Warum manche Medikamente eine Gewichtszunahme fördern
Wer nach Beginn einer neuen Therapie zunimmt, vermutet oft zuerst Ernährung oder Bewegungsmangel als Ursache. Tatsächlich können auch Medikamente das Körpergewicht beeinflussen. Besonders häufig gilt das für Psychopharmaka, Cortisonpräparate, einige Diabetesmedikamente, Betablocker und bestimmte Hormontherapien.
Wer vermutet, durch Medikamente zuzunehmen, sollte keinesfalls die Einnahme eigenmächtig abbrechen. Stattdessen lohnt sich das Gespräch mit Arzt oder Apotheke, um mögliche Alternativen zu prüfen. Der Präsident der Landesapothekerkammer Hessen Dr. Christian Ude erläutert: „Bestimmte Wirkstoffe können den Appetit anregen, den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflussen, körperliche Trägheit begünstigen oder Flüssigkeitseinlagerungen verursachen.“
Welche Psychopharmaka eine Gewichtszunahme fördern
Antidepressiva, Antipsychotika und Antiepileptika gehören zu den Medikamenten, die das zentrale Nervensystem beeinflussen – und in vielen Fällen das Gewicht. Antipsychotika wie Olanzapin und Clozapin sowie Antidepressiva können den Hunger steigern und den Kalorienverbrauch senken. Auch Antiepileptika wie Valproinsäure oder Gabapentin können das Gewicht erhöhen
Nicht alle Mittel dieser Gruppen führen automatisch zu einer Gewichtszunahme. Die individuelle Wirkung hängt von Wirkstoff, Dosierung und persönlicher Veranlagung ab.
Welche Diabetesmedikamente und Betablocker dick machen können
Einige ältere Antidiabetika wie Tolbutamid oder Insulinpräparate fördern die Gewichtszunahme, obwohl neue Medikamente wie die sogenannten „Abnehmspritzen“ Gegenteiliges bewirken. Auch Betablocker, die gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden, – etwa Atenolol, Propranolol oder Metoprolol – können den Energieverbrauch senken und körperliche Aktivität erschweren, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann. Diese Effekte betreffen vor allem Menschen, die ohnehin mit Übergewicht zu kämpfen haben – hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.
Cortison, Hormone und HIV-Medikamente können ebenfalls zunehmen lassen
Langfristige Cortisontherapien verändern das Erscheinungsbild: Fettverteilung, Muskelabbau und Wassereinlagerungen sind bekannte Folgen. Ähnliches kann bei Hormonbehandlungen gegen Prostatakrebs oder HIV-Medikamenten auftreten, insbesondere bei Wirkstoffen wie Bictegravir oder Kombinationen mit Abacavir/Lamivudin oder Tenofoviralafenamid/Emtricitabin. Diese Veränderungen sind oft nicht sofort erkennbar, entwickeln sich aber über Wochen und Monate.
Nicht jede Gewichtszunahme bedeutet mehr Körperfett
Die Wirkstoffe, die dazu führen können, dass Patienten zunehmen, stammen aus ganz unterschiedlichen Arzneimittelgruppen. Die möglichen Folgen sind ernsthaft: Beispielsweise erkranken Übergewichtige häufiger an Bluthochdruck, Gicht oder Typ-2-Diabetes. Aber es existiert auch eine nur scheinbare Zunahme durch Wassereinlagerungen im Körper. Diese können beispielsweise durch hormonelle Verhütungsmittel, das Brustkrebsmedikament Tamoxifen oder das Antiepileptikum Carbamazepin verursacht werden und verschwinden in der Regel, sobald das Medikament abgesetzt wird.
Woran erkenne ich, dass ein Medikament hinter der Gewichtszunahme steckt?
- Die Gewichtszunahme beginnt kurz nach Therapiebeginn.
- Ernährung und Bewegung haben sich nicht verändert.
- Der Appetit ist deutlich größer geworden.
- Gleichzeitig treten Wassereinlagerungen auf.
Was tun bei Gewichtszunahme durch Medikamente?
Wer Gewichtsschwankungen bemerkt, sollte dies frühzeitig ärztlich oder in der Apotheke abklären. Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, die kürzlich ein neues Medikament begonnen haben und seither trotz gesunder Ernährung zunehmen. Je nach Erkrankung und Wirkstoff kommen Medikamente infrage, die das Gewicht weniger beeinflussen. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, sollte immer gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.
Und wenn nicht? Dann hilft ein bewusster Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung, der medikamentenbedingten Kilos entgegenzuwirken.