Ingwer zählt zu den ältesten Gewürzen der Welt. Doch wie gesund ist die scharfe Knolle wirklich? Oft haben bereits kleine Mengen einen guten Effekt, sagt Ernährungswissenschaftlerin Prof. Kristina Petersen von der Texas Tech University in Lubbock, USA.

Schon vor rund 5.000 Jahren nutzten ihn Menschen in Indien und China. Im Mittelalter war Ingwer so wertvoll, dass ein Pfund den Preis eines Schafs hatte. Heute begegnet er uns deutlich entspannter, als frische Knolle oder gemahlen.
Ein Teelöffel roher Ingwer hat 1,6 Kalorien, als getrocknetes Pulver 6 Kalorien. Beide Formen enthalten Spuren mehrerer Vitamine und Mineralstoffe. In den Mengen, in denen das Gewürz beim Kochen eingesetzt wird, kommen aber keine Konzentrationen zusammen, von denen man gesundheitsfördernde Effekte erwarten würde. Forschungsergebnisse zu Ingwer als Zutat sind entsprechend Mangelware.
Anders sieht es bei Ingwer als Nahrungsergänzungsmittel aus: Einzelne Studien deuten an, dass Ingwer bei leichter Übelkeit oder Erbrechen während der Schwangerschaft hilfreich sein kann. Andere Studien konnten bei Reiseübelkeit jedoch keinen Effekt nachweisen. Sehr hohe Mengen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln können weiteren Untersuchungen zufolge den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel verbessern. Petersen warnte jedoch: „Es handelte sich um ziemlich hohe Dosen.“
Nebenwirkungen wurden in den Studien nur selten untersucht. Ingwer kann jedoch Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Blutverdünnern haben. „Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist immer Vorsicht geboten. Wenn möglich, ist es besser, Nährstoffe über eine ausgewogene Ernährung aufzunehmen“, sagte Petersen.
Zu Ingwertee gibt es kaum Forschung. Ingwerlimonaden enthalten oft wenig echten Ingwer, dafür viel Zucker. Trotzdem muss Ingwer nicht vom Speiseplan verschwinden. In Studien senkte eine Ernährung mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen inklusive Ingwer den Blutdruck bei Menschen mit erhöhtem Herzrisiko. Der Effekt von Ingwer allein ließ sich zwar nicht herausfiltern, doch die Ergebnisse sprechen für seinen Einsatz.
Gewürze müssen nicht direkt medizinisch wirken, um hilfreich zu sein. „Wenn man Ingwer zu gesunden Lebensmitteln wie Gemüse gibt und dadurch mehr Freude am Essen hat, profitiert man automatisch davon, mehr Gemüse zu essen“, sagt Petersen. Ingwer passt gut zu Karotten, Gemüsepfannen, Hähnchen und Wok-Gerichten. Er muss nicht im Mittelpunkt stehen. „Es gibt viele Möglichkeiten, ihn einzubauen.“
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