Neues Antibiotikum nutzt unbekannte Schwachstelle von resistenten Bakterien

Hanke Huber  |  08.06.2026 13:28 Uhr

Forschende in Kanada haben ein neues Antibiotikum entdeckt, das offenbar gegen resistente Bakterien wirkt. Darunter sind etwa Salmonellen und Escherichia coli.

Eine Wissenschaftlerin hält eine Petrischale mit Keimbesiedlung in die Kamera.
Forschende haben ein neues Antibiotikum gegen resistente Keime entdeckt. Erste Versuche zeigen vielversprechende Ergebnisse.
© Manjurul/iStockphoto

Forschende von der McMaster University in Ontario haben ein neues Antibiotikum entdeckt, dass gegen einige der gefährlichsten resistenten Bakterien wirkt. Es greift eine bisher unbekannte Schwachstelle der Bakterien an, was den Weg zu einer ganz neuen Klasse von Antibiotika eröffnen könnte. 

Wirkung gegen bekannte Krankheitserreger

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass der neue Wirkstoff, das sogenannte Manikomycin, gegen Keime wie Salmonellen, Escherichia coli und Klebsiellen wirkt. Im Gegensatz zu allen derzeit eingesetzten Antibiotika, wirkt diese Verbindung, indem sie in Zellen die Austrittsstelle von Ribosomen blockiert. 

So legt Manikomycin resistente Bakterien lahm

Ribosomen spielen bei der Herstellung von Proteinen eine zentrale Rolle. Professor Gerry Wright, der die Studie leitete, vergleicht das Ribosom mit einem Fließband in einer Fabrik. Fertige Komponenten müssen vom Band genommen werden, bevor das nächste Teil weiterbefördert werden kann. Manikomycin blockiere die Ausgabestelle, wodurch der gesamte Montageprozess ins Stocken gerate und schließlich zum Stillstand komme, erklärt Wright. Und ohne die Fähigkeit, Proteine zu produzieren, können Bakterien nicht überleben.

Neue Angriffsstelle statt bekannter Ziele

Auch andere Antibiotika setzen an den Ribosomen an – allerdings alle an den wenigen, bislang bekannten Schwachstellen. Das führe dazu, dass Bakterien Abwehrstrategien entwickeln könnten, erklärt Wright. Auch neue Medikamente, die an denselben Zielen angreifen, könnten somit schnell auf Resistenzen stoßen. Das macht die Entdeckung in den Augen der Forscher so besonders. „Wir haben nicht nur einen brandneuen Wirkstoffkandidaten gefunden, sondern auch ein völlig neues Ziel in Bakterien identifiziert, das potenziell für andere neue Medikamente genutzt werden könnte“, sagt Wright. 

Erste Tests vielversprechend 

In Zellversuchen konnten die Forschenden bereits nachweisen, dass das neue Antibiotikum für menschliche Zellen nicht toxisch ist und in einem kontrollierten Infektionsmodell im Labor gut wirkt. Beides seien wichtige Meilensteine in dieser frühen Entwicklungsphase, so die Wissenschaftler.

Mehr aponet.de bei Google

Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Gesund leben

Im Fokus diesmal: Süßstoffe und Blutzucker, Schlafmangel und Gewicht sowie Ernährung gegen…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben