Neues Lungenkrebsscreening ab April 2026: Kostenlose Früherkennung für Risikogruppen

Rüdiger Freund  |  11.03.2026 12:33 Uhr

Für Millionen Raucher und ehemalige Raucher in Deutschland startet am 1. April 2026 ein neues Angebot der Krebsfrüherkennung: ein kostenloses Lungenkrebsscreening der gesetzlichen Krankenkassen. Das meldet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin. Ziel ist es, Tumoren früher zu entdecken und die Heilungschancen deutlich zu verbessern.

Ärztin schaut mit Patientin auf Röntgenaufnahme.
Gesetzliche Krankenkassen bieten zukünftig eine für Versicherte kostenlose Früherkennung auf Lungenkrebs an.
© dragana991/iStockphoto

Kostenloses Lungenkrebsscreening für Menschen mit erhöhtem Risiko

Ab dem 1. April 2026 führen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland ein bundesweites Lungenkrebsscreening ein. Anspruch darauf haben Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren, die viele Jahre geraucht haben oder noch rauchen. Schätzungen zufolge betrifft das etwa drei bis fünf Millionen Menschen in Deutschland.

Das Screening erfolgt einmal jährlich mit einer speziellen Form der Computertomographie, dem sogenannten Niedrigdosis-CT. Moderne Geräte arbeiten mit einer vergleichsweise geringen Strahlenbelastung und liefern gleichzeitig sehr genaue Bilder der Lunge.

Digitale Systeme unterstützen die Auswertung

Zusätzlich unterstützen digitale Systeme und KI-gestützte Auswertungen die Ärzte bei der Beurteilung der Aufnahmen. Auffällige Befunde lassen sich so genauer einordnen. Gleichzeitig kann die Technik helfen, unnötige Folgeuntersuchungen zu vermeiden.

Für Professor Dr. med. Tim O. Hirche, Direktor der Klinik für Pneumologie an den HELIOS Dr. Horst Schmidt-Kliniken Wiesbaden ist das Programm ein wichtiger Schritt für die Krebsmedizin und das Gesundheitssystem. „Es eröffnet die realistische Chance, die Prognose einer der tödlichsten Krebserkrankungen durch systematische Früherkennung substanziell zu verbessern – und langfristig auch Kosten zu vermeiden, die durch späte Krankheitsstadien entstehen.“

Lungenkrebs bleibt eine der häufigsten Todesursachen

Lungenkrebs ist in Deutschland weiterhin die häufigste krebsbedingte Todesursache. Jedes Jahr erhalten rund 58.000 Menschen die Diagnose, etwa 45.000 sterben an den Folgen der Erkrankung. Das Problem: Viele Tumoren werden erst spät entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Krankheit oft schon ausgebreitet, sodass die Behandlung schwieriger wird.

„Beim Lungenkrebs entscheidet der Zeitpunkt der Diagnose maßgeblich über die Prognose“, sagt Hirche. Internationale Studien zeigen, dass regelmäßige Untersuchungen mit einem sogenannten Niedrigdosis-CT die lungenkrebsbedingte Sterblichkeit deutlich senken können. Der Grund: Tumoren lassen sich oft schon in einem frühen Stadium erkennen – also dann, wenn eine Heilung noch möglich ist.

Rauchstopp bleibt der wichtigste Schutz vor Lungenkrebs

So wichtig die Früherkennung ist: Die wirksamste Maßnahme gegen Lungenkrebs bleibt der Verzicht auf Tabak. „Jeder Tag ohne Rauchen ist ein Gewinn für die Lungengesundheit“, betont Professorin Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). „Kein Screening kann die gesundheitlichen Schäden des Rauchens vollständig ausgleichen. Prävention beginnt deshalb idealerweise deutlich früher – mit dem Rauchverzicht.“

Aus Sicht der DGIM gehören deshalb mehrere Maßnahmen zusammen: verständliche Information über Risiken, Angebote zur Raucherentwöhnung und gezielte Vorsorgeprogramme. Ziel ist es, Menschen beim Ausstieg aus dem Rauchen zu unterstützen und gleichzeitig diejenigen zu erreichen, für die eine Früherkennung sinnvoll sein kann.

Patiententag: Medizinisches Wissen verständlich erklärt

Das neue Lungenkrebsscreening ist auch Thema beim öffentlichen DGIM-Patiententag am 18. April 2026 im Wiesbadener Rathaus. Die Veranstaltung richtet sich an Menschen, die sich über Vorsorge und Früherkennung informieren wollen. Ärztinnen und Ärzte erläutern Möglichkeiten der Früherkennung von Herz-, Lungen- und Stoffwechselerkrankungen sowie Ansätze zur Vermeidung von Folgeerkrankungen.

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