Menschen mit Einsamkeitsgefühlen berichteten häufiger über psychische Belastungen, ein geringeres Wohlbefinden und eine schlechtere allgemeine Gesundheit. Das zeigt eine internationale Studie unter Leitung der University of Bristol, Nesta and Amsterdam UMC, die das Fachjournal “Nature Communications” veröffentlicht hat. Die Forschenden nahmen dabei sowohl die Qualität der Beziehungen einer Person in den Blick als auch die soziale Isolation, also eine geringe Anzahl an sozialen Kontakten. Menschen, die sich einsam fühlten, berichteten häufiger über eine schlechtere allgemeine Gesundheit und mehrere gleichzeitig bestehende Erkrankungen.
Studie wertet Gesundheitsdaten von Hunderttausenden Menschen aus
Für die Untersuchung wertete das Forschungsteam Daten der UK Biobank, die Daten von knapp 500.000 Menschen zwischen 38 und 73 Jahren aus Großbritannien enthält, sowie großer genomweiter Assoziationsstudien aus. Um möglichst belastbare Ergebnisse zu erhalten, kombinierten die Forschenden klassische Beobachtungsstudien, Geschwistervergleiche und genetische Analysen.
Kein klarer Zusammenhang mit einzelnen körperlichen Erkrankungen
Während der Zusammenhang mit psychischer Gesundheit, Wohlbefinden und der allgemeinen Gesundheit deutlich ausfiel, fanden die Forschenden keine klaren Hinweise darauf, dass Einsamkeit oder soziale Isolation das Risiko für bestimmte körperliche Erkrankungen erhöhen. Solche Auswirkungen lassen sich auf Grundlage der Daten jedoch auch nicht sicher ausschließen.
Einsamkeit und soziale Isolation sind nicht dasselbe
Die Studie unterscheidet bewusst zwischen Einsamkeit und sozialer Isolation. Einsamkeit beschreibt das subjektive Gefühl, zu wenig soziale Nähe zu haben. Soziale Isolation meint dagegen objektiv wenige soziale Kontakte. Beide hingen zwar miteinander zusammen, zeigten aber unterschiedliche Auswirkungen. Die stärkeren und konsistenteren Effekte fanden sich für Einsamkeit.
Langfristige Auswirkungen sollen weiter untersucht werden
Die Arbeit stützt sich auf eine große Datenbasis und kombiniert mehrere wissenschaftliche Methoden, was die Aussagekraft stärkt. Da die Studie Einsamkeit nur zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen hat, hält es das Autorenteam für wichtig, auch die Auswirkungen anhaltender oder langfristiger Einsamkeit zu untersuchen. Außerdem hatte sich die Studie auf Menschen mittleren Alters und ältere Erwachsene konzentriert. Künftige Studien sollten daher untersuchen, ob diese Muster bei jüngeren Menschen ähnlich sind.
Forschende sehen Chancen für bessere Prävention
Nach Einschätzung der Forschenden unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Einsamkeit und sozialer Isolation als Thema der öffentlichen Gesundheit. Weitere Studien sollen nun klären, über welche biologischen und sozialen Mechanismen Einsamkeit die Gesundheit beeinflusst und welche Maßnahmen besonders wirksam dazu beitragen können, ihre Folgen zu verringern.
Quelle: DOI 10.1038/s41467-026-74758-7