Die Zahl der Anrufe bei US-Giftnotrufzentralen wegen Leberschäden durch Medikamente, Alkohol, Nahrungsergänzungsmittel und andere körperfremde Substanzen ist zwischen 2000 und 2024 deutlich gestiegen. Das berichtet ein Forschungsteam um Christopher Holstege von der University of Virginia. Insgesamt fanden die Forschenden mehr als 220.000 Fälle gemeldeter Leberschäden. Bevölkerungsbereinigt stieg die Melderate in dieser Zeit von 10,9 auf 52,9 Fälle pro einer Million Menschen. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen musste stationär behandelt werden.
Paracetamol besonders häufig beteiligt
Den größten Anteil machten Arzneimittel aus. Am häufigsten wurde Paracetamol mit Leberschäden in Verbindung gebracht. Auffällig ist dabei eine gegenläufige Entwicklung: Nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA die zulässige Paracetamol-Menge in verschreibungspflichtigen Kombinationspräparaten begrenzt hatte, gingen entsprechende Expositionen laut Studie um 60 bis 85 Prozent zurück.
Bei Paracetamol als Einzelwirkstoff nahmen die gemeldeten Fälle dagegen über den Untersuchungszeitraum zu. Frauen wiesen in der Auswertung höhere Raten Paracetamol-assoziierter Leberschäden auf als Männer. Ein vermuteter Suizid war bei beiden Geschlechtern der häufigste Grund für die Exposition, wie die Studie ergab.
Alkohol und andere Substanzen
Alkohol lag als Ursache mit deutlichem Abstand auf Platz zwei. Alkoholbedingte Leberschäden wurden häufiger bei Männern registriert, nahmen während der Corona-Pandemie jedoch bei beiden Geschlechtern zu.
Zunahmen beobachteten die Forschenden außerdem bei Stimulanzien und illegalen Drogen, pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Umweltgiften. Diese machten allerdings wesentlich weniger Fälle aus als Paracetamol und Alkohol. Holstege rät, Medikamente entsprechend ärztlicher Anweisung und Packungsinformation einzunehmen und bei unregulierten Substanzen besondere Vorsicht walten zu lassen.
Ergebnisse beziehen sich auf die USA
Die Auswertung basiert ausschließlich auf Meldungen an US-Giftinformationszentren. Nicht erkannte oder nicht gemeldete Leberschäden wurden dabei nicht erfasst, sodass die tatsächliche Zahl höher liegen könnte.
Quelle: DOI 10.1016/j.cgh.2026.07.032