Millionen Menschen nehmen nach einem Herzinfarkt Betablocker. Doch eine große internationale Studie zeigt: Für viele bringt das offenbar keinen Vorteil. Besonders für Frauen könnte die Einnahme sogar Nachteile haben.

Betablocker gehören seit Jahrzehnten zur Routinebehandlung nach einem Herzinfarkt. Die neue REBOOT-Studie stellt jedoch eine zentrale Frage: Brauchen Patienten mit normaler Herzfunktion diese Medikamente überhaupt?
Die wichtigste Erkenntnis der Studie mit rund 8.500 Patientinnen und Patienten: Bei Menschen, deren Herz nach einem unkomplizierten Infarkt normal pumpt, senkten Betablocker weder das Sterberisiko noch die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Infarkt oder eine Herzschwäche.
Viele verlassen das Krankenhaus mit einer langen Medikamentenliste. Wenn ein Mittel keinen zusätzlichen Nutzen bringt, könnte das den Alltag unnötig belasten – etwa durch Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder niedrigen Puls. Für Betroffene bedeutet das: Die Therapie nach einem Herzinfarkt könnte künftig individueller werden. Wichtig bleibt aber: Patienten sollten ihre Medikamente niemals eigenständig absetzen.
Besonders bemerkenswert ist ein Befund aus einer ergänzenden Analyse, veröffentlicht im European Heart Journal: Frauen mit vollständig erhaltener Herzfunktion nach einem Herzinfarkt hatten unter Betablockern sogar ein höheres Risiko in der nächsten Zeit zu versterben, einen erneuten Infarkt zu erleiden oder eine Herzschwäche zu bekommen als Frauen ohne diese Therapie. Dieser Zusammenhang zeigte sich bei Männern nicht. Die Gründe dafür sind noch unklar.
Wichtig: Die Ergebnisse sprechen nicht gegen das Medikament an sich, sondern für eine präzisere Auswahl der Patienten. Die Studie untersuchte ausschließlich Patienten mit unkompliziertem Herzinfarkt und erhaltener Pumpfunktion. Für Menschen mit eingeschränkter Herzleistung gelten die Ergebnisse nicht. Die Daten deuten allerdings darauf hin, dass die pauschale Verschreibung von Betablockern nach einem Herzinfarkt überdacht werden könnte – zumindest bei Patienten mit normaler Herzfunktion.
Die Abkürzung REBOOT-Studie steht für „Randomized Evaluation of Beta-Blocker Therapy After Myocardial Infarction“. Das bedeutet sinngemäß: Randomisierte Bewertung der Betablocker-Therapie nach einem Herzinfarkt.
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