Chronische Schmerzen und schlechter Schlaf verstärken sich oft gegenseitig. Eine Analyse von 23 Studien zeigt nun: Melatonin könnte beides gleichzeitig verbessern. Für eine allgemeine Therapieempfehlung reichen die bisherigen Daten allerdings noch nicht aus.

Forschende der Universität Sydney haben zahlreiche Studien zum schmerzlindernden Effekt des Schlafhormons Melatonin analysiert. Untersucht wurden unter anderem Menschen mit Rückenschmerzen, Arthrose und Fibromyalgie. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Melatonin künftig eine ergänzende Rolle in der Schmerztherapie spielen könnte, denn viele Schmerzmittel bergen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen.
Auf den verwendeten Schmerzskalen gingen die Beschwerden im Durchschnitt messbar zurück. Je nach Auswertung lag die statistische Effektgröße in einer ähnlichen Größenordnung wie bei manchen etablierten Schmerztherapien. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Melatonin ebenso wirksam ist.
Ganz so eindeutig, wie das klingt, ist der Befund allerdings nicht: Die Wirkung fällt eher moderat aus und überschritt nicht immer die Schwelle, ab der Betroffene einen Unterschied tatsächlich spürten. Auch die Aussagekraft der Daten stufen die Forschenden als niedrig bis mäßig ein. Für belastbare Empfehlungen braucht es daher weitere, größere Studien.
Für ihre Auswertung fassten die Forschenden die Daten von 2028 Erwachsenen aus 23 kontrollierten Studien zusammen. Beteiligt waren Menschen mit Beschwerden wie Rückenschmerzen, Arthrose oder Fibromyalgie sowie Personen, die sich von Operationen erholten. Die Studie erschien als Vorab-Onlineveröffentlichung des Fachjournals “Pain”.
Ein zweiter Befund macht Melatonin jedoch gerade für Schmerzpatienten interessant: Es verbesserte zugleich die Schlafqualität. Schmerz und schlechter Schlaf hängen eng zusammen, und Melatonin scheint beides anzusprechen. „Für viele Patienten existiert der Schmerz nicht isoliert, sondern ist eng mit schlechtem Schlaf verknüpft", erklärt der Studienleiter Kangchao Wu.
Dosis und Zeitpunkt der Einnahme schwankten je nach Beschwerde. Bei chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat lagen die Dosierungen meist zwischen 3 und 10 Milligramm, am häufigsten kamen 3 Milligramm täglich zum Einsatz. Eingenommen wurde Melatonin in der Regel zur Schlafenszeit oder bis zu eine Stunde davor. Einen klaren Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung fanden die Forschenden allerdings nicht, eine einzelne „beste" Dosis lässt sich aus den Daten daher nicht ableiten.
Melatonin gilt als gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen, insgesamt vergleichbar mit einem Scheinmedikament. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf, Hinweise auf eine Abhängigkeit gibt es nicht. Für eine Einnahme von bis zu drei Monaten gilt Melatonin nach aktuellem Wissensstand überwiegend als gut verträglich.
„Die beobachtete Schmerzlinderung ist mit einigen herkömmlichen Behandlungen vergleichbar, das bedeutet aber nicht, dass Melatonin sie ersetzen sollte", sagt Wu. Vielmehr komme es als zusätzliche, sicherere Option innerhalb eines umfassenderen Behandlungsplans infrage, besonders für Menschen, die zugleich unter Schlafproblemen leiden. Wer Melatonin regelmäßig einnehmen möchte, sollte dies insbesondere bei Vorerkrankungen oder der Einnahme anderer Medikamente ärztlich abklären.
Quelle: DOI 10.1097/j.pain.0000000000004045
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