Baby & FamilieGesund leben

Lebensmittel-Allergien bei Kindern wachsen sich oft aus

PZ  |  27.04.2023

Vertragen Kinder bestimmte Lebensmittel nicht, wächst sich das oft mit den Jahren aus. Ein lebenslanger Verzicht ist in vielen Fällen nicht nötig, daher sollte man die Verträglichkeit alle paar Jahre überprüfen. Vorsicht ist allerdings bei einem vorherigen allergischen Schock (Anaphylaxie) angesagt.

Junge und Mädchen, essen Eis zusammen.
Eine Unverträglichkeit gegen die in der Kuhmilch enthaltenen Proteine wächst sich bei Kindern oft aus.
© CokaPoka/iStockphoto

„Mein Kind verträgt kein Gluten/keine Gummibärchen/keine Milch“ – fast täglich bekommt die Ernährungswissenschaftlerin Dagmar Bolgen von der Medizinischen Hochschule Hannover diesen Satz zu hören. „Meist sind es von den Eltern diffus geäußerte Unverträglichkeiten, die nie diagnostiziert wurden“, erklärte die allergologische Ernährungstherapeutin vergangenes Wochenende beim 9. Niedersächsischen Fortbildungskongress in Bad Zwischenahn. Eine akkurate Diagnose sei jedoch wichtig, um echte Allergien mit der Gefahr eines allergischen Schocks (Anaphylaxie)oder auch ernste Stoffwechselerkrankungen wie Zöliakie auszuschließen.

Lebenslanger Verzicht nur selten nötig

Die gute Nachricht: Handelt es sich um eine Allergie oder Unverträglichkeit, besteht eine gute Chance, dass sie sich verwächst. Bolgen höre oft von Erwachsenen, dass sie schon seit der Kindheit allergisch seien und auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Oft sei das jedoch nicht nötig.

Bei mit Heuschnupfen assoziierten Lebensmittelallergien zum Beispiel gegen Möhre und Apfel, reiche häufig schon das Kochen oder Backen, um die Allergene zu zerstören. „Es gibt Allergiker, die vertragen keine Nüsse, aber Schoko-Nuss-Aufstrich – das habe ich früher nicht geglaubt, gibt es aber wirklich, vermutlich durch die thermisch Behandlung des Produkts“, berichtete Bolgen aus ihrer Erfahrung.

Bei Säuglingen und kleineren Kindern dominieren als Lebensmittelallergene Kuhmilch (die enthaltenen Proteine, nicht der Milchzucker), Soja, Hühnerei und Sesam. Bei den Schulkindern nehmen die Allergien gegen Hühnerei und Kuhmilch ab, hinzu kommen dann Allergien gegen Erdnuss und Baumnüsse wie Haselnuss sowie Fisch und Schalentiere. Weizenallergien und pollenassoziierte Lebensmittelallergien treten eher erst im Jugendalter auf.

Nussallergie ist oft kritisch

„Das größte Problem für Anaphylaxien sind Erdnüsse, gefolgt von Kuhmilch, Haselnuss und Cashew“, berichtete die Ernährungs- und Allergieexpertin. Nussallergien würden sich auch leider eher nicht verwachsen. Bei Anaphylaxie in der Vorgeschichte riet Bolgen daher zu lebenslanger Karenz.

Eltern sollten aber nicht in Eigenregie auf wichtige Lebensmittel wie Weizen/Dinkel oder Kuhmilchprodukte verzichten, vor allem nicht bei jüngeren Kindern. Hier sei die Gefahr eines Mangels bestimmter Nährstoffe aufgrund unnötigen Verzichts zu groß.

„Allergien sind wechselnd und keine stehende Krankheit, gerade bei Grundnahrungsmitteln“, so Bolgen, daher empfiehlt sie bei der Vermutung auf eine Allergie eine weitere Diagnose über den Prick-Test hinaus. Am wichtigsten sei ein ausführliches Anamnese-Gespräche, für das Ernährungsfachkräfte mehr Zeit hätten als Ärzte, sowie eine diagnostische Diät. Falls tatsächlich eine Allergie vorliegt, sollte man bei Kindern alle ein bis zwei Jahre testen, ob sich die Allergie verloren hat.

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