Gibt es bald Insulintabletten?

ZOU | 06.09.2022

Ein kanadisches Forschungsteam hat mit einer speziellen Technologie Insulintabletten entwickelt, aus denen das Insulin in Versuchen mit Ratten ähnlich gut aufgenommen wurde wie durch herkömmliches Spritzen.
Künftig könnte es für Patienten mit Diabetikern anstelle von Spritzen auch Tabletten mit Insulin geben. image.originalResource.properties.copyright

Die neuartigen Tabletten werden nicht geschluckt, sondern sie lösen sich auf, wenn sie zwischen Zahnfleisch und Wange platziert werden. Über die Wangenschleimhaut wird das Insulin aufgenommen. Ersten Versuchen zufolge beginnt das Insulin bereits nach einer halben Stunde zu wirken, und die Wirkung hält zwei bis vier Stunden lang an.

„Diese spannenden Ergebnisse zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, eine Insulinformulierung zu entwickeln, die nicht mehr vor jeder Mahlzeit gespritzt werden muss und die Lebensqualität sowie die psychische Gesundheit von mehr als neun Millionen Typ-1-Diabetikern weltweit verbessern kann“, sagte Prof. Dr. Anubhav Pratap-Singh, der die Ergebnisse zusammen mit Kollegen in dem Fachmagazin „Scientific Reports“ veröffentlicht hat.

Die Idee einer neuen Formulierung für Insulin kam ihm, weil sein Vater seit 15 Jahren drei- bis viermal täglich Insulin spritzen muss. Bei früheren Versuchen, ein trinkbares Insulin zu entwickeln, sammelte sich das meiste Insulin im Magen an. Jetzt hatte das Team mehr Erfolg: Fast 100 Prozent des Insulins aus den Tabletten war bereits nach zwei Stunden in die Leber gelangt und nicht mehr im Magen nachweisbar.

Wenn sich dies in Studien am Menschen bestätigt, hätte die neue Technologie viele Vorteile: Sie ist kostengünstiger, einfacher in der Anwendung und nachhaltiger, da keine Nadeln und Spritzen mehr benötigt werden. Auch der Transport wäre einfach, da die Tabletten nicht gekühlt werden müssen.

Quelle: DOI 10.1038/s41598-022-13092-6