Neue Hoffnung für Menschen mit Long/Post-COVID: Erstmals dürfen bestimmte Medikamente auf Kassenrezept eingesetzt werden, auch wenn sie dafür ursprünglich nicht zugelassen sind. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat vier Wirkstoffe freigegeben und damit die Versorgung spürbar erweitert.

Menschen mit Long/Post-COVID können künftig von erweiterten Behandlungsmöglichkeiten profitieren. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat entschieden, dass vier Wirkstoffe im sogenannten Off-Label-Use verordnet werden dürfen.
Das bedeutet: Ärzte können diese Medikamente außerhalb ihrer eigentlichen Zulassung einsetzen, wenn sie sich als sinnvoll erweisen. Ein wichtiger Schritt, denn bislang gibt es keine speziell für Long/Post-COVID zugelassenen Arzneimittel.
Beim Off-Label-Use kommen Medikamente bei Erkrankungen zum Einsatz, für die sie ursprünglich nicht entwickelt oder zugelassen wurden. Voraussetzung ist, dass Experten einen möglichen Nutzen sehen und klare Regeln für die Anwendung festgelegt sind.
Die Kosten können nun für gesetzlich Versicherte übernommen werden, wenn die festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Damit wird der Zugang zu Therapien erleichtert, die bisher oft nur eingeschränkt verfügbar waren.
Ivabradin wird normalerweise bei Herzkrankheiten eingesetzt. Künftig kann es auch Patienten mit Long/Post-COVID helfen, die unter dem sogenannten Posturalen orthostatischen Tachykardie-Syndrom (PoTS) leiden – also starkem Herzrasen beim Aufstehen. Das gilt besonders dann, wenn Betablocker nicht vertragen werden oder nicht infrage kommen.
Metformin ist vielen als Diabetes-Medikament bekannt. Im neuen Einsatzgebiet kann es helfen, Long/Post-COVID vorzubeugen. Wichtig: Die Einnahme muss früh erfolgen – innerhalb von drei Tagen nach einer COVID-19-Diagnose. Voraussetzung ist zudem Übergewicht (BMI über 25) und ein noch relativ kurzer Krankheitsverlauf.
Agomelatin wird eigentlich gegen Depressionen eingesetzt. Nun kann es auch bei Fatigue helfen – einem der häufigsten und belastendsten Symptome von Long COVID und ME/CFS. Fatigue beschreibt eine anhaltende, extreme Erschöpfung, die körperlich und mental spürbar ist und sich durch Ruhe kaum bessert.
Auch Vortioxetin stammt ursprünglich aus der Depressionsbehandlung. Im Off-Label-Use kann es bei Long/Post-COVID eingesetzt werden, wenn kognitive Probleme auftreten, etwa Konzentrationsstörungen oder Gedächtnislücken. Zusätzlich kann es depressive Symptome lindern.
Die Verordnung im Off-Label-Use ist an klare Regeln gebunden. Ärzte müssen sich an Vorgaben zu Dosierung, Behandlungsdauer und Patientenauswahl halten. Außerdem gilt: Nur Medikamente, deren Hersteller eine Haftung übernehmen, dürfen tatsächlich auf Kassenrezept verordnet werden.
Der Beschluss basiert auf Empfehlungen einer Expertengruppe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Diese hatte im Auftrag des Gesundheitsministeriums geprüft, welche Wirkstoffe einen Nutzen haben könnten.
Trotz des Fortschritts bleibt der Bedarf an Forschung hoch. G-BA-Chef Josef Hecken betont: „Off-Label-Use kann nur eine Behelfsoption sein, besser sind arzneimittelrechtlich abgesicherte Zulassungsverfahren.“
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