassen. Je früher eine Genitalsenkung erkannt wird, desto besser lassen sich Beschwerden lindern und geeignete Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen.