Koronare Herzkrankheit (KHK): Symptome, Behandlung und Tipps

Rüdiger Freund  |  12.05.2026 13:44 Uhr

Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland. Sie entsteht, wenn die Herzkranzgefäße verengt oder blockiert sind und das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. In diesem Text erfahren Sie, wie sich die Erkrankung bemerkbar macht, welche Risiken bestehen – und was sich dagegen tun lässt.

Junger Mann legt sich die Hand auf das Brustbein.
Ein dumpfer, drückender oder brennender Schmerz hinter dem Brustbein, vor allem bei Belastung oder Stress, ist ein Symptom von KHK.
© Jacob Wackerhausen/iStockphoto
Inhaltsverzeichnis

Überblick

Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, durch Ablagerungen (Plaques) verengt. Diese Gefäßverengung entsteht meist durch Arteriosklerose – also die „Verkalkung“ der Gefäßwände. 

Dadurch gelangt bei körperlicher Belastung nicht mehr genug Blut zum Herzmuskel, was zu Brustenge (Angina pectoris), Kurzatmigkeit oder in schweren Fällen zu einem Herzinfarkt führen kann.

In Deutschland sind rund 2,5 bis 3 Millionen Menschen betroffen – viele, ohne es zu wissen. Jährlich erleiden etwa 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, meist infolge einer unbehandelten oder fortgeschrittenen KHK. Besonders Männer ab dem mittleren Alter gelten als Risikogruppe. Aber auch Frauen nach der Menopause haben ein erhöhtes Risiko. 

KHK ist eine chronische Erkrankung, die zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar ist. Eine Kombination aus Medikamenten, gesunder Lebensweise und gegebenenfalls Eingriffen an den Gefäßen kann helfen, die Beschwerden zu lindern und schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.

Symptome von KHK

Die koronare Herzkrankheit entwickelt sich oft schleichend und bleibt lange unbemerkt. Erste Anzeichen zeigen sich meist bei körperlicher Anstrengung, emotionalem Stress oder Kälte. Im fortgeschrittenen Stadium können Beschwerden auch in Ruhe auftreten. Wichtig ist: Nicht alle Betroffenen spüren klassische Brustschmerzen – vor allem Frauen, ältere Menschen und Diabetiker haben häufig untypische Symptome.

Typische Beschwerden bei KHK

  • Häufig tritt ein dumpfer, drückender oder brennender Schmerz hinter dem Brustbein auf – vor allem bei Belastung oder Stress.
  • Dieser Schmerz kann in Arme, Schulter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen.
  • Viele Betroffene verspüren ein Gefühl von Enge oder Schwere in der Brust – das sogenannte Angina-pectoris-Gefühl.
  • Bei Frauen treten häufig unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen oder Rücken- oder Oberbauchschmerzen auf. Diese Unterschiede führen häufig zu einer verspäteten Diagnose.
  • Es kann zu Atemnot bei Anstrengung, Herzklopfen oder Schwäche kommen.
  • Manche Menschen berichten über Angstgefühle oder Unruhe während eines Anfalls.

Achtung: Wenn die Beschwerden in Ruhe auftreten oder länger als 15 Minuten anhalten, kann das ein Hinweis auf einen akuten Herzinfarkt sein – in diesem Fall ist sofortige ärztliche Hilfe notwendig (Notruf 112).

Verlauf

Die koronare Herzkrankheit entwickelt sich über viele Jahre – oft unbemerkt. Anfangs treten Beschwerden nur bei körperlicher Belastung auf, weil der Herzmuskel unter Anstrengung mehr Sauerstoff benötigt. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich die Durchblutung der Herzkranzgefäße zunehmend, und die Beschwerden können auch in Ruhe oder bereits bei geringen Belastungen auftreten.

Typisch sind wiederkehrende Angina-pectoris-Anfälle – sie deuten darauf hin, dass das Herz nicht ausreichend durchblutet wird. Bleibt die KHK unbehandelt, können schwerwiegende Komplikationen folgen: Dazu zählen Herzrhythmusstörungen, eine chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder ein akuter Herzinfarkt. Letzterer entsteht meist, wenn eine Plaque in der Gefäßwand aufbricht und ein Blutgerinnsel das Gefäß plötzlich verschließt.

Ein Herzinfarkt kann aber auch „stumm“ verlaufen – also ohne typische Brustschmerzen. Besonders Menschen mit Diabetes, ältere Personen oder Frauen zeigen manchmal nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit, Kurzatmigkeit oder Rückenbeschwerden. Umso wichtiger ist es, Risikofaktoren ernst zu nehmen und regelmäßig Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen.

Mit einer konsequenten Behandlung – durch Medikamente, Lebensstiländerung und gegebenenfalls Gefäßeingriffe – lässt sich die KHK oft über Jahre stabil halten. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Chancen, größere Schäden am Herzmuskel zu verhindern.

Ursachen von KHK

Die koronare Herzkrankheit entsteht meist durch eine Arteriosklerose – also die Einlagerung von Fetten, Kalk und anderen Substanzen in die Gefäßwände. Diese Ablagerungen verengen die Herzkranzgefäße nach und nach und behindern die Durchblutung des Herzmuskels. Die Entstehung wird durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Lebensstilfaktoren begünstigt.

Typische Risikofaktoren für KHK

  • Bluthochdruck (Hypertonie) ist einer der wichtigsten Risikofaktoren – er belastet die Gefäßwände dauerhaft und beschleunigt die Verkalkung der Arterien.
  • Erhöhte Blutfettwerte, insbesondere LDL-Cholesterin, fördern die Bildung von Plaques in den Gefäßen.
  • Rauchen schädigt die Gefäße direkt und erhöht das Risiko für Herzinfarkt erheblich.
  • Diabetes mellitus kann die Gefäße unbemerkt schädigen – oft ist die KHK hier symptomarm.
  • Bewegungsmangel, Übergewicht und eine ungesunde Ernährung begünstigen die Entstehung der Erkrankung.
  • Auch chronischer Stress und psychische Belastungen können sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.
  • Familiäre Vorbelastung: Wenn nahe Angehörige früh an KHK erkrankt sind, steigt das eigene Risiko.
  • Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle, besonders bei Verdacht auf KHK oder anderen Risikofaktoren, kann helfen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Zunehmend wird auch ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus als Risikofaktor diskutiert. In den letzten Jahren sind zudem entzündliche Prozesse in den Fokus gerückt – chronische Entzündungen im Körper können die Arterien zusätzlich schädigen.

Diagnose

Um eine KHK sicher zu erkennen, sind eine gezielte Befragung, körperliche Untersuchung und spezielle Herzdiagnostik notwendig.

So wird KHK diagnostiziert:

  • Zu Beginn steht eine gründliche Anamnese, bei der nach typischen Beschwerden, Risikofaktoren und familiärer Vorbelastung gefragt wird.
  • Ein Ruhe-EKG kann Herzrhythmusstörungen oder Anzeichen früherer Herzinfarkte sichtbar machen – bei akutem Verdacht liefert es wichtige Hinweise.
  • Ein Belastungs-EKG (Ergometrie) überprüft, wie das Herz unter körperlicher Anstrengung arbeitet und ob es zu Durchblutungsstörungen kommt.
  • Eine Echokardiografie (Ultraschall des Herzens) zeigt, ob es bereits zu Funktionsstörungen oder einer eingeschränkten Pumpleistung gekommen ist.
  • Eine Langzeit-Blutdruckmessung hilft, Bluthochdruck als Risikofaktor zu erkennen.
  • Bei unklaren Befunden kommen bildgebende Verfahren wie die Myokardszintigrafie, Stress-MRT oder eine CT-Koronarangiografie zum Einsatz.
  • Zur Früherkennung kann ein Kalzium-Score-Test per CT-Hinweise auf kalkhaltige Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen geben und so das individuelle Risiko besser einschätzen helfen.
  • Die Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) ist der Goldstandard: Dabei werden die Herzkranzgefäße direkt dargestellt – Verengungen lassen sich bei Bedarf sofort behandeln (zum Beispiel durch einen Stent).

Regelmäßige Kontrollen, insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren, können helfen, eine KHK frühzeitig zu erkennen – noch bevor es zu schwerwiegenden Ereignissen kommt. Ein interdisziplinärer Behandlungsansatz – oft gemeinsam mit Kardiologie, Hausarztpraxis und Ernährungsberatung – ist besonders sinnvoll.

Behandlung von KHK

Die Behandlung der koronaren Herzkrankheit verfolgt drei zentrale Ziele: Beschwerden lindern, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und lebensbedrohliche Ereignisse wie Herzinfarkte verhindern. Die Therapie besteht aus einer Kombination aus Medikamenten, Änderungen im Lebensstil und – wenn nötig – Eingriffen an den Herzkranzgefäßen.

Typische Bausteine der KHK-Therapie

  • Blutverdünner (z. B. ASS, Clopidogrel) senken das Risiko für Blutgerinnsel und Herzinfarkte.
  • Betablocker entlasten das Herz, senken den Blutdruck und beugen Rhythmusstörungen vor.
  • ACE-Hemmer oder AT1-Blocker schützen das Herz bei Bluthochdruck oder beginnender Herzschwäche.
  • Cholesterinsenkende Medikamente (Statine) reduzieren das LDL-Cholesterin und wirken gegen Gefäßverkalkung.
  • Nitrate oder Calciumkanalblocker lindern Angina-pectoris-Beschwerden, indem sie die Gefäße erweitern.
  • Eine Umstellung der Lebensweise ist entscheidend: Das bedeutet Rauchstopp, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion und Stressabbau.
  • Bei schwerer Verengung kann eine Gefäßerweiterung per Ballonkatheter (PCI) mit Einsetzen eines Stents notwendig sein.
  • In bestimmten Fällen kommt auch eine Bypass-Operation in Frage – dabei wird eine Umleitung um die verengte Stelle gelegt.

Ziel ist es, das Herz möglichst gut mit Sauerstoff zu versorgen, Folgeerkrankungen zu verhindern und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Eine kardiologische Rehabilitation nach einem akuten Ereignis kann helfen, Ängste abzubauen und eine langfristige Lebensstilveränderung zu etablieren.

Was die Apotheke rät

  • Die Apotheke unterstützt bei der korrekten Einnahme von Medikamenten, insbesondere bei komplexen Therapien mit Blutverdünnern, Betablockern oder Statinen.
  • Sie kann auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln hinweisen – etwa bei Johanniskraut oder Schmerzmitteln.
  • Bei Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Husten (ACE-Hemmer) oder Muskelproblemen (Statine) hilft das Apothekenteam bei der Einschätzung und kann Rücksprache mit der Arztpraxis empfehlen.
  • Die Apotheke bietet Beratung zu Rauchentwöhnung, etwa durch Nikotinersatzprodukte oder passende Begleitprogramme.
  • Für eine herzgesunde Lebensweise kann die Apotheke Ernährungsratgeber, Messgeräte (z. B. für Blutdruck) oder Bewegungstipps vermitteln.
  • Bei Angina-pectoris-Beschwerden berät die Apotheke zur korrekten Anwendung von Notfall-Nitratsprays oder -tabletten.

Kurz zusammengefasst

  • Die koronare Herzkrankheit (KHK) entsteht durch verengte Herzkranzgefäße und kann zu Brustschmerzen, Atemnot oder Herzinfarkt führen.
  • Typische Beschwerden treten meist bei Belastung auf – Frauen zeigen häufig unspezifische Symptome, weswegen eine KHK häufig spät diagnostiziert wird
  • Risikofaktoren sind unter anderem Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Diabetes und Bewegungsmangel.
  • Die Diagnose erfolgt durch EKG, Belastungstests, Bildgebung oder Herzkatheter – auch ein Kalzium-Score kann Hinweise liefern.
  • Die Behandlung umfasst Medikamente, Lebensstiländerung und bei Bedarf Eingriffe wie Stent oder Bypass.

zuletzt aktualisiert: 12.05.2026

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