Kann Joghurt vor Darmkrebs schützen? Große Studie liefert neue Hinweise

Wolf Löchel  |  11.07.2026 10:03 Uhr

Wer regelmäßig Joghurt, Prä- oder Probiotika konsumiert, hatte in einer großen US-Studie deutlich seltener eine Darmkrebs-Vorgeschichte. Einen Beweis für eine Schutzwirkung liefern die Daten allerdings nicht.

ältere Frau isst Joghurt
Joghurt und eine ballaststoffreiche Ernährung gelten als günstig für den Darm.
© JackF/iStockphoto

Die Auswertung von mehr als 9.000 Erwachsenen ergab: Menschen, die Joghurt, Prä- oder Probiotika konsumierten, hatten deutlich seltener eine Darmkrebs-Vorgeschichte. Erst danach stellt sich die entscheidende Frage: Handelt es sich um einen echten Schutzeffekt oder lediglich um einen Hinweis auf einen insgesamt gesünderen Lebensstil?

Studie: Joghurt-Konsumenten hatten seltener Darmkrebs

Die Forschenden griffen auf eine große US-Gesundheitsbefragung zurück und verglichen Menschen, die Joghurt, Präbiotika oder Probiotika konsumierten, mit solchen, die darauf verzichteten. Das Ergebnis: Unter den Konsumenten fand sich seltener eine Darmkrebs-Vorgeschichte. In der Auswertung war die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs etwa halb so hoch, auch nachdem die Forschenden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Rauchen und Ballaststoffzufuhr herausgerechnet hatten.

Warum die Studie kein Beweis für eine Schutzwirkung ist

So verlockend das klingt: Die Studie kann nicht zeigen, dass Joghurt und Co. tatsächlich vor Darmkrebs schützen. Der Grund liegt in dem Aufbau der Studie: Sie erfasst nur eine Momentaufnahme und kann Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen.

Vielleicht war gar nicht der Joghurt entscheidend

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Konsumenten unterschieden sich in vielem von den übrigen Teilnehmenden: Sie waren seltener übergewichtig, rauchten weniger und aßen mehr Ballaststoffe. Auch Bildung und finanzielle Lage spielten eine Rolle – Faktoren, die unabhängig von der Ernährung mit dem Krebsrisiko zusammenhängen. Menschen, die zu Joghurt und Probiotika greifen, leben also oft insgesamt gesünder, und möglicherweise ist es dieser Lebensstil, der das Risiko senkt, nicht der Joghurt allein. Beides sauber zu trennen, gelingt mit solchen Daten nicht.

Außerdem beruhten Angaben zur Ernährung als auch die Krebs-Vorgeschichte auf Selbstauskunft der Teilnehmenden und weder Menge noch Dauer oder Art der Probiotika waren genau erfasst worden.

Was Experten zur Ernährung für einen gesunden Darm empfehlen

Auch wenn ein direkter Schutzeffekt offenbleibt, fügt sich der Befund in ein größeres Bild. Eine ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung mit fermentierten Lebensmitteln gilt aus anderen Gründen als günstig für die Darmgesundheit, und ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch als ungünstig. Joghurt und mikrobiomfreundliche Kost schaden also nicht, im Gegenteil, sie passen in eine Ernährung, die dem Darm generell guttut.

Was nachweislich vor Darmkrebs schützt

Für eine echte Empfehlung zur Darmkrebs-Vorbeugung braucht es aber andere Studien. Die Autoren betonen selbst, dass ihre Ergebnisse erst durch längerfristige Untersuchungen bestätigt werden müssten. Was nachweislich vor Darmkrebs schützt, bleibt vorerst die reguläre Vorsorge, allen voran die Darmspiegelung.

Quelle: DOI 10.1038/s41387-026-00432-y

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Gesund leben

Im Fokus diesmal: Süßstoffe und Blutzucker, Schlafmangel und Gewicht sowie Ernährung gegen…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben