Sodbrennen und Reflux: Studie zeigt überraschenden Effekt einer Ernährungsumstellung

Pharmazeutische ZeitungRüdiger Freund  |  11.07.2026 09:21 Uhr

Sodbrennen, ständiges Räuspern oder Heiserkeit können auf Reflux hindeuten. Eine aktuelle Studie zeigt: Ein konsequentes Ernährungs- und Lebensstilprogramm linderte die Beschwerden vieler Betroffener innerhalb von drei Monaten ähnlich gut wie Medikamente.

Mann bereitet einen Salat zu.
Die Auswahl der Lebensmittel kann bei Reflux und Sodbrennen eine wichtige Rolle spielen. Die Studie empfiehlt fettarme Eiweißquellen und Vollkornprodukte.
© opolja/iStockphoto

Wer unter Sodbrennen oder anderen Refluxbeschwerden leidet, greift häufig zu Säureblockern oder Antazida. Doch Medikamente sind nicht immer die einzige Möglichkeit. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein konsequentes Ernährungs- und Lebensstilprogramm die Beschwerden vieler Betroffener deutlich verringerte. Innerhalb von drei Monaten sprachen 81 Prozent der Teilnehmer auf das Ernährungsprogramm an. Damit lag die Erfolgsquote höher als in den drei Medikamentengruppen.

Ernährungsumstellung schnitt besser ab als die Medikamente

Nach drei Monaten Behandlungsdauer hatten sich die Beschwerden in allen vier Behandlungsgruppen der Studie verbessert. Die höchste Ansprechrate erreichten jedoch die Teilnehmer, die ihre Ernährung und ihren Lebensstil umgestellt hatten. Zum Vergleich: Bei Antazida lag die Ansprechrate bei 74,1 Prozent, bei Alginaten bei 57,9 Prozent und bei Säureblockern bei 56,3 Prozent.

Auch die von den Patienten selbst bewerteten Refluxbeschwerden waren in der Ernährungsgruppe am geringsten. Bei den objektiven Untersuchungsbefunden zeigten sich zwischen den vier Behandlungsformen dagegen keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Diese Lebensmittel standen auf dem Speiseplan

Für die Untersuchung begleiteten Forscher 145 Patienten in Belgien und Frankreich über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Teilnehmer erhielten entweder Medikamente oder ein konsequentes Ernährungs- und Lebensstilprogramm.

Empfohlen wurden:

  • fettarme Eiweißquellen wie Fisch, mageres Fleisch und fettarme Milchprodukte
  • Vollkornprodukte sowie Obst und gekochtes Gemüse
  • Maßnahmen zur Stressreduktion

Möglichst gemieden werden sollten:

  • fettreiche Speisen und stark zuckerhaltige Lebensmittel
  • Alkohol, Kaffee, Tee und Fruchtsäfte
  • Tomaten, Zwiebeln, Chili, scharfe Gewürze und rohes Gemüse

Mit diesen Medikamenten wurde verglichen

  • Säureblocker (Protonenpumpenhemmer): Verringern die Produktion von Magensäure und wirken vor allem bei regelmäßiger Einnahme.
  • Antazida: Wirken akut, indem sie bereits vorhandene Magensäure neutralisieren.
  • Alginate: Bilden eine schützende Gel-Schicht auf dem Mageninhalt und erschweren so den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre.

Reflux ohne Sodbrennen: Diese Symptome sind typisch

Beim sogenannten laryngopharyngealen Reflux (LPR) steigt Magensäure bis in Rachen und Kehlkopf auf. Anders als beim klassischen Reflux fehlt dabei häufig das typische Sodbrennen. Stattdessen leiden Betroffene unter Heiserkeit, ständigem Räuspern, Husten, einem Kloßgefühl im Hals oder Halsschmerzen. Weil diese Beschwerden oft nicht mit Reflux in Verbindung gebracht werden, bleibt die Ursache häufig lange unentdeckt.

Was die Studie für Betroffene bedeutet

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine konsequente Ernährungs- und Lebensstiländerung bei Reflux eine wichtige Rolle spielen kann. Wer regelmäßig unter Sodbrennen, Heiserkeit, häufigem Räuspern oder anderen anhaltenden Beschwerden leidet, sollte diese ärztlich abklären lassen. Je nach Ursache kann eine Ernährungsumstellung die Behandlung sinnvoll ergänzen.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie kann Zusammenhänge aufzeigen, aber keinen eindeutigen Beweis für die Wirkung der Ernährungsumstellung liefern. Um die Ergebnisse zu bestätigen, sind weitere randomisierte klinische Studien erforderlich. Die Studie wurde im Fachjournal „JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery“ veröffentlicht.

Quelle: DOI 10.1001/jamaoto.2026.0577

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