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Mehr Tests auf Chlamydien und Gonorrhoe

ZOU/RF  |  20.04.2021

Eine neue kanadische Leitlinie empfiehlt Tests auf Chlamydien und Gonorrhoe (auch Tripper genannt) für gesunde sexuell aktive Personen unter 30 Jahren: Diese beiden Erkrankungen sind die häufigsten sexuell übertragbaren bakteriellen Infektionen in Kanada und kommen dort vermehrt bis zum Alter von 29 Jahren vor. In Deutschland ist das Bild ähnlich.

Junges Paar umarmt sich.
Sexuell übertragbare Krankheiten, die oftmals symptomlos verlaufen, lassen sich durch Tests aufspüren.
© YakobchukOlena/iStockphoto.com

Die Richtlinie empfiehlt, dass Ärzte in Kanada im Rahmen der Gesundheitsvorsorge allen sexuell aktiven Patienten unter 30 Jahren jährlich Routinetests auf Chlamydien und Gonorrhoe anbieten. Der Grund dafür ist, dass in dieser Altersgruppe viele Menschen symptomlos und damit unbemerkt infiziert sind. Seit dem Jahr 2000 haben die Infektionsraten für beide Erkrankungen deutlich zugenommen: Man vermutet, dass zwischen fünf und sieben Prozent der 15- bis 29-Jährigen Chlamydien haben.

Derzeit werden in Kanada sexuell aktive Personen bis zum Alter von 25 Jahren untersucht. „Die Empfehlung, das Screening auf das 30. Lebensjahr auszudehnen, spiegelt die zunehmende Infektionsrate bei Kanadiern im Alter von 25 bis 29 Jahren wider“, sagt Dr. Donna Reynolds von der Universität Toronto.

Obwohl die gesundheitlichen Folgen für Frauen größer sind, wird in der Leitlinie ausdrücklich auch die Untersuchung von Männern empfohlen, denn sie sind die Hauptinfektionsquelle für Frauen. „Das Screening von Männern, die häufig keine Symptome aufweisen, kann die Übertragung und Komplikationen bei Frauen verringern“, sagte sagt Prof. Dr. Ainsley Moore von der McMaster University in Hamilton. Die Leitlinie wurde im „Canadian Medical Association Journal“ veröffentlicht.

Chlamydien und Gonorrhoe auch in Deutschland ein Problem

In Deutschland kommen Gonokokken und Chlamydien ebenfalls häufig vor, sind jedoch nicht meldepflichtig. Das Robert Koch-Institut erklärt mit Bezug auf epidemiologische Studien, dass etwa 13 Prozent der sexuell aktiven jugendlichen Frauen mit Chlamydien infiziert seien. Hierzulande können gesetzlich versicherte Frauen unter 25 Jahren ihren Urin einmal jährlich auf Chlamydien testen lassen.

Was Gonokokken angeht, scheint die Situation nicht viel besser zu sein. Hierzu liegen Zahlen aus dem Bundesland Sachsen vor, die zeigen, dass sich die Infektionsrate in der Bevölkerung seit 2001 auf knapp 20 pro 100.000 Einwohner verzehnfacht hat. Die gesetzlichen Kassen bezahlen keine Tests zur Früherkennung, nur im konkreten Verdachtsfall oder bei entsprechenden Symptomen. 

Quellen:
DOI 10.1503/cmaj.201967
Robert Koch-Institut:
Chlamydien
Gonorrhoe 

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