Drei bis fünf Tassen gelten als sicher
Die American Heart Association (AHA) hat den Forschungsstand zu Koffein und Herz-Kreislauf-Gesundheit in einem wissenschaftlichen Statement zusammengefasst. Das Ergebnis: Bis zu 400 Milligramm Koffein am Tag, also drei bis fünf Tassen schwarzer Kaffee ohne Zucker, Sirup oder Zusätze, sind für die meisten Erwachsenen unbedenklich. Nach der aktuellen Datenlage erhöht ein Konsum in diesem Bereich das Herz-Kreislauf-Risiko nicht.
Ein wenig Kaffee könnte das Herz sogar schützen
Bei manchen Menschen ging Kaffeekonsum sogar mit einem geringeren Risiko einher. Zwei bis vier Tassen täglich standen mit weniger Herzkrankheiten, Herzschwäche und Schlaganfällen in Verbindung. Ab mehr als vier Tassen kann das Risiko für Herzschwäche allerdings wieder steigen. Solche Zusammenhänge stammen allerdings meist aus Beobachtungsstudien, die zwar Muster aufzeigen, aber keine Ursache belegen.
Auf die Zubereitung kommt es an
Ein Punkt betrifft besonders Menschen mit hohen Cholesterinwerten: Cafestol, ein fettlöslicher Pflanzenstoff aus der Kaffeebohne, kann den LDL-Cholesterin-Spiegel erhöhen. Kaffee selbst enthält kein Cholesterin, der Stoff wirkt auf den körpereigenen Cholesterinstoffwechsel. Cafestol steckt vor allem in ungefiltertem Kaffee, also in French Press, türkischem oder gekochtem Kaffee, in Espresso etwas weniger. In Filterkaffee hält das Papier es zurück, in Instantkaffee ist es kaum enthalten. Wer auf seine Blutfette achtet, fährt mit Filterkaffee also besser. Die günstigen Effekte zeigten sich zudem bei schwarzem Kaffee – Zucker, Sirup, Milch oder Sahne schmälern den möglichen Nutzen.
Energydrinks bewertet die AHA deutlich kritischer
Anders sieht es bei hohen Koffeindosen aus, wie sie in Energydrinks und besonders in Energy Shots stecken. Diese enthalten pro Volumen drei- bis viermal so viel Koffein wie normaler Kaffee, dazu oft weitere Zutaten, welche die Aufnahme beschleunigen und den Blutdruck zusätzlich erhöhen. Sie standen mit erhöhtem Blutdruck und Herzrhythmusstörungen in Verbindung, bei sehr hohen Dosen selbst bei Menschen, die als herzgesund gelten, etwa bei unter 30-Jährigen. Die AHA rät deshalb ausdrücklich davon ab.
Blutdruck und Herzrhythmus: gemischtes Bild
Kaffee kann den Blutdruck kurzfristig leicht steigen lassen. Wer regelmäßig trinkt, gewöhnt sich aber daran, sodass der Effekt nachlässt. Auf Dauer wirkt sich Kaffee daher kaum auf den Blutdruck aus. Nur bei sehr hohem Konsum oder bereits stark erhöhten Werten ist Vorsicht angebracht. Anders die Energydrinks: Ihre hohen Koffeinmengen treiben den Blutdruck deutlich nach oben.
Auch beim Herzrhythmus gibt Kaffee in üblichen Mengen kaum Anlass zur Sorge. Er erhöht das Risiko für Vorhofflimmern nicht, kann aber vereinzelte Extraschläge des Herzens begünstigen.
Kaffee und Diabetes: ein günstiger Zusammenhang
Kaffee zeigt hingegen ein weiteres Plus: Wer regelmäßig schwarzen Kaffee ohne Zusätze trinkt, hat ein geringeres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. In einer Auswertung von 28 Studien sank das Risiko bei etwa 3,5 Tassen täglich um rund 20 Prozent, bei fünf Tassen um etwa 30 Prozent. Kurzfristig kann Koffein die Insulinempfindlichkeit zwar leicht herabsetzen, der langfristige Zusammenhang bleibt aber günstig. Vieles spricht dafür, dass nicht das Koffein dahintersteckt, sondern andere Inhaltsstoffe des Kaffees, denn auch entkoffeinierter Kaffee zeigte den Effekt.
Wichtig: Wie viel Koffein man verträgt, ist unterschiedlich
Wie stark Koffein wirkt, hängt von Genetik, Stoffwechsel, Alter und Gewöhnung ab. „Es gibt keine Strategie für einen sicheren Koffeinkonsum, die für alle passt", sagt Gregory M. Marcus, Vorsitzender der Autorengruppe und Professor für Medizin an der University of California in San Francisco. Was für den einen eine vernünftige Menge sei, könne bei einem anderen Herzklopfen, Unruhe oder Schlafstörungen auslösen. Wer darauf achtet, wie der eigene Körper reagiert, findet meist die für sich passende Menge.
Quelle: DOI 10.1161/CIR.0000000000001454